Neustadt Bei Kitas weiterer Ausbau nötig
Seit dem „Krippengipfel“ im Jahr 2007 sind auch in Neustadt Millionen in den Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen gesteckt worden. An fünf Stellen wurden Neubauten errichtet. Die Anzahl der Betreuungsplätze ist von 1824 auf 2028 gestiegen. Doch der Bedarf ist weiter steigend.
Eine hohe Müttererwerbstätigkeit sei, so sagen Wissenschaftler, wirtschaftlich sinnvoll. Weil Mütter aber nur dann arbeiten können, wenn ihre Kinder betreut werden, vereinbarten Bund, Länder und Kommunen vor zehn Jahren, das Angebot besonders für Kinder unter drei Jahren kräftig auszubauen. Das Ziel damals: bis 2013 sollte für 30 Prozent der Kinder in diesem Alter ein Betreuungsplatz zur Verfügung stehen. In Neustadt besuchen nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Bad Ems derzeit 422 Kinder unter drei Jahren eine Kindertageseinrichtung. Das entspricht in etwa 30 Prozent und somit dem Ziel des „Krippengipfels“. Nach Angaben der Verwaltung konnten bisher alle Kinder, deren Eltern ein Betreuungsangebot suchten, untergebracht werden. Klagen, mit denen Eltern ihren Rechtsanspruch geltend machen könnten, habe es bisher nicht gegeben, informierte Dagmar Staab, Pressesprecherin der Stadt. Die Höhe der Investitionen in den Ausbau und die Sanierung von Einrichtungen kommunaler und privater Träger seit 2008 bezifferte Staab mit 14 Millionen Euro. Bund und Land hätten sich an dem Kita-Ausbau für Kinder unter drei Jahren mit Zuschüssen in Höhe von 3,5 Millionen Euro beteiligt. Fünf Neubauten entstanden seit 2008: die katholische Kindertagesstätte St. Remigius in Diedesfeld, die Kitas in der Robert-Stolz-Straße, der Landwehrstraße und der Pulverturmstraße sowie die Krippe Le Quartier Hornbach (alle vier kommunal). Darüber hinaus wurden alle Kitas im Jugendamtsbezirk (Ausnahme Kita Stadtwerke) erweitert oder ausgebaut. Den aktuellsten Zahlen der Verwaltung zufolge (2015) werden in der Stadt insgesamt 1688 Kinder betreut, das sind 182 mehr als 2008. Der Anstieg ist in erster Linie auf die Aufnahme von Kindern unter drei Jahren zurückzuführen. Fast ebenso stark angestiegen ist in diesem Zeitraum die Anzahl der Kinder in der Ganztagsbetreuung: von 612 auf 777. Die Anzahl der vorhandenen Plätze ist höher: Insgesamt gibt es laut Verwaltung 2028 Betreuungsplätze, 200 mehr als 2008. Im Bereich der Ganztagsplätze war die Steigerung noch stärker: Heute gibt es 919 Plätze, 300 mehr als 2008. Dennoch geht Sozialdezernent Ingo Röthlingshöfer davon aus, dass der Ausbau in den kommenden Jahren fortgesetzt wird. Darauf weise unter anderem die Steigerung der Geburtenrate hin. Auch die Kinder von Geflüchteten erhöhten die Nachfrage. Erstmals seit einigen Jahren zeichneten sich auch Engpässe bei den Betreuungsangeboten für Kinder über drei Jahren ab. „Wir brauchen dringend neue Einrichtungen“, so Röthlingshöfer. Das Problem sei, dass ein Ausbau der bestehenden Einrichtungen in den seltensten Fällen möglich und die Grundstückslage „katastrophal“ sei. Akuten Bedarf sieht Röthlingshöfer in der gesamten Kernstadt. Darüber hinaus werde die geplante Sportplatzbebauung in Lachen-Speyerdorf vermutlich eine neue Einrichtung nötig machen. Bei der Rekrutierung von gutem Personal gebe es einen „massiven“ Kampf zwischen den Kommunen. Bisher sei es aber in Neustadt gelungen, den Bedarf zu decken. „Kindertagesstätten sind wichtig, weil wir Familien mit Kindern gute Standortbedingungen anbieten wollen“, betont Röthlingshöfer. Festzuhalten sei, dass diese Aufgabe zu einem großen Teil von den Kommunen finanziert werde.|kkr