Neustadt Brüten über den Klausuren

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Wenn in diesen Tagen in Familien mit Dreizehntklässlern eine gereizte Stimmung und spürbare Nervosität zu beobachten ist, hat das eine „natürliche“ Ursache. Die meist 18- bis 20-jährigen Schülerinnen und Schüler müssen in den nächsten drei Wochen drei schriftliche, mehrstündige Arbeiten in ihren Leistungsfächern absolvieren. Kurz gesagt: Die schriftlichen Abiturprüfungen haben begonnen.

Am Leibniz-Gymnasium mit 87 Schülern in der Jahrgangsstufe 13 startete der Prüfungsmarathon mit dem Fach Englisch. Bis zum 30. Januar werden die Klausuren geschrieben. Selbst die Lehrer wissen nicht, welche der zwei eingereichten Klausurthemen eines Fachs vom Mainzer Bildungsministerium ausgewählt wurde. In Deutsch müssen sogar vier Prüfungen vorgelegt werden, drei Themen gehen zurück an die Schule, die Schüler haben also die Möglichkeit, sich unter diesen drei eine Klausur auszusuchen. „Wir müssen aber alle eingereichten Arbeiten kopieren und je nach Anzahl der Prüflinge bereithalten“, informiert Schulleiter Rudolf Eyckmann. Die nicht benötigten Kopien landen indes nicht im Müll. Sie können als Übungsklausuren oder sogar als echte Kursarbeit für die nachfolgenden Schülergenerationen dienen. Die Themen, die im Abitur drankommen, sind für die Schüler nicht neu. „Es sind im Fach Englisch Romane, Gedichte, Reden, Kurzgeschichte oder Sachtexte, die in den letzten zwei Jahren der Oberstufe behandelt wurden“, so Eyckmann. Dabei sollen möglichst aktuelle Probleme aufgegriffen werden. Doch weil die Vorschläge bereits im November in Mainz eingereicht wurden, müssen sich die Schüler nicht sorgen, dass die jüngsten Zeitereignisse eine Rolle spielen könnten. Fast jeder der 117 Schüler des Kurfürst-Ruprecht-Gymnasiums (KRG) ging bereits am ersten Tag in die Startlöcher. Mit Latein, Französisch, Englisch, Geschichte, Chemie, Physik und Mathematik mussten gleich für sieben Fächer ruhige Klassenzimmer sowie genügend pädagogisches Aufsichtspersonal gefunden werden. Geschrieben wird beim KRG bis zum 31. Januar, wie Schulleiter Hartmut Loos auf Anfrage mitteilte. Ganz selten kommt es dabei zu einer Verlängerung, wenn ein Schüler etwa wegen Krankheit nicht antreten kann. „Das ist bei uns in den letzten fünf Jahren nicht geschehen“, betont Loos. Wenn doch, müssen auch die Lehrer „nachsitzen“ und eine Alternativarbeit austüfteln. Am härtesten wäre das für die Pädagogen im Fach Deutsch, denn dort haben die Schüler drei Themen zur freien Auswahl. So müssen auch eventuellen Nachschreibern drei neue Aufgaben zum Aussuchen vorliegen. Geschrieben wird dann zwei bis drei Wochen nach dem regulären Termin. 86 Schüler sind laut Oberstufenleiterin Ute Clemens im Käthe-Kollwitz-Gymnasium (KKG) in den nächsten Tagen gefordert. Gestartet wurde am Montag mit Deutsch. Das hat auch organisatorische Gründe. Bei fünf Zeitstunden haben die Schüler eine Stunde mehr Zeit zur Verfügung als bei den anderen Prüfungsfächern. Entsprechend viel Text und damit Korrekturbedarf kommt auf die Lehrer zu. Nur im Fach Kunst gibt es auch fünf Stunden für die Prüfung. Bei einer Informationsveranstaltung im Dezember waren die Schüler über den Ablauf belehrt worden. So müssen Taschen, Mäppchen, Jacken, Handy und Minicomputer draußen bleiben. Das Papier, auf denen die Schüler ihr Wissen ausbreiten, stellt die Schule. „Ein Handy mitzuführen gilt als Täuschungsversuch“, sagt Clemens. Was mit einem Prüfling geschieht, der damit erwischt wird, liegt aber auch im Ermessen der Aufsichtsperson. Je nach Fall entscheidet dann eine Prüfungskommission, wie das Vergehen geahndet wird. „Die Schüler haben alle ein Blatt zum ,Täuschungsparagraphen’ unterschrieben. Aber Täuschungsversuche kommen in der Regel nicht vor“, so Clemens. Schließlich will niemand null Punkte auf seine Arbeit riskieren. Oder die Schüler haben eine Methode entdeckt, um die strengen Lehrerkontrollen zu umgehen. Doch wirklich zu empfehlen ist diese Art der „Abiturvorbereitung“ nicht ... (kle)

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