Neustadt Baubeginn bei Flüchtlingswohnungen
Mit dem geplanten Bau von 38 Wohneinheiten für Flüchtlinge in der Böhlstraße wird in der kommenden Woche begonnen.
Die Ängste und Vorwürfe, die den Vertretern der Stadt beim ersten Bürgergespräch zum Wohnprojekt Böhlstraße im vergangenen Jahr entgegenschlugen, sind leiser geworden. Verschwunden sind sie nicht. Ein junges Ehepaar beispielsweise fürchtet, dass der Wert seines Hauses, das in der Nachbarschaft steht, durch den Bau der Flüchtlingswohnungen sinken könnte. „Was ist, wenn die sich nicht an unsere Regeln halten?“, will der Mann beim Bürgergespräch am Freitag von Sozialdezernent Ingo Röthlingshöfer (CDU) wissen. Und er erzählt, dass es bei einem ähnlichen Projekt in Stuttgart genauso gekommen sei.
Nicht jeder lässt sich überzeugen
Röthlingshöfer betont, dass die Stadt die Sorgen der Bürger ernst nehme und sich bei Problemen um eine Lösung bemühen werde. „Wir stellen doch nicht irgendetwas hin und sind dann weg.“ Die bisherigen Erfahrungen mit Flüchtlingen zeigten, dass Probleme sich lösen ließen. Auch dort, wo große Unterkünfte in Wohngebieten liegen wie beispielsweise in Haardt. „Manchmal nehmen wir auch Leute raus“, sagt er. Wirklich überzeugen kann Röthlingshöfer den Mann nicht. „Wir haben’s eh nicht im Griff“, sagt dieser schließlich und verlässt die Veranstaltung. Ingo Röthlingshöfer und Marion Walz, die als Leiterin des Fachbereichs Jugend und Soziales bei solchen Gesprächen stets dabei ist, hatten für die Informationsveranstaltung in der Realschule dieses Mal ein anderes Konzept vorbereitet. Es gab drei Tische, an denen sich jeweils ein Vertreter der Stadt den Fragen der Anwohner stellte: Röthlingshöfer, Walz und die für das Gebäudemanagement zuständige Abteilungsleiterin Dagmar Wolf-Matzenbacher. Nach etwa 20 Minuten sollte gewechselt werden. Doch wo emotional diskutiert wird, lässt sich ein Gespräch nicht einfach beenden. Das war am Tisch von Röthlingshöfer der Fall, aber auch bei Marion Walz, wo eine Frau mit grundsätzlich ablehnender Haltung in einer Runde saß mit Flüchtlingshelfern und Vertretern der Engagierten Jugend. Es geht unter anderem um Angst vor Kriminalität, und die Standpunkte bleiben weit auseinander, obwohl Walz auf die Berichte der Polizei verweist, die in Neustadt keine Auffälligkeiten feststellen kann.
Böbig soll in Projekt "Soziale Stadt" aufgenommen werden
Dass der Stadtteil Böbig unabhängig von den Flüchtlingswohnungen aufgewertet soll, wird an beiden Tischen erläutert. Die Stadt hat die Aufnahme des Gebietes in das Projekt „Soziale Stadt“ beantragt und erhofft sich davon, wie schon in Branchweiler, sowohl eine Verschönerung als auch eine Verbesserung des gesellschaftlichen Miteinanders. Läuft alles wie geplant, kann das Programm noch in diesem Jahr starten. Röthlingshöfer erklärt darüber hinaus, warum die Wohnungen ausschließlich für Flüchtlinge sind: Der Wohnkomplex entsteht auf einem Gelände, das zwar ortsnah, aber nicht als Baufläche ausgewiesen ist. Diese Möglichkeit war auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise beschlossen worden, um den Kommunen die Chance zu geben, die große Anzahl an Zuwanderern unterbringen zu können. Indirekt komme das aber auch den Einheimischen zugute, betont Röthlingshöfer. „Dadurch wird der Wohnungsmarkt insgesamt entlastet.“ Darüber hinaus schaffe die Stadt am Harthäuser Weg auch günstigen Wohnraum für jedermann.
200 Menschen sollen in Anlage leben
Wie die Wohnanlage aussehen wird und wie der Bauverkehr organisiert wird, erfahren die Bürger von mehreren Vertretern der Abteilung Gebäudemanagment um Dagmar Wolf-Matzenbacher. Demnach wird die Anlage dreigeschossig sein, die Wohnungen haben eine Größe zwischen 45 und 95 Quadratmetern. Damit soll auch Platz für kinderreiche Familien geschaffen werden. Insgesamt werden nach Angaben der Stadt rund 200 Menschen in der Anlage leben. Während des Baus wird es für die Abfahrt der Baufahrzeuge eine Straße Richtung Westen geben, die bei der Firma Bartz & Klein auf die B 38 führt. Die Straße werde aber nicht dauerhaft bleiben, betont Matzenbacher. Die Wohnungen sollen bis Mitte 2019 fertig sein.