Haßloch RHEINPFALZ Plus Artikel Beratungsstelle für Alleinerziehende und Frauen: Es wird mehr

 Die Zielgruppe der Beratungsstelle für Alleinerziehende und Frauen hat sich vergrößert.
Die Zielgruppe der Beratungsstelle für Alleinerziehende und Frauen hat sich vergrößert.

Der Bedarf an den Diensten der Beratungsstelle für Alleinerziehende und Frauen in der Gemeinde Haßloch steigt seit Jahren. Das wurde im Jahresbericht der Stelle deutlich.

Im Landkreis Bad Dürkheim gibt es derzeit vier Beratungsstellen. Alleinerziehende, Frauen und Mädchen finden dort Beratung und Betreuung für ihre spezifische Lebenssituation. Zu den Schwerpunkten gehören Eingliederung in Arbeit, psychosoziale Unterstützung, persönliche und familiäre Krisensituationen, Trennung vom Partner sowie soziale und finanzielle Fragen.

Allerdings hat sich im Laufe der Jahre das Beratungsspektrum erweitert. Außer den ursprünglichen Zielgruppen suchen nun Familien, Frauen im Rentenalter und auch Männer Unterstützung.

Die Beratungsstelle für Alleinerziehende und Frauen wurde im Februar 1992 eröffnet. Träger ist die Gemeinde Haßloch, die die Räume bereitstellt und 25 Prozent der Personal- und Sachkosten übernimmt. Die restlichen 75 Prozent werden vom Kreis Bad Dürkheim finanziert. Seit August 2024 ist die Beratungsstelle wieder mit zwei Teilzeitkräften besetzt, die gemeinsam 30 Wochenstunden abdecken.

Zielgruppen haben sich erweitert

Katharina Monath stellte im Sozialausschuss ihren Jahresbericht für 2025 vor. Demnach haben insgesamt 105 Klienten die Angebote der Beratungsstelle in Anspruch genommen. 54 Personen suchten die Beratungsstelle zum ersten Mal auf. Die meisten Erstkontakte führten zu einer weiterführenden Begleitung. Außer persönlichen Beratungsterminen fanden auch zusätzliche telefonische Beratungen statt.

Besonders Beratungen im Zusammenhang mit Trennungs- und Scheidungsprozessen bringen erhöhten Klärungs- und Unterstützungsbedarf mit sich, erläuterte Monath. Etwa ein Viertel der Klientinnen nahm mindestens fünf Beratungstermine wahr, 25 kamen mehr als 15 Mal zur Beratung. Die Zahlen verdeutlichten die komplexen Probleme sowie den Bedarf an kontinuierlicher, stabilisierender Begleitung über einen längeren Zeitraum, erklärte die Diplom-Sozialarbeiterin. Auch die Zielgruppen hätten sich erweitert.

In der offenen Sprechstunde an drei Vormittagen in der Woche wird der individuelle Unterstützungsbedarf ermittelt. Auch erste Hilfsangebote können eingeleitet werden. Die Beratungsstelle ist in die örtlichen Netzwerke eingebunden. „Wenigstens im Überblick versuchen meine Kollegin Julia Leibrock und ich alle Themen abzudecken, verweisen dann an die zuständigen Fachstellen“, sagte Monath im Sozialausschuss.

Übergangswohnung war 2025 durchgehend belegt

Die Sozialarbeiterinnen nehmen Kontakt mit den relevanten Fachstellen auf und arbeiten mit dem Jugendamt, dem Jobcenter, dem sozialpsychiatrischen Dienst, den Fraueninterventionsstellen und weiteren regionalen Unterstützungsangeboten zusammen.

Häufig befänden sich die Hilfesuchenden in einer schwierigen finanziellen Situation. Die Beratung ziele dann nicht nur auf die kurzfristige Alltagsbewältigung. Eine langfristige Perspektive werde mit den Betroffenen erarbeitet, um eine selbstständige Lebensführung zu fördern. Bei anderen Klienten stünden keine finanziellen Gründe im Vordergrund, es gebe aber Beratungsbedarf, insbesondere zur persönlichen Lebenssituation.

In der Gemeinde Haßloch steht auch eine Übergangswohnung zur Verfügung, in der Frauen und Kindern vorübergehend unterkommen können, bis geeigneter Wohnraum gefunden ist. 2025 war die Wohnung durchgehend belegt, die Fachkräfte begleiten die Klientinnen kontinuierlich und engmaschig, entwickeln mit ihnen eine individuelle Lösungsstrategie.

Deutliche Veränderung im Beratungsaufkommen

Laut Monath war die Nachfrage nach den Angeboten der Beratungsstelle 2025 sehr hoch. Auch Familien aus den Verbandsgemeinden Deidesheim und Wachenheim haben Beratung angefragt. Dabei solle der Landkreis nachrüsten, erklärte die Beraterin.

Besonders gefragt waren im Berichtsjahr erzieherische Fragen, Trennungs- und Scheidungsthemen sowie Fragen des Umgangs- und Sorgerechts. Dabei zeige sich im Vergleich zu den Vorjahren eine deutliche Veränderung im Beratungsaufkommen. In der niedrigschwelligen und frühzeitigen Begleitung sehen die Sozialarbeiterinnen den Vorteil, die Herausforderungen in der familiären und erzieherischen Situation frühzeitig aufzugreifen und konstruktiv zu unterstützen. Bei Bedarf gebe es eine Zusammenarbeit mit den zuständigen Netzwerkpartnern. Eine kontinuierliche Betreuung von Hilfesuchenden aus anderen Gemeinden sei allerdings mit einer Wochenarbeitszeit der Beratungsstelle von 30 Stunden und einer Teilfinanzierung ausschließlich durch die Gemeinde Haßloch nicht zu leisten.

Die beiden Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle berichten auch über eine Vielzahl von übergreifenden Aufgaben und Aktivitäten im vergangenen Jahr. Netzwerktreffen, Fachkonferenzen und die Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Liegenschaften bei der Wohnungssuche standen ebenso auf der Agenda wie die Mitgestaltung der Frauenkulturtage, die Teilnahme an der Weihnachtswichtelaktion, eine Spendeninitiative für Haushaltsgeräte und der Austausch beim regelmäßigen Runden Tisch „Gewalt in engen sozialen Beziehungen“.

Kontakt

Beratungsstelle für Alleinerziehende und Frauen, Leo-Loeb-Straße 4, Telefon 06324 935144. Offene Sprechstunden am Montag, Mittwoch, Donnerstag, jeweils 10 bis 12 Uhr oder nach Vereinbarung. Bei Bedarf sind Hausbesuche möglich.

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