Neustadt Ball-Werk bald in irischer Hand

91-84918210.jpg

Die geplante Fusion der beiden Unternehmen musste zuvor wegen kartellrechtlicher Bedenken durch die Europäische Kommission genehmigt werden: Die beiden schon jetzt größten Unternehmen der Branche – beide haben jeweils einen weltweiten Anteil von rund 20 Prozent am Getränkedosenmarkt – beliefern unter anderem Coca-Cola und den Brauereiriesen Anheuser-Busch InBev. Der schärfste Konkurrent der beiden Unternehmen ist Marktforschern zufolge die in den USA ansässige Crown-Gruppe mit einem Marktanteil von etwa 19 Prozent. Der Zusammenschluss von Ball und Rexam gilt als Reaktion auf steigende Aluminiumpreise, die gemeinsam besser bewältigt werden sollen. Rund 300 Millionen Euro wolle die Ball Gruppe pro Jahr dadurch einsparen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die Europäische Kommission hatte der Übernahme von Rexam durch Ball unter der Maßgabe zugestimmt, dass Ball zwölf Werke verkauft, um auch anderen Wettbewerbern den Zugang zum Getränkedosenmarkt zu ermöglichen und Preissteigerungen infolge der gestiegenen Marktmacht des Unternehmens zu vermeiden. In Deutschland handelt es sich dabei um vier Standorte, einer davon ist das Werk in Haßloch, an dem etwa 200 Mitarbeiter täglich mehrere Millionen Getränkedosen aus Aluminium herstellen. Unterschiedliche Interessenten habe es für die Betriebe gegeben, bestätigte eine Sprecherin der in Bonn ansässigen Europa-Zentrale der Ball Gruppe auf Anfrage. Das Rennen gemacht habe die Ardagh-Gruppe mit Hauptsitz in Dublin, das Haßlocher Werk werde wohl ab Ende des Monats unter der Regie der Ardagh in Luxemburg weitergeführt. Dem Zusammenschluss der beiden weltgrößten Getränkedosenhersteller Ball Packaging (USA) und Rexam (Großbritannien) steht nun seitens der Europäischen Kommission nichts mehr im Wege. Wie die Ball-Sprecherin mitteilte, steht der Verkauf noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und soll zeitgleich mit der Übernahme von Rexam durch Ball Ende Juni abgeschlossen werden. Zum Kaufpreis machte sie keine Angaben. Für die Beschäftigten sollen sich aufgrund des Eigentümerwechsels keinerlei Veränderungen ergeben. Konkrete Stellungnahmen aus Haßloch waren wegen einer aktuell geltenden Verschwiegenheitsverpflichtung nicht zu erhalten. Ball Packaging Europe mit Sitz in Zürich hatte den Standort Haßloch 2002 von der damaligen Firma Schmalbach-Lubeca übernommen. Die Mitarbeiterzahl beträgt nach Angaben der Sprecherin derzeit rund 170. Zur konkreten Kapazität mache sie aus Wettbewerbsgründen keine Angaben. Sie teilt jedoch mit, dass in Haßloch auf zwei Produktionslinien Aluminium-Dosen in den Größen 25, 33 und 50 Zentiliter hergestellt werden. Informationen der RHEINPFALZ zufolge sind in Haßloch aktuell etwa 200 Mitarbeiter im Schichtdienst beschäftigt, die täglich sieben Millionen Getränkedosen produzieren können. Diese Dosen werden an 45 Brauereien und Softdrinkhersteller in große Teile Europas geliefert. Fünf Investorengruppen – die Blackstone Group, Apollo Global Management, CVC Capital Partners, die Onex Corporation Madison Dearborn Partners und Silgan Holdings – hatten sich ebenso für die Standorte interessiert wie die Ardagh Group, die bislang Glas- und Metallverpackungen hergestellt und auf dem Dosenmarkt noch nicht tätig war. Die 1932 in Irland gegründete Muttergesellschaft hatte 2013 etwa 18.000 Mitarbeiter. Ardagh hatte bereits Anfang März Interesse an der Übernahme der Standorte in Europa, Brasilien und den USA bekundet. Insgesamt sollen dafür nach unterschiedlichen Angaben zwischen 3,42 und 4,4 Milliarden Dollar fließen.

x