Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Badminton: Luise Heim nach Ausstieg aus Leistungssport mit sich im Reinen

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Das war einmal: Luise Heim hat im Oktober 2018 die Hellas Open in Griechenland gewonnen. Es war ihr erster Sieg als Erwachsene bei einem internationalen Turnier. Foto: frei/Pauli

Sportler im Blick: Es war ein leiser Abschied vom Leistungssport und Leistungsdruck vor einem Jahr für die Neustadterin Luise Heim. Die Badminton-Nationalspielerin hatte zum 1. Januar 2019 auf ihren Platz im Bundeskader und auf weitere internationale Einsätze verzichtet. Die Zeit danach war für sie ein Akt der Befreiung und ein Neuanfang.

Die 23-Jährige konzentriert sich seitdem auf ihr Soziologie-Studium. Trotz 20 Stunden Training in der Woche hatte sie innerhalb von drei Jahren ihren Bachelor-Abschluss gemeistert. „Danach habe ich lange überlegt, wie es mit dem Leistungssport weitergehen soll. Eine Badminton-Spielerin kann bis zum 30. Lebensjahr Topleistungen bringen bei entsprechendem Training. Aber was ist in dieser Zeit mit dem Beruf? Sport, Beruf und Familienleben sind nicht vereinbar. Ich machte mir Gedanken über meine Zukunft“, erinnert sie sich. Und wer mit Zweifeln an einer Sache beginnt, der ist schon auf dem Weg des Abschieds. Nachdem sie sich entschieden hatte, wirkte sie befreit.

Zweimal deutsche Meisterin

Heim war zweimal deutsche Meisterin bei den Damen 2017 und 2018 und mehrmalige Bronze-Medaillen-Gewinnerin bei Europameisterschaften mit dem Team. Fünf deutsche Meistertitel in der Jugend und viele internationale Einsätze bei Europa- und Weltmeisterschaften spülten die Neustadterin auch mal auf Rang 15 der Weltrangliste.

Ihre ersten Schritte mit dem Schläger und dem schnellen Federball machte sie als Sechsjährige beim TuS Haardt. Nach Einsätzen für die BSG Neustadt folgte ein Schwerpunkttraining und Schulunterricht am Heinrich-Heine-Gymnasium in Kaiserslautern. Die Oberstufe absolvierte Heim im Badminton-Internat in Mühlheim an der Ruhr. Nahtlos verlief der Übergang von der Jugend in das Stützpunkttraining bei den Frauen. In der Bundesliga ging sie für den 1. BC Beuel an den Start, ihre Hochschule in Duisburg war von Mühlheim aus leicht zu erreichen.

Pfeiffersches Drüsenfieber

Trotzdem hinterließ die Doppelbelastung Sport und Studium ihre Spuren. Bemerkbar machten sich diese 2018, als Heim auf einen Start bei den Weltmeisterschaften verzichtete. „Es waren zu viele Aufenthalte im Ausland, zu viele Turniere, einfach zu viel Stress“, merkte sie damals. Auch eine Erkrankung mit Pfeifferschem Drüsenfieber bremste sie aus. Sie kämpfte sich zwar nochmals in den Wettkampfsport zurück und gewann Ende 2018 ihr erstes internationales Turnier mit den „Hellas Open“. „Doch ich merkte, meine Prioritäten hatten sich verschoben. Meine Bachelorarbeit war beendet, das Masterstudium lag vor mir. Masterstudium und Wettkampfsport passten aber nicht zusammen. Auch eine Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2020 natürlich nicht“, betont sie. Für den Bundesligisten 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim ging sie noch bis Frühjahr 2019 an den Start, doch dann war endgültig Schluss mit Badminton.

Es war ein radikaler Schnitt, sie nahm keinen Schläger mehr in die Hand. „Ich wollte Abstand gewinnen. Es war befreiend, aus dem Leistungssport herauszukommen. Anfangs war ich noch sehr diszipliniert und ging regelmäßig joggen. Jetzt kann ich auch mal eine Woche gar nichts tun, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben“, erzählt sie. Natürlich habe es früher einen positiven Kick gegeben, wenn sie Turniere gewonnen habe. Aber genauso oft sei es auch vorgekommen, dass sie mit negativen Gefühlen aus Partien herausgegangen sei, wenn die nicht gut gelaufen seien.

Einstieg ins Berufsleben

Ein Jahr nach ihrem Abschied vom Leistungssport ist Luise Heim mit sich im Reinen. Volle Konzentration auf das Studium und danach einen guten Einstieg ins Berufsleben verdankt sie auch ihren Fähigkeiten, die sie sich beim Badminton angeeignet hat. Konzentration, schnelle Reaktionen, schnelles Denkvermögen, Ausdauer und eine große Portion Selbstvertrauen sind für die Zukunft im Beruf die besten Bausteine, um auch dort erfolgreich zu punkten.

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