Neustadt Beschwerden über Einsatzübungen nehmen zu

Beim Jahresabschluss im Feuerwehrgerätehaus Deidesheim, wurden sieben Wehrleute verpflichtet und 18 befördert. Michael Uhl wurde für 25 Jahre Mitgliedschaft das Silberne Feuerwehr-Ehrenzeichen verliehen. Erfreulich: Bei den 118 Einsätzen im Jahr 2014 gab es im Gegensatz zu den zehn Jahren davor keine Todesfälle.
Wehrleiter Torsten Ritzmann bezeichnete das Jahr 2014 mit 118 Einsätzen als „durchschnittliches Feuerwehrjahr“. Darunter seien auch 15 Einsätze, ausgelöst durch automatische Brandmeldeanlagen oder Heimrauchmelder, gewesen. Ritzmann betonte, Bürger sollten Meldungen jedoch keinesfalls scheuen, auch wenn sich diese später als Fehlalarm herausstellen könnten. Ritzmann: „Wir fahren lieber einmal zu viel hin.“ Zehn Menschen konnten 2014 aus bedrohlichen Situationen gerettet werden. Umso erstaunlicher ist es, dass die Wehrleute mit dem Unverständnis einzelner Bürger zu kämpfen hätten. Immer häufiger käme es zu Beschwerden über Lärmstörungen durch Einsätze und Übungen, sagte Verbandsgemeindebürgermeister Theo Hoffmann: „Es ist ein bedauerlicher Vorgang, dass immer mehr Leute Uniformierte angreifen.“ Ritzmann sprach ein weiteres Problem an, das die Wehren stark belaste. „Ein klarer Trend des Rückgangs an Einsatzkräften“ sei in Rheinland-Pfalz zu verzeichnen, 13 Prozent innerhalb der letzten zehn Jahre. Ritzmann: „Dieser Trend hält auch bei uns an.“ Verfügte die Verbandsgemeindefeuerwehr 2004 noch über 175 Wehrleute, seien es aktuell noch 122 Aktive, darunter sechs Frauen. Daher lobte er die „hervorragende Jugendarbeit“ und freute sich über derzeit 35 Jugendfeuerwehrmitglieder, darunter fünf Mädchen. Er bezeichnete die Nachwuchsgewinnung als „zentrales Element“, um dem Trend entgegenzuwirken. In puncto Tagesverfügbarkeit „gehören wir noch zu den stärksten Wehren im Landkreis“, erklärte Ritzmann. Zwar verfügte die Einsatzabteilung im Vorjahr noch über 35 Kameraden, die ihren Arbeitsplatz in der Verbandsgemeinde hatten, doch seien die derzeit 29 Kameraden vor Ort noch immer spitze. Der Wehrleiter dankte der Firma Reinhardt, die der Wehr Einsatzübungen am leerstehenden Bahnhofsgebäude ermögliche. Es sei „fantastisch“, dass hier monatlich „realitätsnah“ geübt werden könne. Da allerdings auch diese Übungen zu Beschwerden einzelner Bürger führten, appellierte Ritzmann an den Verbandsgemeinderat, erneut über den beim Gerätehausneubau geplanten Übungsturm nachzudenken. So könne sich die Wehr optimal „im Stillen auf den Ernstfall vorbereiten“. Ritzmann lobte die interkommunale Zusammenarbeit der Feuerwehren. Erstmalig komme es zur gemeinsamen Beschaffung von drei Mehrzweckfahrzeugen. Da die Verbandsgemeinde Deidesheim, der Landkreis Bad Dürkheim und die Gemeinde Haßloch jeweils ein Fahrzeug orderten, den Auftrag dafür gemeinsam ausschrieben, rechne er mit einem Einsparpotenzial zwischen zehn und 15 Prozent. Zudem erhält die Wehr als Ersatz für ihr 33 Jahre altes Führungsfahrzeug ein neues. Außerdem werden Überhosen für Atemschutzgeräteträger ersetzt. 65 neue Schutzjacken und Tablet-Computer für die erstausrückenden Fahrzeuge in Deidesheim, Meckenheim und Niederkirchen werden angeschafft. Über die Geräte erhält die Besatzung auf dem Weg zum Einsatzort nützliche Informationen vorab, beispielsweise Objektkarten oder Gefahrstoffdaten. Angesichts klammer Kassen hinterfragte Ritzmann, ob Feuerwehren auch zukünftig Ölspuren absichern sollten, die dann von Fachfirmen beseitigt würden. Da die Arbeitgeber der Wehrleute für die Verdienstausfälle entschädigt würden, also Kosten entstünden, könne hier möglicherweise Geld gespart werden. (tefa)