Neustadt Bienenfleißig für die Artenvielfalt
Auf kommunalen Flächen, die - wie der Name des Projekts schon sagt – „eh da“ und zudem durch die Gemeinde zu „pflegen“ sind, sind naturnahe und nachhaltige Maßnahmen vorgesehen. Die Artenvielfalt erhalten und fördern, indem das Entwicklungspotenzial von Flora und Fauna auf freien und brachliegenden Flächen genutzt wird: Das steht dabei im Vordergrund. „Eh-da-Flächen“ werden weder landwirtschaftlich noch für den Naturschutz genutzt. Es gibt sie fast überall. Sie erstrecken sich sich zum Beispiel entlang von Straßen und am Wegesrand, es sind Verkehrsinseln, ungenutzte Zwickel, Straßenböschungen, Bahndämme oder Grasflächen. Sie sind „nichts Besonderes“, können aber je nach Landschaftsraum bis zu 5 Prozent der Fläche ausmachen und erfüllen als kleinräumige Gebiete wichtige Funktionen: beispielsweise verbinden sie ökologisch wichtige Flächen, sie dienen als Jagdrevier für Greifvögel oder bieten Pflanzen und Tieren eine Heimat oder eine Überwinterungsmöglichkeit. Fachleute sehen in der Aufwertung von „Eh-da“-Flächen einen wichtigen Baustein, um die bedrohten Wildbienenarten, die eine überaus wichtige Rolle bei der Bestäubung spielen, zu schützen und zu erhalten. Ein Schwerpunkt des „Eh-da-Projekts“ ist es deshalb, Lebensräume für Wildbienen zu schaffen. Menschen sind darauf angewiesen, dass Wildbienen und andere Insekten die Kulturpflanzen bestäuben. Der monetäre Wert der Insekten-Bestäubung in Europa wird auf über 14 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Viele der in Deutschland vorkommenden 560 Wildbienenarten sind aber wegen der Folgen der industriellen Landwirtschaft und der Zerstörung ihrer Lebensräume bedroht. Zur Förderung der Biodiversität gibt es zwei Arten von Maßnahmen: die Bestandspflege, die Ressourcen und damit Kosten spart und Neuanlagen, die zwar kurzfristig zu Ausgaben führen, aber mittelfristig Kosten einsparen. Geeignete Maßnahmen, die jeweils auf das Gelände abgestimmt werden, sind beispielsweise die Staffelmahd, die Anlage von Blühstreifen, der Erhalt von Alt- und Totholz, Rohbodenbiotope, das Offenhalten von Flächen, um eine Verbuschung zu vermeiden, Steinhaufen und -mauern oder das Aufstellen von Insektenhotels. Die Firma Agro-Science in Neustadt-Mußbach hat hierzu in den vergangenen Monaten geeignete Flächen erfasst und in einem Katalog zusammengestellt. Jetzt soll über die geplante Verwendung und konkrete Maßnahmen dieser „Eh-da-Flächen“ informiert werden. In Haßloch sollen bis Sommer 2016 zahlreiche Maßnahmen, die zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen, realisiert sein. Ein „Grünflächen-Kataster“ soll zunächst erstellt werden, um herauszufinden, welche Flächen für die geplante Aufwertung in Frage kommen. Einschließlich der vom BUND gepflegten Streuobstwiesen wird der Anteil der „Eh-da“-Flächen in Haßloch auf 3 Prozent geschätzt. Bei der Informationsveranstaltung am Donnerstag, 24. März, 18.30 Uhr, im Kulturviereck skizziert Umweltdezernent Dieter Schuhmacher (SPD) den aktuellen Stand des Projekts und die weitere Vorgehensweise. Landespfleger Hans-Jürgen Bub, Projektleiter der Gemeinde, stellt den „Flächen-Pool“, also die vorgesehenen Areale, vor. Um die Bürger miteinzubeziehen, informiert Schuhmacher über die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft Friedhöfe, der Umweltbeauftragte der Gemeinde Michael Müller berichtet über die Übernahme von Flächenpatenschaften. Alle Bürger sind zu der Infoveranstaltung eingeladen. Im Dezember 2015 war mit der Auftaktveranstaltung im Kulturviereck der Startschuss zum „Eh-da-Projekt“ im Großdorf gefallen. Haßloch ist nach Bornheim in der Südpfalz die zweite Gemeinde in Rheinland-Pfalz, die zukünftig kommunale Brachflächen in Lebensräume insbesondere für Wildbienen verwandeln will. Bornheim ist in Rheinland-Pfalz Vorreiter: Mit zehn Flächen, die zur Aufwertung vorgesehen sind, läuft in dem südpfälzischen Dorf, das per Ortsschild kürzlich als „Erste Eh-da-Gemeinde Deutschlands“ geadelt wurde, seit dem Frühjahr ein Modellprojekt des Landes. (uhk) Noch Fragen? Landespfleger Jürgen Bub, 06324/935-266, juergen.bub@hassloch.de