Neustadt Briefe an die Lokalredaktion:

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Als junger Mensch, der sich für die Entwicklung seiner Heimatstadt interessiert, kommen mir gerade viele Fragezeichen in den Kopf, wenn ich lese, was Ingo Röthlingshöfer als Mitglied des Stadtvorstandes so ganz offen auf dem Podium darlegt. Aus meinem vielleicht naiven Verständnis heraus dachte ich immer, dass der Stadtvorstand dazu da ist, Ziele zu erarbeiten und sich darüber auszutauschen. Wie kann es passieren, dass einer aus diesem Gremium öffentlich nach 16 Jahren nach den Zielen fragt? Hat er das jetzt erst erkannt, hat er die ganze Zeit gar nie verstanden, wie wichtig Ziele sind oder hat er einfach geschwiegen und es geschehen lassen? Wie passt das zusammen, wenn die gleiche Person behauptet, dass intensive Gespräche im Stadtvorstand bis in den Morgen dauern? Was ist denn jetzt bitte die Legendenbildung von der ich vermehrt lese? Ich bin verunsichert. Noch mehr bin ich verunsichert, wenn diese Person jetzt nicht legitimierte Personen im Rahmen einer Zielfindung aktiv einbinden will. Bei einer Recherche lese ich von 2014 diese Headline: „Ich tue mir schwer damit, dass Bürger, die keine politische Legitimation mitbringen, anfangen, die Verwaltung zu beschäftigen. Das stelle das System in Frage.“ Das Zitat stammt von der gleichen Person, die jetzt die „Hilfe“ von Bürgern als Idee präsentiert. Mir scheint allerdings, als wolle man nur Hilfe von bestimmten Personen. Vielleicht nur von denen, die „angenehm“ sind? Vielleicht ist das ja genau der Kern des Problems. Mich beschleicht so langsam das Gefühl, dass das eigentliche Problem weder bei den Spekulanten, noch bei den Bürgern liegt. Als junger Mensch bin ich etwas fassungslos darüber, wie man unsere Zukunftschancen hier so fahrlässig verzockt. Ich frage mich ernsthaft, ob wir nicht dringend neues Denken in unserem Stadtvorstand brauchen. Lieber Benedikt Jahn, Du bist ja noch ein richtiger Lausbub. Wenn ich da an meine Lausbubenzeit zurückdenke, nun ja, das ist schon eine ganze Weile her, da gab es in Königsbach keinen einzigen Spielplatz. Königsbach war unser Spielplatz. Der schönste, den es auf der Welt gab. Wir haben Verstecken gespielt im alten Raiffeisen oder bei der Winzergenossenschaft, sind auf Erkundung an der Kirche gegangen und haben auch unseren Pfarrer geärgert. Federball, Völkerball und Fußball auf der Straße gespielt. Uns maßlos geärgert, wenn einmal ein Auto kam und unser Spiel gestört hat. Ich weiß nicht mehr alles, was wir angestellt und gemacht haben. Aber der allerschönste Spielplatz war der Wald, und davon gibt es in Königsbach und Umgebung reichlich. Wir haben im Wald Hütten gebaut und die tollsten Abenteuer erlebt. Die Hütten haben wir sogar mit Genehmigung unseres damaligen Waldschützen Hermann Münch gebaut, der hat uns gesagt, welche Bäumchen wir dafür nehmen dürfen. Nur die Abgestorbenen, die sowieso später weggemacht wurden. Wir hätten uns nie erlaubt, einen grünen Baum zu fällen. Das hätte den Zorn unseres Waldschütz` auf uns gebracht und den Zorn unserer Eltern. Das wäre fürchterlich geworden. Für das hat mein Vater immer seine Säge, Hammer und Nägel gesucht. Die waren ja im Wald. Auch haben wir mit unseren Eltern Wasserrädchen gebaut und im Klausental bei der alten Brücke aufgestellt und laufen lassen. Auch wenn sie die Wildschweine immer mal wieder umgeworfen haben. Nun ja, die Brücke gibt es nicht mehr, die Wildschweine schon. Eines haben wir nicht gemacht und das ist wahr. Wir haben nie etwas mutwillig kaputt gemacht. Egal wo. Zu meiner Jugendzeit gab es keine Rechtsschutzversicherung – oder sie war zu teuer. Nun ja, Federball, Völkerball und Fußball auf der Straße zu spielen, ist heute fast nicht mehr möglich, denn die Autos stellen ja alles zu. Mann und Frau müssten sie ja nur in die eigenen Höfe stellen, dann wäre ja wieder etwas Platz auf den Straßen. Aber das Hoftor aufmachen und das Auto in dem selbigen parken, das ist ja Arbeit und lästig. Zu meiner Schande muss ich gestehen: Ich lasse meinen auch auf der Straße stehen. Nun zu meiner Entschuldigung: Ich habe keinen so großen Hof. Aber jetzt zu deinem Problem. Ja, es sieht für euch schlimm aus, wenn etwas auf den Stock gesetzt wird und das ganze Gestrüpp weggemacht wird. Aber eines kann ich dir versprechen: Im nächsten Jahr kannst du wieder im Knöterich spielen. Der wächst schneller, als du es wirst. Was den Müll angeht: Okay, man kann in gleich wegmachen, aber es ist manchmal hilfreich, ihn liegen zu lassen, dass manche Leute sehen, welche Sauerei sie machen, wenn sie ihren Dreck nicht mitnehmen und einfach in die Büsche werfen. Der Förderverein „Die Kinschbacher“, wird wieder am Samstag, 6. Mai, eine Aufräum- und Putzaktion in der Gemarkung Königsbach durchführen. Dann könnt ihr euch gerne anschließen, damit ihr mal seht, was die Leute gedankenlos oder bewusst alles einfach so in die Landschaft werfen. Es tut mir eigentlich weh, Ihr wohnt in einem Dorf, das so viele Möglichkeiten hat, Eure Fantasie anzuregen und sie zu nutzen, um die tollsten Abenteuer zu erleben. Aber ich muss auch gestehen: Wer nur mit dem Smartphone in der Hand und am Computer interaktiv spielt, wird es schwer haben, seine Fantasie auszuleben in eurem Alter. Denn die Wirklichkeit im Leben sieht doch anders aus. Schau Dich mal um mit Deinen Freunden. Lasst Eurer Fantasie freien Lauf. Es gibt so viele Stellen bei uns, wo man spielen kann, nicht nur „Die Allu“.

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