Neustadt Ausstellung: Kalligraphien im Neustadter Kloster
«Neustadt». Die Kunst des Schönschreibens von Hand – mit Tinte, Federkiel, Pinsel oder anderen Schreibutensilien – war in der Kultur des europäischen Mittelalters die einzige bekannte Form zur Übermittlung von Literatur. Für den 2014 verstorbenen Kalligraphen Helmut Hirmer aus Neuhofen bedeutete dieses Erbe zeitlebens eine besondere Verpflichtung. Eine Auswahl der Schreibkunst-Werke, die er etwa von 1984 an geschaffen hat, ist jetzt im Neustadter Kloster zu sehen.
Hirmer war einer der wenigen hauptberuflichen Kalligraphen in Deutschland. Nach seiner Ausbildung als Maler- und Lackierermeister mit Schwerpunkt Schriftmalerei nahm er privaten Unterricht und erweiterte seine Kenntnisse auf so ziemlich sämtliche Schriften, die in Europa in den letzten 2000 Jahren verbreitet waren. Nach einer Zeit als Lehrer am Ausbildungszentrum der Handwerkskammer Mannheim folgten Workshops, Unterricht und Ausstellungen bis in die USA, nach Kanada und Japan. Auch im Neustadter Kloster waren seine Werke in der Vergangenheit zu sehen. Sein Hauptwerk bildete dabei eine Abschrift des Neuen Testamentes in verschiedenen mittelalterlichen Schriften auf 1248 Seiten Pergament, die er in 16-jähriger, unermüdlicher Arbeit schuf. Dabei mischte er sich seine Schreibtinte immer selbst nach Rezepturen aus dem Mittelalter, beherrscht lange vergessene mittelalterliche Vergoldungstechniken und fertigte auch seine Gänsekiele selbst. Die Zuhilfenahme des Computers lehnte Hirmer immer vehement ab: „Sobald man einen Buchstaben am PC tippt, ist er tot“, lautete seine Maxime. Die Ausstellung Die Ausstellung „Die faszinierende Welt der Kalligraphie“ wird am Montag, 10. September, um 19 Uhr im Neustadter Kloster eröffnet und läuft bis 30. September. Öffnungszeiten: montags bis freitags 20 Uhr, samstags 8–17 Uhr, sonntags 8–12 Uhr. Der Eintritt ist frei.