Neustadt Brutaler Mord nach weinfrohem Volksfest

NEUSTADT. „500 Jahre lang ging bei der Geißbockversteigerung in Deidesheim alles gut – und dann kam ich!“ Humorig leitete Benno Liebheit in der Stadtbücherei die Lesung aus seinem neuen Pfalzkrimi „Letzter Tanz mit einem Geißbock“ ein. Gespannt verfolgte das überschaubare Publikum nach der Begrüßung durch Frank Schwarz vom Literarischen Forum Neustadt den zweiten Fall von Kommissar Stephan Bick.
Zum Einstieg bot der Autor ein authentisches Stimmungsbild des berühmten Volksfestes. Doch die heile Welt ist brüchig. Arthur Otterbach, Besitzer einer renommierten Kosmetikfirma, hat sich auf Betreiben seines PR-Chefs darauf eingelassen, am Tage der Präsentation seiner neuen Kosmetikserie „Celtic Dreams“ werbewirksam den Geißbock zu ersteigern. Dabei gerät er allerdings in Konflikt mit seiner aus Amerika angereisten Exfrau, die ihn zu überbieten versucht. Streit ist vorprogrammiert. Nicht nur mit Lea, sondern auch mit seiner Direktionsassistentin und Geliebten Peggy Schwedt. Als er dann den begehrten Bock Benno tatsächlich ergattert, scheint der extravaganten Fête in seiner Villa mit viel Prominenz nichts im Wege zu stehen. Doch dann auf dem Höhepunkt der Präsentation der Einbruch des Grauens. Teenager, die den Bock aus Jux mit Farbe besprühen wollen, entdecken im Stall eine Tote. Spannungssteigernd unterbricht Liebheit die Szene mit der detaillierten Schilderung des aus Ludwigshafen herbeigerufenenen Hauptkommissars Stephan Bick, eines unscheinbaren Mannes, der sogar von seinen Vorgesetzten mitunter übersehen wird. Seine kriminalistische Arbeit jedoch ist professionell, was er bereits mit der Lösung seines ersten Falls in „Requiem für einen Saumagen“ bewies. Die Tote ist Peggy, Otterbachs Referentin, die dieser gerade erst den Gästen als seine Verlobte vorgestellt hat. Bevor sie sich also einen Platz im Testament des Millionärs sichern konnte, wurde sie ermordet. Tatverdächtige gibt es daher einige... Die Ermittler stoßen auf gräuliche Details. Die junge Frau wurde erschlagen, ertränkt, und der Täter hatte ihr auch noch die Kehle durchschnitten. Als Mordwaffe entdecken die Beamten einen sonderbaren Gegenstand. Warum der Täter die Waffe zurückließ? Bick ist überzeugt, dass der Mörder mit ihnen kommunizieren wolle. Mehr verriet Liebheit nach einstündiger Lesung nicht, obwohl die Zuhörer gern weitere spannende Details erfahren hätten. Stattdessen verwies er schmunzelnd auf die Lektüre des Romans, der in der Tat ein packendes kriminalistisches Spektrum umfasst. Naheliegend daher die Frage aus dem Publikum, ob der Mörder weiter zuschlagen werde. Damit sei zu rechnen, versicherte Liebheit vieldeutig. Wichtiges Thema des Romans ist die keltische Kultur. Was motivierte den Autor dazu, keltische Rituale einzuarbeiten? Im Wald bei Haßloch gebe es einen keltischen Grabhügel. Dort habe ein US-Archäologe Ausgrabungen geleitet, über die er einen Vortrag hielt, den Liebheit besuchte. Der Grabhügel sei wieder zugeschüttet worden, damit Studenten bei neuen Ausgrabungen archäologische Techniken erlernen können. Gibt es einen dritten Fall für Kommissar Bick? Dieser sei zwar angedacht, versicherte der Autor schmunzelnd, aber: „Benno Liebheit macht erst einmal eine Pause und lässt Guido Dieckmann weiter arbeiten“. Und dieser hat einen neuen historischen Roman vollendet, der unter dem Titel „Die sieben Templer“ noch vor Weihnachten erscheinen wird. Thema ist der Untergang des Templerordens im 14. Jahrhundert. Was ihm mehr Spaß mache, das Schreiben von historischen Romanen oder von Kriminalgeschichten? „Beides auf seine Art. Es macht Spaß, in vergangene Jahrhunderte abzutauchen und dann wieder als Mensch mit Handy in der modernen Welt zu agieren.“ Sprach’s und begann, seinen Pfalzkrimi zu signieren – mit Benno Liebheit.