Neustadt Bangen um die Zukunft

Monika Theobald (rechts) führte durch die Räume.
Monika Theobald (rechts) führte durch die Räume.

Die Spiel- und Lernstube in Branchweiler bangt um ihre Zukunft. Die Förderstätte für Kinder und Jugendliche wird dieses Jahr 25, hat mit Blick auf das neue rheinland-pfälzische Kita-Gesetz aber wenig zu feiern. Um ihr niederschwelliges Angebot erhalten zu können, muss wohl ein neues Konzept her.

Die ersten Spiel- und Lernstätten entstanden bereits in den 1970er Jahren. „Um die Jugend in sozial belasteten Bereichen vor Verrohung zu schützen“, hieß es damals wörtlich, wie sich Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer erinnert. Das klinge heute komisch, die Intention sei aber die gleiche: Es gehe darum, jungen Menschen wohnortnah eine zusätzliche Form der Bildung zu bieten. Die Spiel- und Lernstube in der Kurt-Schumacher-Straße eröffnete 1994 in der Einzimmerwohnung eines Mehrfamilienhauses. „Wir wollten den Kindern und ihren Eltern hier im Brennpunkt Branchweiler einen schnellen und möglichst einfachen Zugang ermöglichen“, erinnert sich Helga Deidesheimer. Sie war von Angang an dabei, seit 21 Jahren leitet sie die Neustadter Spiel- und Lernstube. Inzwischen sind die Räume zweier weiterer Wohnungen dazugekommen, weil die Nachfrage nach der Nachmittagsbetreuung schnell größer wurde. Schüler von der ersten bis zur sechsten Klasse besuchen die Spiel- und Lernstube regelmäßig, machen hier ihre Hausaufgaben, spielen, basteln und werkeln. Es standen auch schon Nähkurse, Theaterworkshops, ein Trommelkurs oder eine Tonwerkstatt auf dem Programm. Die Spiel- und Lernstube verfügt außerdem über ein Gartengrundstück. „Tatsächlich müssen wir uns ständig neu überlegen, wie wir die Kinder erreichen“, erläutert Deidesheimer. In Sachen Bewegung und Gesundheit etwa setze die Einrichtung momentan auf Hip-Hop und Fußball. Oder auch das Thema Soziale Medien: „Wir versuchen den Kindern einen verantwortungsbewussten Umgang mit Facebook und Co. zu vermitteln, ohne gleich den Zeigefinger zu erheben.“ Angst hat Deidesheimer, wenn sie an die Zukunft denkt. Weil bei der Neuauflage des rheinland-pfälzischen Kita-Gesetzes die Spiel- und Lernstuben bislang keine Erwähnung finden, befürchtet auch Sozialdezernent Röthlingshöfer, dass diese in ihrer jetzigen Form nur schwer weiterbestehen können. Bislang finanziert sich die Spiel- und Lernstube wie eine Kindertagesstätte. Als Träger fungiert die Caritas, außerdem beteiligen sich Stadt und Land an den Kosten. „Mir ist wichtig, dass wir dieses niederschwellige Angebot in unmittelbarer Nähe zum Wohnort der Kinder erhalten können“, unterstreicht Deidesheimer. Hier könne man auch mal über die Straße gehen und schauen, was los ist, wenn ein Kind ein paar Tage nicht auftauche. „Die Ganztagsschulen sind zwar ein super Angebot, könne unsere Arbeit in den Brennpunkten aber nicht ersetzen.“ Deidesheimer will jedenfalls nicht abwarten, ob das Kita-Gesetz noch nachgebessert wird: „Ich mache mir schon intensiv Gedanken, wie wir uns neu ausrichten, aber unsere Grundstrukturen erhalten können“, sagt sie.

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