Haßloch
Behindertenbeirat gewählt: Gemeinsam Barrieren abbauen
Große Freude am Mittwochabend im Haßlocher Kulturviereck: Ein Blick in die Reihen auf genügend Bewerber zeigt schnell, „dass wir heute mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Behindertenbeirat bilden können“, freut sich Beigeordneter Ralf Trösch (SPD) gemeinsam mit Andreas Rohr vom Fachbereich Bürgerdienste der Gemeindeverwaltung und Robert Fath, der von Ende 2021 bis vor Kurzem noch das Amt des ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten mehr oder weniger allein stemmen musste.
Dass Fath die ganze Arbeit auf dem Schreibtisch hat, ist nun aber vorbei. Denn endlich kann der Behindertenbeirat, für den es schon seit Dezember 2023 eine beschlossene Satzung gibt, wie geplant die Arbeit aufnehmen. Und die ist sehr vielfältig, wie Andreas Rohr gleich zur Begrüßung den 25 Wahlberechtigten im Saal erläutert: Mit dem eigenen Beirat wolle die Gemeinde auch die im „Forum Handicap“ – dem früheren Behindertenstammtisch – entstandene Beteiligung nun mit noch mehr Spielraum ausbauen. Trotzdem bleibe das Forum auch bestehen, damit noch mehr Interessierte sich weiter einbringen können – auch ohne Teil des gewählten Gremiums zu sein.
Vertreter im Sozialausschuss
Die Satzung des neuen Beirats war zuvor ohne Gegenstimmen durch den Sozialausschuss, den Hauptausschuss sowie durch den Gemeinderat gegangen, wie Andreas Rohr im Hinblick auf die Bedeutung der Mitwirkungsmöglichkeit betont. Der Beirat kann demnach über alle Angelegenheiten beraten, die für Menschen mit Behinderung in der Gemeinde von Belang sind, und Anträge stellen. Ein Mitglied wird in der konstituierenden Sitzung als Vertreter mit beratender Stimme im Sozialausschuss bestimmt. Die Partizipation beeinträchtigter Menschen in allen Lebensbereichen soll laut Satzung dabei „als zentrales Anliegen der UN-Behindertenrechtskonvention umgesetzt werden“.
Mindestens drei, höchstens fünf Mitglieder und bis zu fünf Ersatzmitglieder, so lautete die Maßgabe für den Wahlabend. Und tatsächlich war es nicht so schwer, acht motivierte Kandidaten aus Haßloch zu finden. Auch der vorherige Beauftragte Robert Fath musste nicht erst lang überredet werden: Der 57-Jährige ist überzeugt, dass ein Behindertenbeirat „viel Gutes bewirken“ können wird. Auch Jürgen Hess, mit dem Fath schon zuvor das „Forum Handicap“ wieder neu belebt hatte, will mitwirken. Gisela Mathä kann nur durch sogenannte Cochlea-Implantate hören und war in der entsprechenden Selbsthilfegruppe in Neustadt aktiv, außerdem bringt sie Erfahrung in der Arbeit für Schwerbehinderte mit.
Mit Franz Krätschmer stellt sich ein Fachmann zur Wahl, der vor Jahren auch schon als ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter in der Gemeinde tätig war. Zudem verfügt der 70-Jährige aus seiner früheren Arbeit im Gesundheitsamt und als Betreuer über Sachkenntnis. Jürgen Hurrle will seine Expertise einbringen, die der frühere Erste Beigeordnete der Gemeinde aus 21 Jahren als SPD-Sozialdezernent bis 2010 hat: Er habe damals „die Arbeit für Behinderte in Haßloch begonnen“, sagt der Ruheständler, der inzwischen selbst mit dem Rollator unterwegs ist, aber nach eigenen Angaben vorher zeitweise auf den Rollstuhl angewiesen war.
Ricarda Neuberg, hörgeschädigte Trägerin zweier Cochlea-Implantate, leitet seit 2018 die von ihr ins Leben gerufene Selbsthilfegruppe „Besser hören“ und möchte sich mit ihrem Ehemann Lothar Neuberg „jetzt auch im Beirat einsetzen, um mehr Leute zu erreichen und für sie etwas politisch bewirken zu können“. Emil Breininger ist schon seit fünf Jahren im Einsatz für mehr Inklusion und hat Robert Fath immer mit unterstützt.
Eigene Mittel von rund 2000 Euro
Nach der Auszählung der 25 gültigen Wahlzettel mit jeweils bis zu fünf Stimmen ist klar: Wie geplant, wird sich der Einsatz für mehr Teilhabe nun auf die Schultern von fünf Mitgliedern verteilen. Aber auch die drei Ersatzmitglieder sollen sich laut Rohr bei den grundsätzlich öffentlichen Sitzungen „gut mit einbringen können“. Der Beirat verfüge über eigene Haushaltsmittel von rund 2000 Euro rein für seine Arbeit, erläutert Andreas Rohr von der Verwaltung. Vom „bald aktuell werdenden Schwimmbadneubau“ bis „zum eher leidigen Thema Rampe am Bahnhof“ warten die Themen, und eine enge Zusammenarbeit mit dem Seniorenbeirat lasse „inhaltlich sicher viele Vorteile“ erwarten.
Laut Satzung muss der neue Behindertenbeirat ab jetzt mindestens einmal im Jahr zusammenkommen: Tatsächlich angestrebt sind allerdings immer mindestens vier Termine, die idealerweise mit dem „Forum Handicap“ kombiniert und daher bald schon frühzeitig im Voraus geplant werden sollen. Die öffentliche konstituierende Sitzung mit Wahl des Vorsitzenden plus Stellvertretung und des Mitglieds mit beratender Stimme für den Sozialausschuss durch das Gremium findet am 12. Dezember um 15 Uhr statt; die barrierefrei zugänglichen Räumlichkeiten werden noch mitgeteilt.
Beirat und Ersatzmitglieder
Gewählt sind: Robert Fath (21 Stimmen), Franz Krätschmer (17), Gisela Mathä (17), Jürgen Hess (16), Jürgen Hurrle (11). Ersatzmitglieder: Ricarda Neuberg (10), Lothar Neuberg (9), Emil Breininger (8). Noch gilt die E-Mail-Adresse behindertenbeauftragter@hassloch.de, sie soll in Kürze in behindertenbeirat@hassloch.de geändert werden (mit Umleitung von der bisherigen Mailadresse).