Neustadt Briefe an die Lokalredaktion:

Dass Neustadt im Vergleich zu Landau, Speyer und Bad Dürkheim in seiner Entwicklung mittlerweile hinterherhinkt, ist mittlerweile nicht mehr zu übersehen. Ob wir in Neustadt allerdings die erwähnten Neuansiedlungen und Gewerbegebiete wie in Landau, die übrigens dort auch nicht auf ungeteilte Begeisterung stoßen, brauchen, ist fraglich, da Neustadt von seiner geografischen Lage nicht 1:1 mit Landau vergleichbar ist und Neuansiedlungen immer mit einem Flächenverlust auch von Weinbauflächen verbunden sind. Die Neustadter Weinlagen Grain, Erkenbrecht und Mönchgarten wurden bereits in den sechziger Jahren in Bauland umgewandelt. Damals war man seiner Zeit weit voraus im Vergleich zu den Nachbarstädten. Genau diese Weinbaulandschaft ist es aber, derentwegen der Tourismus in der Pfalz überhaupt existiert. Eine Expansion der Stadtfläche kann, wenn überhaupt, nur nach Osten erfolgen, aber auch hier wären schnell die topographischen Grenzen erreicht. Vielleicht sollte sich Neustadt dann doch lieber mit einer Klein- und Weinstadt wie Deidesheim vergleichen, die eben frühzeitig auf hochwertigen Weintourismus gesetzt hat und auf die Ansiedlung von Gewerbe größtenteils verzichtete zugunsten einer optisch attraktiven Umgebung und Landschaft. Hier liegt in Neustadt noch viel Potenzial brach, wenn man an die beiden Hausberge, wie den Nollen und den Sonnenweg, denkt. Neustadt hat um die Jahrhundertwende an der Karolinenstraße – Hauberanlage und dem heutigen Afrikaviertel – über einen für heutige Verhältnisse riesigen Landschaftspark von mehreren Hektar Grundfläche mit Sitzgruppen, Brunnen, Denkmälern, Axtwurfanlage, Schützenhaus etc. verfügt. Dieses oder das gegenüberliegende Gelände am Sonnenberg schrittweise wiederzubeleben, z. B. in Form einer Landesgartenschau, wäre sicher auch von touristischem Nutzen für Neustadt. Dass eine Belebung der Innenstadt stattfinden muss, sei unbestritten. Auch dass Neustadt als Weinmetropole und ehemals größte weinbautreibende Gemeinde Deutschlands eine Vinothek in der Innenstadt gut zu Gesicht stehen würde, ist richtig. Hier wurde bereits intensiv von der Betreibergesellschaft des ehemaligen Haus des Weines nach einer passenden Immobilie in der Innenstadt gesucht, was allerdings aufgrund verschiedener fehlender Voraussetzungen (Parkmöglichkeiten, zentrale Lage, Größe des Objekts etc.) bisher nicht realisiert werden konnte. Die von Herrn Schlez als Beispiel zitierten Vinotheken entlang der Weinstraße haben in all ihren individuellen Erscheinungsformen und Besonderheiten eines gemeinsam: Es wurden von den verantwortlichen Winzern und Betreibern enorme Investitionen getätigt, um ein ansprechendes, dem Produkt angemessenes Umfeld zu schaffen. Das heißt aber auch, dass sich eine solche Investition betriebswirtschaftlich rechnen muss. Das Haus des Weines hat gezeigt, dass es schwer ist, in der Neustadter Innenstadt allein vom Weinverkauf leben zu können. Touristen, die eine einzelne Flasche Wein als Souvenir kaufen, reichen leider nicht aus. Und Weingüter zu finden, die dieses unternehmerische Risiko allein schultern, werden schwer zu finden sein. Dies gilt besonders für die erfolgreichen Betriebe in den Ortsteilen, die sich jahrzehntelang zum Teil mit großem Erfolg, aber auf jeden Fall mit viel persönlichem und zeitlichem Engagement um den Direktverkauf ab Weingut bemüht haben.