Neustadt Bürklin-Wolf sucht mehr Kundennähe

In Bürklins Weinbar werden auch reife Rieslinge von Marco Gulino ausgeschenkt. Chefin Bettina Bürklin-von Guradze lässt auch ger
In Bürklins Weinbar werden auch reife Rieslinge von Marco Gulino ausgeschenkt. Chefin Bettina Bürklin-von Guradze lässt auch gerne mal eine Rarität öffnen.

Vinotheken schießen wie Pilze aus dem Boden. Kein Weingut, das etwas auf sich hält, verzichtet auf in der Regel moderne, oft ein wenig steril gehaltene Räume, um sich zu präsentieren. Anders das Weingut Dr. Bürklin-Wolf, das dabei vor allem auf Tradition setzt – im Stammhaus in Wachenheim wie am Standort Deidesheim. Bettina Bürklin-von Guradze, Herrin über Rieslingreben auf 85 Hektar, war seit Jahren bewusst: Der Endverbraucher-Anteil von 25 Prozent an der Gesamtproduktion von jährlich rund 500.000 Flaschen soll verdoppelt werden: „Wir müssen uns mehr darstellen, weil Weine in unserer Preislage einen erhöhten Erklärungsbedarf haben.“ Mit dem Weinverkauf im Wirtschaftsbetrieb des Gutes in der Weinstraße 65 in Wachenheim war es nicht länger getan. Die Atmosphäre zwischen Lastern und klappernden Abfüllmaschinen entsprach nicht „Bürklins Welt“, in die Kunden eintauchen sollten. 400.000 Euro hat das Weingut deshalb in den Umbau und die Umgestaltung des ehemaligen Pferdestalls zwischen dem Bürklinschen Gutshof mit Privatpark und dem Englischen Garten in der Ringstraße gesteckt. Dort haben Kunden jetzt Gelegenheit, Weine und Sekte zu kosten, zu kaufen, aber auch mehr über die Biodynamie zu erfahren. Das heißt: Einklang mit der Natur soll die Qualität der Weine weiter steigern. „Wir wollten einen gewissen Wohnzimmer-Charakter haben, um auch in aller Ruhe Weinliteratur zu schmökern.“ Über allem wacht das Bild von Geheimrat Albert Bürklin, des Großvaters der heutigen Besitzerin, der seiner Enkelin jene antiquarischen Sitzmöbel hinterließ, in denen sich besonders gemütlich verweilen lässt. Von der Terrasse aus führt der Weg in den Englischen Garten, der zweimal im Jahr auch zum Picknick einlädt. Immer am ersten Wochenende im Monat zwischen Mai und Oktober bietet Bürklin-Wolf zudem neben seinen Spitzenrieslingen auch Köstlichkeiten auf dem Teller an, um so den „Wohlfühlort“ wie es Bettina Bürklin-von Guradze ausdrückt, erst richtig zu genießen. Riccardo Korner, der demnächst Tom Benns in der Vinothek folgen wird, verspricht sich davon noch mehr Kundennähe. Doch damit nicht genug: Der Kundennähe sollen auch jene 300.000 Euro dienen, die Bürklin-Wolf in Deidesheim in die älteste Gaststätte der Pfalz investiert hat. Die legendäre „Kanne“ in der Weinstraße gilt heute im Hause Bürklin als „Hotspot für den Genuss reifer Rieslinge“. Einen ganz besonderen Reiz bietet die Mischung zwischen Moderne und Tradition. „Uns kam es darauf an, die Seele des historischen Gebäudes unbedingt zu erhalten“, betont die Hausherrin. Neben den Vinothek-Räumen, umgeben von Antiquitäten, lockt „Bürklins Weinbar“ immer mehr „weinfreakige junge Gäste, die teilhaben möchten am Reifeprozess unserer Weine“, so Bettina Bürklin-von Guradze. Außer Tropfen von der vertrauten Weinliste wird ab und an auch eine besondere Rarität geöffnet, etwa ein 1999er Kirchenstück, das im 0,1 Glas nicht unter 40 Euro zu kriegen sei, gesteht Marco Gulino, der den Kontakt zu den Gästen hält. Übrigens: Die Weine, ob Pechstein, Böhlig oder auch Hoheburg, reichen zurück bis zum Jahrgang 1996. Gerne genießen die Gäste auch einen der edlen Tropfen im Innenhof, umgeben von historischen Mauern. Albert Bürklin, der Vater der Eigentümerin, hatte die „Kanne“ vor mehr als 65 Jahren gemeinsam mit seinem Freund Fritz Brune erworben. Die Tochter weiß von so manch einem rauschenden Fest, das damals in der Kanne gefeiert wurde. Gab es Zeiten, in denen dort auf Sterneniveau gekocht wurde, umfasst das Speisenangebot zum Wein heute eher Kleinigkeiten. Mal ist es Rohmilchkäse aus Vieux-Ferette im Elsass, mal eine Wildschweinsalami aus Siebeldingen oder ein Parmaschinken aus Langhirano, der Heimat von Kellermeister Nicola Libelli. Die Oliven werden vom Hofladen des Bürklinschen Hofguts in Ruppertsberg geliefert. Gerne treffen sich inzwischen auch junge Paare, die gegenüber im Deidesheimer Rathaus geheiratet haben, zum Hochzeitsempfang in der Weinbar. Ende Juni soll auch eine kleine Schmuckausstellung Bürklins Weinbar in den Fokus rücken. Auch als einen geselligen Treffpunkt.

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