Neustadt Beten am „Heiligen Grab“

Placeholder-Image

DEIDESHEIM. Ein Ritus, der eng mit der Karfreitags- und Osterliturgie verbunden ist, wird seit alters her in der katholischen Pfarrkirche St. Ulrich in Deidesheim gepflegt: das Beten am „Heiligen Grab“. Das „Heilige Grab“ ist ein gläserner Schrein mit der Figur des Gekreuzigten, der sich normalerweise verkleidet im linken Seitenaltar des Gotteshauses befindet, an Karfreitag aber enthüllt wird.

Einen mit einem lila Tuch verhüllten Jesus am Kreuz, das beim Schrein aufgestellt wird, verehren Pfarrer und Messdiener barfuß zum Zeichen der Ehrfurcht bei Passionsgesängen. Am Karsamstag, also heute, wird das „Grab“, das symbolisch für das Leiden und Sterben Jesu steht, nach der morgendlichen Trauermesse wieder geschlossen, in den Seitenaltar gerückt und das Kreuz mit der Jesusfigur zurückgestellt. Das im neugotischen Stil geschaffene Kreuz dürfte etwa 150 Jahre alt sein. Da es nicht üblich ist, eine plastische Kreuzdarstellung zu signieren, ist der Künstler unbekannt. Die Figur des toten Christus im Schrein schuf 1936 der aus Deidesheim stammende und in Neustadt tätige Bildhauer Franz Groppenbächer (1884 bis 1945). Aus welcher der Werkstatt der „Sarg“ stammt, ist nicht überliefert. Aus Schriftstücken des 18. Jahrhunderts geht hervor, dass in St. Ulrich bereits 1769 an der Wand des nördlichen Seitenschiffs ein sogenanntes „Heiliges Grab“, auch Grablegung genannt, stand, das mit dem Dreifaltigkeits- und Sebastiansaltar abgebrochen wurde. Angeblich habe es zu viel Platz eingenommen. Demnach muss es stattlich gewesen sein. Anhand von Beispielen lässt es sich rekonstruieren: Auf einer Tumba, vermutlich unter einem Baldachin, lag die Christusfigur. Hinter ihm standen die drei Marien mit Salbungsgefäßen. Auf der Vorderseite hielten Soldaten Wache. Die Figuren und Architekturteile waren wahrscheinlich aus Stein und farbig gefasst. Diese Form der Darstellung entwickelte sich im 14. Jahrhundert aus den szenischen Darstellungen der Osterfeier, wie in Straßburg und Freiburg um 1340 bis 1350. Es vereinigt zwei aufeinanderfolgende Ereignisse: Die Bewachung des Leichnams Christi und den Besuch der Frauen am verlassenen Grab. Diese Vereinheitlichung von Leiden und Erlösung entspricht dem mystischen Prinzip des Mitleidens im Vertrauen auf die Erlösung. In eine Vertiefung der Christusfigur wird in der Zeit von Gründonnerstag bis zur Osternacht eine geweihte Hostie gelegt, wie der Deidesheimer Pfarrer Bernhard Braun berichtet. (awk)

x