Neustadt Bröckelndes Gotteshaus

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Mit 54 Metern Höhe prägen die Zwillingstürme von St. Ludwig schon seit rund 130 Jahren das Ludwigshafener Stadtbild. Die Kirche ist aus Sandstein errichtet worden. Und das ist nun ein Problem. Denn die Turmspitzen lösen sich von innen heraus auf. „Es sind kleinere Brocken heruntergefallen. Wir müssen schnell sanieren, sonst könnten die Turmhelme einstürzen“, erläutert Dekan Alban Meißner, der auch Pfarrer der Kirche ist. Die Turmhelme – das sind die Turmspitzen, die mit Sandsteinplatten gedeckt worden sind. Bis zum Jahresende sollen beide Türme wiederhergestellt werden. Der Südturm ist bereits seit einigen Wochen eingerüstet, der Nordturm soll bald folgen. Alban Meißner will die Gelegenheit nutzen, um auch andere Reparaturen in luftiger Höhe anzugehen: Schadhafte Fassadenstellen sollen erneuert, die Zifferblätter der Turmuhren wiederhergestellt sowie die verwitterten Holzläden für die Kirchenglocken ausgetauscht werden. Mit den sogenannten Schallläden, die in Höhe der Glocken in Fensternischen angebracht sind, wird der Schall der Kirchenglocken gelenkt. Außerdem sollen ein neuer Blitzableiter und eine neue Beleuchtungsanlage für die beiden Türme installiert werden. Das alles kostet. „Die Gesamtkosten für die Sanierung liegen bei 600.000 Euro“, sagt Alban Meißner. So viel Geld hat die katholische Pfarrei nicht. Die Diözese Speyer greift der Gemeinde daher unter die Arme und übernimmt statt der üblichen 50 nun 70 Prozent der Kosten sowie die Architektenleistungen. „Das hilft uns. Aber an der Gemeinde bleiben noch 150.000 Euro hängen. So viel haben wir nicht, also müssen wir das mit einem Kredit finanzieren“, sagt Meißner. Schon vor zwei Jahren stand die Sanierung der Innenräume der alten Kirche an. Die Heizung, Teile der Bodenplatten und die gesamte Elektrik wurden damals erneuert. Außerdem gab’s einen neuen Anstrich. Auch damals musste sich die Kirchengemeinde das dafür nötige Geld leihen. Der Altkredit von 150.000 Euro wird noch abgezahlt. Jetzt kommt noch mal die gleiche Summe obendrauf. „Spenden wären willkommen“, sagt Meißner. Große Gönner hat St. Ludwig allerdings nicht. Rund 2500 Menschen gehören zu der katholischen Gemeinde in der Innenstadt – entsprechend ist auch die Sozialstruktur. Für die Altbausanierung muss sich die Gemeinde daher weiter verschulden. „Optisch wird es danach nicht viel anders aussehen – trotz des vielen Geldes“, sagt Meißner. St. Ludwig wurde in den Anfangsjahren der neu gegründeten Stadt Ludwigshafen für die katholische Bevölkerung gebaut. Nachdem ein provisorisches Bethaus schnell zu klein geworden war, begannen die Bauarbeiten für St. Ludwig und die nur wenige Hundert Meter Luftlinie entfernte evangelische Lutherkirche. Der abgedankte bayerische König Ludwig I., dem die Pläne für eine katholische Kirche im neuromanischen Stil gefielen, legte am 9. Juni 1858 höchstselbst den Grundstein für das Gotteshaus, das noch heute seinen Namen trägt – wie die Stadt Ludwigshafen ja auch. Im August 1862 wurde die neue Kirche eingeweiht – damals allerdings noch ohne die Zwillingstürme. Die kamen erst in den Folgejahren dazu. Vollendet wurde die Kirche St. Ludwig dann 1883. Schon damals gab es Finanzprobleme. „Die Sammlungen für den Kirchenbau sind so spärlich ausgefallen, dass ihr Ertrag kaum zur Ausführung der einfachsten Dorfkapelle genügen würde, viel weniger zur Erbauung zweier Gotteshäuser für eine zukunftsreiche Stadt“, schrieb die „Pfälzer Zeitung“ im Mai 1853. Gut 160 Jahre später hat sich daran offensichtlich wenig geändert.

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