Neustadt
Ausblick: Was die Stadt Neustadt 2020 in Sachen Kultur bietet
Die Neuauflage des Neustadter Künstlersymposiums, allerdings unter völlig veränderten Rahmenbedingungen, stellt nach Auskunft von Kulturdezernent Ingo Röthlingshöfer (CDU) das wichtigste Sonderprojekt der städtischen Kulturabteilung im kommenden Jahr dar. Das Jugendfestival „Querfälltein“, das 2020 turnusmäßig eigentlich auch wieder anstünde, müsse wegen personeller Überlastung dagegen verschoben werden.
Neustadt. Das Künstlersymposium trägt den Titel „Art-X-Change 2020“ und findet von 14. bis 23. August in der Villa Böhm und deren Park statt. Anders als bei den vier Vorläufern 2008, 2011, 2014 und 2017 werden diesmal ausschließlich Künstler aus den Neustadter Partnerstädten eingeladen – je zwei aus Mâcon, Lincoln, Wernigerode, Mersin, Quanzhou und dem neuesten Zuwachs Echt-Susteren in den Niederlanden sowie aus dem amerikanischen Manchester, mit dem zwar keine Städte-, aber eine Schulpartnerschaft besteht. Ebenfalls neu ist, dass es sich diesmal bei den Teilnehmern nicht ausschließlich um bildende Künstler im engeren Sinne handelt – zugesagt haben unter anderem bereits der Modedesigner Laurent Crepeau und die Fotografin Emilie Fontaine aus Mâcon und der Schauspieler und Musiker Kieran Spiers und die Designerin Laura Malbutt aus Lincoln. Aus China sind Scherenschnittkunst und Holzschnitzerei angekündigt, aus Wernigerode Malerei und Grafik. Mit den Partnern in der Türkei, den Niederlanden und den USA läuft der Abstimmungsprozess noch.
Das Treffen steht dabei unter dem Motto „Freundschaft leben“, was nach Röthlingshöfers Worte idealerweise auch zu künstlerischen Kooperationsprojekten zwischen den Gästen führen soll. Um das zu fördern, werden auch alle zusammen in einem Ferienhaus in der Andergasse untergebracht. Einen künstlerischen Leiter, wie in der Vergangenheit, gibt es diesmal nicht. Jeder der Gäste erarbeitet in der Werkwoche ein künstlerisches Projekt, das am Abschlusswochenende bei einem großen Fest präsentiert wird. Dabei sollen auch ein Open-Air-Konzert am 22. August und ein Familientag mit acht Foodtrucks mit kulinarischen Angeboten aus den Partnerstädten am 23. August das Publikum anziehen. Parallel zum Künstlersymposium veranstalten die Volkshochschule und das Roxy-Kino ein Filmfestival mit Beiträgen rund um die Partnerstädte und -länder. Auch weitere Kooperationspartner, die sich noch einklinken wollen, seien sehr willkommen, so Röthlingshöfer.
Songs von Dylan und Cohen in der Alten Winzinger Kirche
Eine weitere Sonderveranstaltung hat die Stadt für 28. März in der Alten Winzinger Kirche geplant: Dabei präsentieren der Sänger David Maier, künstlerischer Leiter des Festivals „Jazz and Joy“ in Worms, der Schauspieler Boris C. Motzki (Staatstheater Mainz) und der Gitarrist Matthias Schärf (unter anderem „SWR1 Hits & Stories“) unter dem Titel „Democracy is coming“ Songs und Prosatexte der Musikerlegenden Bob Dylan und Leonard Cohen, darunter Ausschnitte aus Cohens erstem Roman „Das Lieblingsspiel“ sowie Passagen aus „Chronicles, Volume 1“, dem ersten Teil von Dylons Autobiografie.
Ansonsten werde die Neustadter Kulturabteilung 2020 keine größeren Projekte in Angriff nehmen, so Röthlingshöfer, auch das Jugendkulturfestival „Querfälltein“ nicht, das eigentlich alle zwei Jahre vorgesehen ist. „Das packen wir einfach nicht“, sagt der Bürgermeister und Kulturdezernent, der auch andeutet, dass die Rolle der Kultur in Neustadt derzeit ganz grundsätzlich neu verhandelt werde, etwa unter Gesichtspunkten des Stadtmarketings. Das „normale“ Programm wie die drei Abo-Reihen im Saalbau und Treppenhaus-Konzerte in der Villa Böhm läuft natürlich weiter. Die neue Saison startet hier im September und Oktober.
Selbstverbuchung in der Stadtbücherei startet im Januar
In der Stadtbücherei steht derweil die schon lange geplante Einführung des Selbstverbuchungssystems unmittelbar bevor. Die Gates sind bereits installiert, die Medien weitestgehend mit Chips versehen. Die Einführung ist für Anfang Januar geplant. Auch das Projekt zur Aufarbeitung der Neustadter NS-Vergangenheit liege im Zeitplan, so Röthlingshöfer. Die Präsentation der Ergebnisse ist für Dezember 2020 geplant. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte sieht der Kulturdezernent als ein Feld, mit dem sich die Stadt auch in Zukunft verstärkt beschäftigen müsse. „Wir werden zum Beispiel noch stärker über die Straßennamen diskutieren müssen“ und verweist auf das Vorbild von Freiburg im Breisgau, wo derzeit alle Straßennamen auf ihren historischen Kontext hin evaluiert werden.