Neustadt Blarr vor dem Aufstieg

91-92851897.jpg

Der Stadtrat steht heute ab 16 Uhr im Ratssaal im Rathaus am Marktplatz vor einer Sitzung mit Überlänge. Es gibt 30 Tagesordnungspunkte, so viel wie noch nie in dieser Legislaturperiode. Punkt 9, der vermutlich gegen 16.20 Uhr anstehen wird: die Beigeordnetenwahl. Nachdem es die Koalition von CDU und Freien Wählern seit 2014 nicht mehr gibt, hat der FWG-Mann Georg Krist (55) wohl keine Chance auf eine dritte Amtszeit, weil die Jamaika-Koalition von CDU, FDP und Grünen fünf Sitze mehr hat als FWG und SPD, die beiden Oppositionsfraktionen. Dennoch hat er sich aus politischen Gründen beworben – „weil ich der Meinung bin, gute Arbeit geleistet zu haben und die Fraktion der Freien Wähler sich in den 16 Jahren von vier auf neun Sitze im Stadtrat vergrößert hat“. Mit höheren Versorgungsansprüchen hat Krists Bewerbung nichts zu tun. Früher hätte ein Ausscheiden nach einer unterlegenen Wahl Krist im Hinblick auf die Pension besser stellen können, was allerdings nicht mehr der Fall ist. Der Jurist ist seit seinem 19. Lebensjahr, damals als Polizeibeamter, im Staatsdienst und war nur für die zweite Phase seines Studiums als Beamter beurlaubt. Er will sich in Neustadt als Rechtsanwalt selbstständig machen. Waltraud Blarr (55) war seit 2014 die erste ehrenamtliche Beigeordnete der Grünen in Neustadt und wird bei einer Wahl die erste hauptamtliche sein. Statt einer Aufwandsentschädigung von rund 1500 Euro im Monat für das Nebenamt wird sie künftig der Besoldungsgruppe A 16 angehören (ab 5200 Euro im Monat). Nach einer angemessenen Einarbeitungszeit kann der Stadtrat sogar auf B 2 erhöhen (ab 6800 Euro). Zurzeit ist sie noch – mit 25 Stunden in der Woche – Referentin für Kommunalpolitik beim Landesverband der Grünen in Mainz. Die Lachen-Speyerdorferin ist studierte Landschaftsarchitektin. Ob sie wie Krist auch für Ordnungsamt, Ausländerbehörde und die Volkshochschule zuständig sein wird, entscheidet der Oberbürgermeister, der die Dezernate festlegt, dafür allerdings die Zustimmung des Stadtrates benötigt. Blarrs „Chef“ wird also von Oktober bis Dezember 2017 Hans Georg Löffler heißen, danach wird es dessen Nachfolger sein. Zur Wahl werden nur die beiden internen Bewerber gestellt und von einer Fraktion vorgeschlagen – darauf hat sich der Ältestenrat des Stadtrates geeinigt. Auf die öffentliche Ausschreibung hin hatten sich drei externe Bewerber gemeldet, die heute nicht erwartet werden. Es ist auch keine Vorstellung der Personen geplant. Beworben hatte sich der Diplom-Betriebswirt Timo Jordan (38) aus Haßloch, seit Juli zuständig für den Einwohnerservice und zentrale Dienstleistungen bei der Stadtverwaltung Lampertheim. Von 2003 bis 2006 war er Personalreferent bei der Stadtverwaltung Schifferstadt. Bewerber Martin Lambert (55) war bis vor kurzem für die CDU Bezirksstadtrat in Reinickendorf in Berlin, zuständig für Umwelt, Ordnung und Gewerbe. Der gebürtige Saarländer ist Diplom-Volkswirt. Die dritte Bewerbung kommt von einer Frau: Carmen Stévenne (44) aus Neustadt, Vertriebsleiterin bei einem Mannheimer Personaldienstleiter. |wkr

91-92851898.jpg
x