Neustadt Bordsteine und Schotter als Hindernisse

91-96492712.jpg

Wer auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen ist oder einen Kinderwagen schiebt, hat es im Straßenverkehr oft nicht leicht. Fehlende Bordsteinabsenkungen, Kopfsteinpflasterung und zugeparkte Gehwege machen das Leben nicht gerade einfach. Das zeigte sich auch bei einem Rundgang mit dem Landesbeauftragten für Belange behinderter Menschen, Matthias Rösch, in Deidesheim.

In der Stadt Deidesheim sei schon viel in Sachen Barrierefreiheit umgesetzt, doch gebe es immer wieder Stellen, die verbessert werden könnten, ist man sich beim Bündnis 90/Die Grünen sicher. Anhand einer 15-Punkte-Liste hatte die Fraktion zur gemeinsamen Ortsbegehung „behindertengerechtes Deidesheim“ eingeladen. „Unser Ziel ist, konstruktiv Schwachstellen für Menschen mit Einschränkungen aufzuzeigen, ohne das bisher Erreichte schmälern zu wollen“, betont Franz-Josef Ratter von den Grünen. „Es ist erfreulich, dass sich eine Stadtratsfraktion für diese Sache anfängt zu interessieren“, würdigt Stadtbürgermeister Manfred Dörr (CDU) die Initiative. Weitere Teilnehmer waren, neben Mitgliedern der Grünen-Fraktion und Gemeindevertretern auch Stefan Wemhoener, Geschäftsführer der Tourist Service GmbH, der Beauftragte des Landes Rheinland-Pfalz, Matthias Rösch, und die neue Managerin für „Tourismus für alle“ der Modellregion Neustadt-Landkreis Bad Dürkheim, Theresa Ott, sowie eine Rollstuhlfahrerin mit Begleiter. Einig war man sich, dass Barrierefreiheit nicht nur dem Tourismus, sondern allen Menschen in Deidesheim zugutekomme. Bereits am Treffpunkt Bahnhof bemängelt Rösch – der selbst im Rollstuhl fährt – dass es hier keinen Behindertenparkplatz gebe. Um zur wartenden Gruppe am Bahnübergang zu gelangen, musste er sogar ein Stück die stark befahrene Kreisstraße 11 entlangfahren. Auch die weitere Wegführung im Bahnhofsbereich war nicht optimal. „Die Schwächsten haben oft die weitesten Wege“, stellte Grünen-Fraktionsvorsitzende Ruth Ratter fest. Zur besseren Einschätzung konnten die Teilnehmer während des Rundgangs mit Rollstuhl oder Rollator testfahren. Bemängelt wurden fehlende Bordsteinabsenkungen, beispielsweise am Fußgängerüberweg Bahnhof West oder an der Kreuzung Heckenackerweg. In der Prinz-Rupprecht-Straße verhindert ein Schotterstreifen am Erlebnisgarten den Zutritt zur einzigen öffentlichen Behindertentoilette. Kritisiert wurden im Bereich Weinstraße und Steingasse die zugeparkten Gehwege sowie die Ampelanlagen am Marktplatz und in der Appengasse wegen des fehlenden akustischen Signals für Sehbehinderte. Als gefährlichste Stelle, für die Allgemeinheit und insbesondere für Schüler, stuften die Grünen die Kreuzung Weinstraße/Steingasse am nördlichen Ortseingang ein. Hier fehle ein Überweg. Zudem führten Radfahrer entlang der Mittellinie, was gefährliche Situationen hervorrufen könne. Aus Zeitgründen konnten nicht alle 15 Gefahrenstellen aufgesucht werden. Sie wurden jedoch bei der Abschlussveranstaltung in einer Fotoreihe gezeigt. Die Entwicklung behindertengerechten Lebens in einer Stadt sei ein fortwährender Prozess, erklärt Matthias Rösch. Zum Erreichen eines Gütesiegels „barrierefreie Stadt“ müsse noch einiges getan werden, so Franz-Josef Ratter. Hier baue man auf die Unterstützung von Theresa Ott, die seit Anfang des Jahres ihr Büro in Deidesheim hat. Ihre Stelle wird vom Land Rheinland-Pfalz und der Europäischen Union gefördert. Diese ist zunächst auf drei Jahre befristet. Es gibt jedoch eine Verlängerungsoption um weitere drei Jahre.

91-96492713.jpg
x