Neustadt Balltalent aus Eritrea

Seit mehreren Wochen trainiert der 19-jährige Mlillon Mateus bei den Aktiven der Fußballabteilung des TSV Lambrecht. Der junge Mann aus dem ostafrikanischen Eritrea wohnt allerdings nicht in der Verbandsgemeinde, sondern in Neustadt. Dort hat ihn Fehmi Aydin, Wirt des Vereinslokals des TSV Lambrecht, durch Zufall kennengelernt. Aydin erzählt, dass er in einem Café in Neustadt im Fernsehen ein Spiel des englischen Fußball-Clubs FC Chelsea angeschaut habe und dabei mit einem anderen Gast ins Gespräch gekommen sei. Dieser andere Gast war Mlillon Mateus . „Ich habe ihn gefragt, ob er Fußballfan ist, und als er ja sagte, habe ich ihm gesagt, dass er doch mal bei uns vorbeikommen soll“, erzählt Aydin. Mateus, der etwas deutsch und etwas englisch spricht, erzählt, dass er sich darüber gefreut habe. In Neustadt, wo er seit etwa sechs Monaten wohne, habe er nur zu einigen Landsleuten Kontakt. Er habe schon in seinem Heimatland Eritrea gespielt. „Er spielt gut, er ist nur körperlich etwas schwach“, sagt TSV-Trainer Gerald Klein. „Wenn so ein Bub kommt, dann kann er natürlich bei uns mitspielen, das ist doch nichts Besonderes“, so Klein. Die Aktiven des TSV Lambrecht trainieren dienstags und donnerstags, bisher ist Mateus immer nur dienstags zum Training mit dem Zug aus Neustadt gekommen. Aydin und Eric Glaßer, Vorsitzender des TSV Lambrecht, haben sich überlegt, ob sich Mateus die Kosten für die Zugfahrt nicht öfter leisten kann. „Wir würden ihm das gern zahlen, aber wir möchten ihn auch nicht in Verlegenheit bringen“, erklärt Glaßer, warum sie den 19-Jährigen bisher noch nicht darauf angesprochen haben. Wenn Mateus beim TSV Lambrecht weiter mitmachen möchte, „dann regeln wir das mit dem Beitrag intern“, sagt Glaßer. Die Verbandsgemeinde müsse die Kosten nicht übernehmen. Bis Mateus bei Spielen eingesetzt werden könne, werde es allerdings noch etwas dauern. Nicht, weil ihm das erforderliche Können fehle, aber es sei sehr umständlich und zeitaufwendig, eine Spielgenehmigung für Fußballer aus dem außereuropäischen Ausland zu bekommen. „Das geht über den Weltfußballverband“, weiß Glaßer. Er würde sich dennoch freuen, wenn weitere Asylbewerber in den Abteilungen des TSV Lambrecht mitmachten. „Für die Leute ist das eine Abwechslung in ihrem nicht einfachen Alltag. Und für uns als kleiner Verein ist das eine Chance, neue Aktive zu gewinnen.“ Laut Glaßer hat der TSV bereits Erfahrung mit Asylbewerbern gemacht. Vor einigen Jahren habe ein Flüchtling aus Afghanistan bei ihnen Fußball gespielt. „Er hat in Lambrecht gewohnt, hat fünf bis sechs Jahre bei uns gespielt“, erzählt er. Inzwischen lebe der Mann in Neustadt, sei verheiratet und habe Kinder, die in der Stadt bei einem Verein Fußball spielten. Laut Erstem Beigeordneten Hans-Werner Rey sind außer beim TSV Lambrecht auch bereits beim TV Weidenthal und bei Wacker Weidenthal Asylbewerber beim Training mit dabei. Wie am Donnerstag berichtet, spielen mehrere Asylbewerber zudem in Neustadt-Hambach bei der dortigen Versehrtensportgruppe Volleyball. (ann)