Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Bestseller im Juli: Katzen als unverzichtbare Bezugspersonen ...

Hape Kerkeling mag Katzen.
Hape Kerkeling mag Katzen.

Nach einem Top-Seller braucht man auf den Bestsellerlisten im Juli nicht lange zu suchen. In vier der fünf Buchhandlungen war Hape Kerkelings soeben erschienenes Sachbuch „Pfoten vom Tisch!“ der Hit. Beim Blick auf die Listen fällt diesmal auf, dass nur vier Autorinnen und nur drei Kriminalromane zu entdecken sind. Beides eine rare Ausnahme!

Vorgestellt sei Kerkelings „Pfoten vom Tisch!“, in dem der vielseitige, 1964 in Recklinghausen geborene Komiker und Entertainer sich als leidenschaftlicher Katzenliebhaber zu erkennen gibt. Seit dem achten Lebensjahr sind diese Vierbeiner nicht aus seinem Leben wegzudenken und für ihn nachgerade unverzichtbare „Bezugspersonen“.

Es begann für ihn mit einem traumatisierenden Erlebnis, dem Selbstmord seiner unter Depressionen leidenden Mutter. Danach wuchs er bei seinen Großeltern auf, und von ihnen durfte er sich ein Haustier wünschen. Es war kein Hund, sondern der Kater Peterle. Zahlreiche weitere Katzen folgten, und von ihnen erzählt er anrührende und komische Geschichten. Mit diesen Erinnerungen vermittelt er Einblicke in sein Leben und seine Persönlichkeit. Kerkelings Fazit: „Katzen sind meine heimliche Religion. Solange ich denken kann, gibt es so eine tiefe Verbindung ...“

Und er weiß, dass man die Zuwendung, die man diesen Vierbeinern schenkt, hundertfach zurück erhält. Überzeugt ist er, dass sie den Menschen verstehen und dessen Sensorik erweitern. Sein Buch kann als humorvoller Ratgeber, aber auch als ganz besondere Autobiografie gelesen werden.

Als Autor abgründiger Thriller ist Sebastian Fitzek deutschlandweit nahezu konkurrenzlos. Jetzt hat der 1971 in Berlin geborene Literat einen Roman mit dem Untertitel „Kein Thriller“ veröffentlicht, sein Titel „Der erste letzte Tag.“ Es ist ein Road-Trip mit komischen und dramatischen Wendungen. Protagonisten sind Livius und Lea, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Um seine Ehe zu retten, reist Livius von München nach Berlin. Doch da der Flug ausfiel, muss er einen Mietwagen nehmen. Eine nervige junge Frau ist der andere Fahrgast. Lea überfordert ihn mit ihrer unkonventionellen Sicht auf die Welt, dennoch lässt er sich auf eines ihrer ungewöhnlichen Gedankenexperimente ein – ohne zu ahnen, dass nicht nur die Reise, sondern auch sein ganzes Leben in eine andere Bahn gerät. Mit Leichtigkeit, bisweilen schwarzem Humor und vielen eingestreuten Gags erzählt Fitzek von der Endlichkeit des Seins und der Intensität des Lebens.

BESTSELLER

Bahnhofsbuchhandlung

1. Donna Leon: Flüchtiges Begehren

2. Dr. Leon Windscheid: Besser fühlen. Eine Reise zur Gelassenheit

3. Hape Kerkeling: Pfoten vom Tisch! Meine Katzen, andere Katzen und ich

Hofmann

1. Moritz Heger: Aus der Mitte des Sees

2. Hape Kerkeling: Pfoten vom Tisch!

3. Sebastian Fitzek: Der erste letzte Tag

Neustadter Bücherstube

1. Benedict Wells: Hard Land

2. Callan Wink: Big Sky Country

3. Tove Ditlevsen: Kindheit

Osiander

1. Lucinda Riley: Die verschwundene Schwester

2. Simon Beckett: Die Verlorenen

3. Hape Kerkeling: Pfoten vom Tisch!

Quodlibet

1. Jean-Luc Bannalec: Bretonische Idylle

2. Hape Kerkeling: Pfoten vom Tisch!

3. Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann

BUCHTIPP

Beeindruckt hat Hermann Speckert, Inhaber der Neustadter Bücherstube, Callan Winks Debütroman „Big Sky Country“ (378 Seiten, 23 Euro, Suhrkamp Verlag), der 2020 in den USA unter dem Titel „August“ erschien. Als Buch des Monats empfiehlt er ihn heute:

„In der ersten kurzen Szene des Romans sitzen Bonnie und Dar auf einem Steg am Torch Lake. Bonnie ist schwanger, und sie sind sich nicht einig, wie ihr Sohn heißen soll. Bonnie möchte ihn August nennen, Dar bevorzugt Alexander, den Namen seines Vaters. Aber Bonnie duldet keinen Widerspruch ...

Sie lieben sich. „Er war sechsundzwanzig, sie einundzwanzig, und das Leben war nie besser gewesen.“ So heißt es im Roman. Als August zwölf Jahre ist, hat sich einiges verändert. Bonnie lebt allein im alten Farmhaus ihrer Eltern. Vater und Sohn bewohnen das neue Haus nebenan, das Dar nach Augusts Geburt gebaut hatte. Für das Farmleben in Michigan hat Bonnie anders als Dar nicht viel übrig. Sie ist eher eine weltoffene, demokratisch gesinnte, gebildete Frau, während Dar mehr das alte Amerika mit seinen konservativen männlichen Traditionen und dem Glauben an harte Arbeit verkörpert.

Als Dar Lisa, eine junge Frau, als Hilfskraft einstellt und bald die Scheidung einreicht, zieht Bonnie mit ihrem Sohn nach Grand Rapids, der zweitgrößten Stadt Michigans. Dort studiert sie Bibliothekswissenschaft. Später findet sie in Livingstone, Montana, Arbeit. Hier geht August zur Highschool, spielt erfolgreich Football und liebt die Einsamkeit des Fischens. Julie, eine Nachbarin und Freundin seiner Mutter, die deutlich älter ist als er, beginnt eine Affäre mit ihm, die Bonnie beendet. Nach dem Schulabschluss arbeitet er auf einer abgeschiedenen Farm im Norden Montanas.

Die Härte des Alltags und das einfach Leben helfen ihm zwar, zu sich selbst zu finden, doch allmählich beginnt er zu spüren, wie brüchig und überkommen die traditionellen Lebenswelten der Männer und Väter sind. Am Ende gibt es ein Treffen auf der alten Ranch des Vaters, und im Leben der drei Protagonisten folgen einige überraschende Wendungen.

Wie Callan Wink all diese Spannungen verarbeitet, ist einfach überragend. Über dem gesamten Roman schwebt eine beglückende Gelassenheit, die von der kargen Majestät und Weite der Landschaft und der Tiefe des Himmels kaum trennbar erscheint. Hier sitzt jedes Wort und jeder Satz, und die bestechende Schönheit einer Sprache, die der Natur, dem Leben und vor allem Augusts Suche nach Identität gerecht wird, überzeugt den Leser von Anfang bis Ende. „Big Sky Country“ ist ein weiterer großer amerikanischer Roman, der das Land und seine Menschen im Wandel zwischen alten Werten und den Herausforderungen der Zukunft beschreibt.“

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