Deidesheim Boulevardtheater Deidesheim feiert das Lockdown-Ende mit großer Comedy-Show

Huch, da ist ja Publikum. Alice Hoffmann alias Hilde Becker dachte, die Veranstaltung wäre noch online.
Huch, da ist ja Publikum. Alice Hoffmann alias Hilde Becker dachte, die Veranstaltung wäre noch online.

Die Erleichterung war deutlich zu spüren. Nach über acht Monaten des Stillstands feierte das Boulevardtheater Deidesheim am Sonntag im großen Saal der Stadthalle einen umjubelten Neustart. Beide Comedy-Shows an diesem Tag waren ausverkauft, und die Akteure sorgten für ein Lachfestival, das Appetit auf mehr macht.

Die bunte Lichtershow gleich zum Auftakt ließ die Herzen höherschlagen. Als Boris Stijelja dann die Bühne betrat, kannte der Applaus keine Grenzen. Es herrschte Gänsehautfeeling. „Ich hatte schon die eine oder andere Träne im Auge“, verriet der Leiter des Boulevardtheaters später. Denn er wollte mit seinem Ensemble ein Zeichen setzen, dass die Kultur überlebt hat. Die Besucher freuten sich nicht nur über die Show, sondern darüber, ihre Alltagssorgen zu vergessen und wieder lachen zu können.

„Eigengewächse“ und Fernseh-Promis

Stijelja, selbst Comedian und an diesem Abend eigentlich „nur“ Moderator, heizte gleich zu Beginn kräftig die Stimmung an mit einigen witzigen Pointen aus seinem neuen Programm „Viagra hält die Blumen frisch!“ Vor allem aber hatte er Gäste zu sich auf die Couch gebeten, fast so, als sei ein neuer Comedy-Club an der Weinstraße aus der Taufe gehoben worden. Ob „Eigengewächse“ wie Toby Käp, der hörgeschädigte Comedian, der fest zum Ensemble in Deidesheim gehört, der humorvolle Stefan Beyer, der schon viele Rollen in dem kleinen Theater ausfüllen musste und trotz leiblicher Fülle keinesfalls ob dieser Aufgabe müde wird, oder der Senkrechtstarter des Hauses, „de Winzer Bu“ Tim Poschmann.

Sie durften alle auf dem Sofa im heißen Licht der vielen bunten Scheinwerfer Platz nehmen und plauderten so herzlich und amüsant aus dem Alltag, dass die Lachmuskeln der Besucher strapaziert wurden. Aber auch Stars aus Show und Fernsehen schauen gerne in Deidesheim vorbei: „Es Hilde“ Alice Hoffmann, bekannt aus der ARD-Serie „Familie Heinz Becker“, zelebrierte Szenen aus ihrem Soloprogramm „Zeichen der Zeit“. Kaffeekränzchen-Atmosphäre kennt sie trotz ihres etwas aus der Zeit gefallenen Outfits nicht, denn ihre Gedanken laufen eher Amok, wenn sie hinter altbackener Brille und im gewagtem Kittelschürzen-New-Look-Blusenkleid ihre Gedanken entwickelt. Auch Tom Gerhardt, immerhin schon mit dem deutschen Comedypreis ausgezeichnet, gab in seiner Paraderolle des „Hausmeisters Krause“ so manche Anekdote preis. Und da wäre auch noch Kättl Feierdach aus Speyer, ein Urgestein der badisch-pfälzischen Fasnacht. Nicht zu vergessen: Amanda und Dieter, wiederum ein Duo aus dem Boulevardtheater, das aufzeigt, was nach 35 Ehejahren unter Deutschlands Bettdecken passiert.

Tim Poschmann ist ganz klar der Publikumsliebling

Aber der eigentliche Star des Abends ist trotzdem der mit der kürzesten Anfahrt: Tim Poschmann, Schauspieler und Comedian aus Ruppertsberg. Mit seinem „Ja wo sinn se donn“ hat er im letzten Jahr die Herzen erobert und steht jetzt mit seinem ersten Solo-Programm als „Winzer Bu“ kurz vor dem Sprung nach ganz oben. Er begeisterte ebenso wie der unverwüstliche Daniel Helfrich, der mit Auszügen aus seinem gesellschaftskritischen Klavierkabarett-Programm „Trennkost ist kein Abschiedsessen“ ebenfalls viel Beifall erhielt. Der Weinheimer steht mit seiner Symbiose aus Humor, Wortakrobatik, musikalischem Können und spitzbübischem Charme für absolute Lachgarantie. Da fehlten Boris Stijelja am Ende der Show fast ein wenig die Worte: „Ich bin total happy, es ist unglaublich, wie gut das ankam.“

„Wir haben es geschafft“, freute sich „de Kroate Bu“ aus Ludwigshafen und nahm am Ende sogar sichtlich bewegt alle Akteure in die Arme. Welche Strahlkraft das Boulevardtheater inzwischen hat, belegte beim Nachhauseweg dann ein Blick auf die im Umfeld der Stadthalle geparkten Autos: Die ganze Pfalz war da vertreten, aber auch Mannheim, Frankfurt, Stuttgart und andere „Exoten“.

Daniel Helfrich präsentierte Auszüge aus seinem gesellschaftskritischen Klavierkabarett-Programm „Trennkost ist kein Abschiedses
Daniel Helfrich präsentierte Auszüge aus seinem gesellschaftskritischen Klavierkabarett-Programm »Trennkost ist kein Abschiedsessen«.
Stefan Beyer und Jutta Barrie-Scholl als altgedientes Ehepaar Dieter und Amanda.
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