Neustadt Besuch an Deidesheims Wiege
Wie aus „Didinesschaime“ Niederkirchen wurde, wer sich ansiedelte, woher die Menschen kamen und die Geschichte des historischen Dorfkerns will Werner Semmler, Familienforscher und Hobbyhistoriker, mit Dokumentationen lebendig machen. Er nahm uns mit zur „Wiege von Deidesheim“ und in sein elektronisches Archiv im PC.
Die Geister, die den Starkstromelektriker nach seinem Arbeitsleben in der BASF zur Familienforschung riefen, weckten in Werner Semmler auch die Lust, die Dorfgeschichte aufzuschreiben, „weil ich genauer wissen wollte, was sich in meinem Zuhause einst abgespielt hat“. Der 72-Jährige stammt aus Bad Dürkheim-Grethen und lebt seit 1950 in Niederkirchen. Eine Quelle für seine Recherchen bei der Familienforschung ist seine Frau Waltraud Hammer-Semmler, die aus Niederkirchen stammt. Aus seinem erarbeiteten, gespeicherten Wissen um die Historie des Dorfes möchte er gerne eine Chronik schreiben, wenn er einen „Dolmetscher“ findet, der ihm die lateinische Schriften übersetzt. An Sütterlinschrift hapert’s nicht, „die kann ich lesen“, sagt Semmler. Denn die geplante Chronik soll kein „trockener“ Denkmalführer durch Niederkirchen werden, sondern ein Lesebuch mit Geschichten, die ihm bei der Ahnenforschung erzählt wurden und selbst Erlebtem aus seiner Schulzeit bei Lehrer Benno Zech. Der Rundgang mit Werner Semmler beginnt an der katholischen Pfarrkirche (erbaut 1060 bis 1080) mit seinem markanten Vierungsturm (nachzulesen in der Kirchenchronik), mit Stichworten zur Dorfgeschichte von „Didinesschaime“ (Didinessheim)“, einer fränkischen Siedlung aus dem 6./7. Jahrhundert. „Hätte es kein Didinessheim gegeben, gäbe es kein Deidesheim. Aus dem zweigeteilten Ort in Ober- und Niederdidinessheim entwickelten sich Deidesheim und Niederkirchen, so Semmler. Niederkirchen habe viel erlebt und überlebt, wie die große Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg, die Besetzung von französischen Revolutionstruppen und die Bayernherrschaft, erzählt er aus der Vergangenheit. 1817 wurde Niederkirchen politisch selbstständig. 1948 mit der Gründung von Rheinland-Pfalz ging Niederkirchen an Neustadt. 1969 wurde der Weinort dem neuen Landkreis Bad Dürkheim angegliedert. Seit 1973 gehört Niederkirchen (heute rund 2.400 Einwohner) mit Deidesheim, Forst, Ruppertsberg und Meckenheim zum Landkreis Bad Dürkheim. Von der Kirche geht’s die Hauptstraße entlang durch die Denkmalzone, vorbei an historischen, unter Schutz stehenden Profanbauten, die man an Walmdächern erkennen kann, zum Haus Nummer 44: in der Substanz ein spätgotischer Bau mit hölzernem Erkervorbau (um 1920). Ein frühmittelalterlicher Sarkophag führt zum Gewölbekeller aus dem 16. Jahrhundert. Der sogenannte „Hakenhof“ ist eines der ältesten Gebäude in Niederkirchen. Weiter geht es zum ehemaligen Rat-, Schul- und Schwesternhaus (heute Kita) mit seiner schmucken Fassade im Baustil der 1900er Jahre und zum Kriegerdenkmal (1930), das typisch für die Zeit einen Soldaten in Uniform darstellt. Semmler hat sich vorgenommen, die Namen der Gefallenen, für die das Denkmal steht und die im Ehrenbuch der Gemeinde stehen, mit Lebensdaten zu ergänzen. „Ich möchte damit die Kriegsopfer wieder in Erinnerung bringen“, sagt er. Bedeutend für die Ortsgeschichte ist der sogenannte Schmittburger Hof in der Hintergasse, der wahrscheinlich aus dem Hochmittelalter stammt, obwohl über seine Gründung nichts bekannt ist. Bekannt ist lediglich, dass die Freiherren von Wachenheim, Köffler und Schmittburger (daher auch der Hausname) einst die Besitzer waren. Das spätbarocke Anwesen, in das ein Torbogen führt, haben die heutigen Eigentümer begonnen denkmalwürdig und liebevoll zu restaurieren, erzählt Semmler. Er plädiert dafür, dass die Gemeinde einen Zuschussantrag bei der Denkmalbehörde stellt für die Restaurierung des Eingangsportals. |awk