Neustadt Beton sichert historische Mauer
Seit 2013 ist der westliche Teil des Deidesheimer Schlossgrabens aus Sicherheitsgründen gesperrt. Jetzt arbeiten zwei Baufirmen an der Beseitigung der Mauerschäden. Wenn das Wetter mitspielt, dürften die Arbeiten Ende November abgeschlossen sein, hoffen Nina Lill, Fachbereichsleiterin der Verbandsgemeindeverwaltung, und Objektplanerin Judith Nyenhuis-Hick.
Nach einer Baustellenbesprechung informierten Lill und Nyenhuis-Hick über die Sanierung, die die Stadt Deidesheim mit den Nebenkosten wohl über eine halbe Million Euro kosten wird. An vier Stellen war die Mauer des Schlossgrabens auf der Südseite so beschädigt, dass ein Betreten des Grabens für die Öffentlichkeit nicht mehr vertretbar erschienen war. Auch die Burggasse wurde im Teilstück ab der Brücke in der Schlossstraße gesperrt. Das Mauerwerk im Graben hatte sich an mehreren Stellen nach vorne gewölbt. Ein Grund für die Schäden: ablaufendes Wasser aus der verlängerten Burggasse und von den angrenzenden Gebäudedächern. Ein Ingenieurbüro hatte 2014 ein Gutachten angefertigt und dabei festgestellt, dass auch der oberhalb der Mauer verlaufende Teil des Burggasse saniert werden musste. In der Burggasse wurde nun ein kleiner Kanal, die Baufachfrauen sprechen von einem „Bypass“, verlegt. Er soll die Burggasse in Richtung Hauptkanal entwässern. Der Hauptkanal verläuft unterhalb des Schlossgrabens. Zuvor war das Wasser teilweise unkontrolliert abgeflossen. An den vier schadhaften Stellen wurde Stahlbetonplatten vor Ort gegossen und eingesetzt. Sie sollen den Druck auf die Mauer abfangen und auch die Mauer künftig vor Feuchtigkeit schützen. Vor diesen Platten werden die Sandsteine der historischen Mauer, die man im Sommer abgenommen hatte, wieder aufgebaut. „Das ist ganz traditionelles Maurerhandwerk“, sagt die Bauingenieurin Nyenhuis-Hick aus Wachenheim, die auch Sanierungen an der Wachenheimer Stadtmauer betreut hat. Die Arbeiter verwenden zum Mauern einen speziellen Trasskalkmörtel. Er ist weicher als Zementmörtel und wird vorwiegend beim Sanieren von Burgen und historischem Mauerwerk eingesetzt. Die alten Sandsteine, die man gesichert und sortiert hatte, werden wiederverwendet. Die Arbeiter haben Fotos vom Zustand der Mauer vorher und können diese weitgehend wieder aufbauen, wie sie vor Beginn der Sanierung ausgesehen hat. Die Denkmalbehörde ist in die Arbeiten mehrfach eingebunden worden. Das Mauerwerk wurde nochmals vermessen und dokumentiert. Von der Denkmalbehörde gibt es einen Zuschuss in Höhe von 50.000 Euro. Mit den Arbeiten liege man im Zeitplan, berichten Nyenhuis-Hick und Lill. Mit dem Beginn des „Deidesheimer Advents“ soll die Brücke über den Schlossgraben wieder frei sein. Sie ist derzeit wegen der Baustelleneinrichtung teilweise gesperrt. Der südliche Teil der Schlossgrabenmauer ist im Besitz der Stadt Deidesheim bis hin zum westliche Ende. Dort führt eine Rampe hoch in die Burggasse. Auf der Nordseite gehört der mittelalterliche Turm, in dem der Deidesheimer Turmschreiber normalerweise seine Sprechstunden abhält, ebenfalls der Stadt. Wegen der notwendigen Sanierung des Schlossgrabens war es seit mehreren Jahren nicht mehr möglich, einen neuen Turmschreiber zu bestellen. Allerdings wurde der Turm während der vergangenen Adventsmärkte genutzt, um dort kleinere Lesungen abzuhalten. Das Weingut Georg Ferdinand Kimich hatte den Zugang zum oberen Teil des Turms über ein Privatgelände ermöglicht. Auf der Nordseite ist ansonsten ein größeres Stück Schlossgrabenmauer in Privatbesitz. Was nach der Mauersanierung zu tun bleibt, ist die neue Anlage des Schlossparks. Von der Grünanlage auf der Westseite des Grabens ist nach den Baggerarbeiten fast nichts mehr übrig. „Nur drei Bäume stehen noch“, berichtet Nina Lill, und ein Ahorn sei umgesetzt worden. Wie der Park künftig aussehen soll, wird eine Aufgabe für das kommende Jahr. |ff