Neustadt Briefe an die Lokalredaktion:

Schon der Satz „Der Wein- und Sekttreff war erfolgreich ...“ sagt, dass man auf dem richtigen Weg ist. Diejenigen, die den verlassen wollen – und das ganz bewusst –, zeigen durch diesen Aktionismus, dass sie dringend eine Daseinsberechtigung brauchen. Spiegelpalast, Bon Vivant, Weine aus Roero und Veneto – unsere Tourist-Info soll doch bitte den Neustadter Tourismus fördern, die Steuergelder kommen doch schließlich von hier. Zitat von der Homepage der Stadt Neustadt: „Die Ursprünge des Deutschen Weinlesefestes reichen weiter als 50 Jahre zurück: Schon 1909 zog der erste Winzerfestumzug durch die Stadt: Es ist stets das große Erntedankfest der Winzer ...“ Weltweit gefragt ist „german Gemütlichkeit“ und Produkte von hier – und wir verlassen das? Ich fahre jetzt in die Stadt und kaufe mir eine Schweizer Uhr. Die tickt wenigstens richtig. Auch wenn Herr Weigel mit dem Kultursommer wirklich etwas Großartiges auf die Beine gestellt hat, man die Veranstaltungen in der Villa Böhm hautnah mitbekommt und großes Verständnis für die Stadt Neustadt hat, die mit der Zufriedenheit der Jugend ein politisches Problem hat, bleibt dennoch zu sagen, dass die Veranstaltung für das Wohngebiet die Hölle war. Im Sekundentakt, über neun Stunden hinweg, wummernde Bässe, es war schlichtweg unerträglich, auch bei geschlossenen Türen und Fenstern. Kein Buch konnte gelesen werden. Das Konzentrieren auf irgendetwas war ebenfalls nicht möglich, Mittagsschlaf ausgeschlossen, im Grunde blieb an dem Tag nur die Flucht. Auch wenn in der RHEINPFALZ diese Veranstaltung hoch gelobt wurde, möchte ich dringend darum bitten, von einer Folgeveranstaltung dort abzusehen und sie zum Beispiel auf den VfL-Fußballplatz zu verlegen. Dort könnte man dann gerne den Monte Scherbelino beschallen. Alle Menschen, die ich diesbezüglich angesprochen habe, fanden den Lärm unerträglich. Diese „Musik“ ist sehr speziell und wird von älteren Menschen als Körperverletzung empfunden. Seit den großen Musikevents auf der Welschterrasse in Neustadt ist klar: Hörfunk ist eigentlich überflüssig, zumindest die Musikabteilungen. Dank gigantischer Lautsprecher kann die Landschaft unmittelbar beschallt werden, bis hinauf zum Weinbiet. Den MP3-Player im Ohr können sich Jogger, Biker, Wanderer in Zukunft sparen. Ausgewogenheit des Programms? Wird vom Ordnungsamt als genehmigender Immissionsschutzbehörde mit erledigt. Ab und zu auch etwas Klassik, vielleicht sogar – alle sieben Pfingsten – das Mandelringquartett. Oder etwas Wagner: Götterdämmerung über der Vorderpfalz. Unsere aufwendigen Konzertsäle, Saalbau et cetera, können wir leider nicht auch einsparen. Man wird sie dringend brauchen als Häuser der Stille. Na, das ist die erste Herausforderung für die neue Jamaika-Koalition. Die Eltern von Königsbach sind nicht schuld an der Schließung der Grundschule vor vielen Jahren. Die Stadt hat so als Schulträger entschieden. Die Eltern haben keine Alternative zur im übrigen anerkannten Grundschule Gimmeldingen. Also, liebe Verantwortungsträger: Unsere Stadt soll bewegt werden ... Die Aussage von Frau Nicole Eckert-Keller, Zitat: „Der Fußweg entlang der K 11 ist sehr schmal, und die Autos fahren häufig zu schnell“ ist leider (!) nur die halbe Wahrheit. Die K 11 (Neubergstraße) ist nachweislich breiter als die meisten Straßen der Kernstadt, verfügt zugleich beidseitig über ausreichend breite Bürgersteige und ist als 30km/h-Zone ausgeschildert, nur hält sich daran kaum jemand, auch nicht die Mütter, und die Stadtverwaltung tut nichts dagegen, weil dies laut Oberbürgermeister nicht in deren Händen läge. Ab dem „König-Ludwig-Pavillon“ führt der „Mandelblütenpanoramaweg“ neben und auch weitab vom Straßenverkehr Fußgänger wie Radfahrer sicher bis hinunter zum Friedhof auf beiderseits ausreichend breit ausgebauten Trottoirs ungefährdet bis zur Ortsmitte, dem Kirchplatz und ergo also auch bis zur Grundschule. Nach eigener Wahrnehmung läuft täglich eine Gruppe von Grundschülern, die nicht auf den Linienbus 512 warten wollen, auf diesem (Wirtschafts-)Weg nach Hause. Unsere Kinder sähe ich hingegen eher durch einige Mütter gefährdet, die aus Richtung Friedhof kommend mit mehr als 30km/h sowohl frühmorgens als auch mittags hier „durchkacheln“, den Linienbussen die Vorfahrt nehmen und an unserer hiesigen Haltestelle trotz eingeschaltete Warnblinkleuchten und während Kinder und andere Fahrgäste aussteigen, rücksichtslos mit weit mehr als 30km/h dann links überholen. Befände sich in unserer Straße anstelle einer Zahnarztpraxis ein Hort, ein Kindergarten oder eine Schule, würden um ihre Kinder besorgte Mütter bei Verantwortlichen der Stadt Amok laufen und Maßnahmen zur Einhaltung des Tempolimits einfordern. Nach Rücksprache mit der Polizeiinspektion Neustadt kann man das von deren Seite als absolut zutreffend bedenkenlos unterschreiben und das sagt alles!!! Auf der Zufahrt zur Grundschule in Haardt sind es vorzugsweise junge Mütter, welche auch dort Tempo 30 km/h oder Schrittgeschwindigkeit einfordern, aber morgens selbst mit verschlafenen Augen höchst eilig in ihren Vans und Suvs und unter Missachtung eigenen Anspruchs an innerörtliche Geschwindigkeitsbeschränkung/en und offenbar massiv unter Zeitdruck stehend ihre eigenen (Klein-)Kinder zur Schule verbringen. (...) Seit Januar 2012 auf der Buslinie 512 mehrfach täglich fahrend, muss ich feststellen, dass sich das Prozedere an allen Schultagen nahezu ausnahmslos täglich wiederholt. Wer also für seine Kinder „ungefährliche Schulwege“ einfordert, sollte selbst mit gutem Beispiel durch korrektes Verhalten im öffentlichen Straßenverkehr voran gehen. Da ich gehbehinderte Gimmeldinger Bürgerin bin, suche ich immer im näheren Umkreis ebene Spazierwege. Ich kann nur zustimmen und hoffe, dass dieses Deidesheimer Kleinod möglichst bald wieder hergestellt wird (...). Mir kommen aber zur geplanten Sanierung starke Zweifel und zwar aus folgenden Gründen: 1. Es fehlt natürlich das nötige Geld. 2. Vor einigen Jahren ging ich mit meiner 99-jährigen Schwiegermutter, die damals im Elisabethheim wohnte, regelmäßig in den Stadtgarten und im Schlossgraben spazieren. Sie waren zu jener Zeit beide noch schön, wirkten aber schon etwas ungepflegt. Da kam mir der Gedanke, dass man aus den beiden Anlagen zwei Teile eines wunderschönen botanischen Gartens machen könnte. Voraussetzung wäre, Ordnung in diese Gärten zu bringen und die exotischen Pflanzen zu beschildern. Zum Schlossgraben teilte ich meine Anregung Stadtbürgermeister Manfred Dörr schriftlich mit. Sein Dankesbrief enthielt eine Broschüre, die Pflanzen im Schlossgraben betreffend, zudem die Mitteilung, dass sich die Stadtgärtnerei demnächst um die Anlage kümmern würde, dass aber die Schilder nicht angebracht werden könnten, weil sie immer wieder von Jugendlichen herausgerissen würden. Letzte Woche war ich nach langer Zeit wieder im Schlossgraben spazieren: Die wenigen alten Schilder steckten immer noch an Ort und Stelle, ansonsten bot der Schlossgraben einen trostlosen Anblick. Die Brückenbogen an der Schlossstraße waren vergittert, der Zutritt zu dem hübschen Stadtschreiberturm und seltenen Gewächsen (wie dem Taschentuchbaum, den ich besonders liebte) war wegen einstürzender Mauern gesperrt. Ich ging zurück zum Mungenast-Weg. Wieder stand ich vor einem hohen Gitter: Ein großer Teil des Schlossgrabens war zur kostenpflichtigen Minigolf-Anlage geworden. Zum Schluss setzte ich mich auf die Bank unter einem uralten Mammutbaum und fühlte mich wie ein Gorilla im Zoo. Spaziergänger, die außen am Gitter vorbei gingen, betrachteten mich mit mitleidigen Blicken. An der Bank lehnte meine Krücke. Mir kamen die Tränen.