Neustadt
Bei der nächsten Literaturvilla-Lesung dreht sich alles um erotische Rollenspiele
Es könnte also eine echte Premierenlesung werden, was dem kleinen Jubiläum der Lesereihe in Mußbach – es handelt sich um die 30. Literaturvilla-Ausgabe – nur angemessen erschiene. Mit der ist Zerwas ja ohnehin auf besondere Weise verbunden: Zweimal nahm er schon am Literaturvilla-Wettbewerb für junge Literatur teil. Beim letzten Mal, im Sommer 2021, gewann er die mittlerweile nach dem verstorbenen Herrenhof-Übervater Gustav-Adolf Bähr benannte Auszeichnung sogar – für „Überwindung“, ein gelungenes Prosagedicht in der Tradition der Konkreten Poesie.
Aufs Erzählen versteht sich der 34-Jährige, der als Lehrer für Deutsch und Sport am Albert-Einstein-Gymnasium in Frankenthal unterrichtet, aber auch. Das bewies bereits seine köstliche Kita-Satire „Jonas, nimm den Dinosaurier aus der Nase“, die 33 Geschichten aus dem absurden Alltag eines Kita-Erziehers versammelte und 2016 bei Schwarzkopf & Schwarzkopf erschien. Bereit ein Jahr zuvor erhielt er den Martha-Saalfeld-Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz – gleichfalls für ein Erzählwerk.
Es geht um erotische Rollenspiele und ihr Scheitern
In „Der Bücherflüsterer“ verbindet sich nun Humor mit Erotik, eine nicht gerade alltägliche Kombination. Im Mittelpunkt steht der Buchhändler Alexander, der eine geheime Leidenschaft hat: Er liebt es, erotische Szenen aus Romanen wie der „Blechtrommel“ von Günter Grass und „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink nachzuempfinden. Da er die Frau fürs Leben noch nicht gefunden hat, ist Alexander immer wieder auf der Suche nach neuen Partnerinnen für diese Abenteuer, allerdings stößt er auch immer wieder auf Hindernisse. Denn was zwischen den Zeilen hocherotisch wirkt, kann zwischen den Laken schnell zu Peinlichkeiten führen – oder zu ernsten Verrenkungen. Als Alex dann Maria kennenlernt, ist es Liebe auf den ersten Blick, doch mit einer unbedachten Lüge stößt er sie völlig vor den Kopf und nur schonungslose Ehrlichkeit kann das zerstörte Vertrauen vielleicht wieder herstellen…
Fremdschämen für den Protagonisten gehört dazu
Erzählt wird all das in Form einer großen, langen Beichte aus der Ich-Perspektive des leidenschaftlichen Rollenspielers, wobei besonders die geschilderten Fehlschläge für Vergnügen sorgen. „Ich muss sagen, es ist oft etwas schief gelaufen“, bekennt der Protagonist selbst. Nichts schief gelaufen ist mit dem Text, auch wenn Zerwas ziemlich lange nach einem Verlag dafür suchen musste, wie er bekennt. „Es war wohl zu wenig Mainstream“, sagt er rückblickend. Dabei schaffte er es mit dem Manuskript bereits 2020 auf die Longlist des Blogbuster-Literaturwettbewerbs, bei dem neue, herausragende Talent im Bereich Gegenwartsliteratur entdeckt werden sollen. „Seine Geschichte ist recht unkonventionell, manchmal schämt man sich ein bisschen für seinen Protagonisten, man fiebert mit, kann oft herzlich lachen, aber immer – wirklich immer – habe ich mich absolut unterhalten gefühlt“, schrieb die Literaturbloggerin Andrea Schuster damals.
Zurückgekehrt wird bei der 30. Literaturvilla-Lesung nun auch endlich wieder zur aus Vor-Corona-Zeiten gewohnten Trias aus Literatur, Musik und bildender Kunst. Ab 18.30 Uhr präsentiert dabei Lena Csercsevics im Keller Fotografien. Musikalisch umrahmt wird die Lesung oben danach vom Speyerer Gitarristen Balu Solo. Erstere ist Zerwas Lebenspartnerin, Zweiterer – bürgerlich Clemens Hans und in der Region auch bekannt als langjähriger Head Coach des American-Football-Oberligisten Haßloch 8-Balls – ein guter Freund, mit dem Zerwas auch gemeinsam in einer Rockband spielt.
Termin/Lesezeichen
Manuel Zerwas liest am Donnerstag, 5. Mai, ab 19 Uhr in der Parkvilla des Herrenhofs in Neustadt-Mußbach aus seinem druckfrischen Roman „Der Bücherflüsterer“. Der Eintrittspreis kann frei gewählt werden. Der empfohlene Richtwert liegt bei 5 Euro. Unter www.literatur050522.herrenhof-mussbach.de kann man aber auch online an der Veranstaltung teilnehmen. Das Buch ist als Klappenbroschur im Leipziger Adakia-Verlag erschienen, hat 272 Seiten und kostet 15 Euro.