Neustadt Auge in Auge in der Villa Böhm
«Hassloch/Neustadt.» Wenn am Freitag nächster Woche in der Villa Böhm das letzte „Treppenhauskonzert“ der Saison ansteht, wird die Symbiose aus Musik und Kunst, die die Reihe von jeher auszeichnet, noch ein bisschen weiter auf die Spitze getrieben. Denn die Haßlocher Bildhauerin Gabriele Köbler präsentiert dann einige ihrer unglaublich naturalistischen Frauenplastiken aus Beton, und darunter ist eine, die niemand anderen darstellt als die Hauptakteurin des Abends, die Sängerin Deborah Lee.
Es sei letztlich eine spontane Idee gewesen, nach der Anfrage des Neustadter Kulturamtsleiters Wolfgang Dinges, ob sie ein Konzert mit ihren Werken bereichern wolle, nicht einfach nur eine Auswahl aus ihren bereits bestehenden Arbeiten zu treffen, sondern eine ganz neue Plastik quasi exklusiv für diesen Anlass zu schaffen, berichtet Gabriele Köbler. „Deborah Lee kannte ich vorher nicht“, erzählt sie, doch sei sie von der exotischen Schönheit der Halbkoreanerin aus Mannheim, über die sie sich via Internet informierte, sofort begeistert gewesen. Junge, schlanke Frauen, die ein Geheimnis hinter ihrem in die Ferne gerichteten Blick zu verbergen scheinen, sind der bevorzugte Figurentypus der Künstlerin. Im Falle Deborah Lees stellten sich allerdings gleich zwei große Überraschungen ein – denn die Sängerin, die nach dem Erfolg ihrer ersten Single „(Refuse to be) Broken“ nun mit ihrer Solokarriere durchstarten will, war erstens gerade nach Köln umgezogen und zweitens hochschwanger. Trotzdem sagte sie Köbler spontan zu und kam im Dezember extra aus NRW nach Haßloch, um sich fotografieren und ausmessen zu lassen. Für Köbler war die Darstellung einer Schwangeren eine spannende Herausforderung, der sie sich gerne stellte. Dabei kamen ihr auch ihre Erfahrungen als frühere Krankenschwester zugute. „Schwangere Frauen haben ein ausgeprägteres Jochbein, auch der Nasenbogen ist anders“, stellt die 55-Jährige etwa mit Kennermiene fest. Für ihre Figur entschied sich die Künstlerin dann für eine Halbplastik, eine Form, die sie bislang noch nie gewählt hatte. Die praktische Ausführung freilich vollzog sich im Januar und Februar dann in der Art und Weise, die die seit 2004 freischaffend tätige Bildhauerin seit ihrer Ausbildung an der Kunstschule Villa Wieser in Herxheim immer weiter perfektioniert hat: Zuerst baut sie auf einem Eisenständer aus massivem Ton eine Positivform. Auf die werden Blechplättchen appliziert, um eine geschlossene Konturlinie zu schaffen, entlang derer sich später die Negativform teilen lässt. Den Modellgips trägt Köbler so dick auf, dass die Plättchen gerade noch zu sehen sind. Die Gipsnegativform wird nach dem Aushärten abgenommen und dann zunächst mit einer feinen, schließlich mit einer gröberen Zementschicht ausgekleidet. Ist auch die getrocknet, wird der Gips abgeschlagen, weshalb das Verfahren auch den Namen „verlorene Form“ trägt. Jede Plastik ist damit ein Unikat, was auch die individuelle Nachbearbeitung und die farbige Fassung noch unterstreicht. Die soll im Fall der Deborah-Lee-Figur aber recht dezent ausfallen. „Ich gehe inzwischen dazu über, mehr vom Material sichtbar zu lassen“, sagt Köbler. Deborah Lee ist am 19. Januar übrigens Mutter eines kleinen Sohnes geworden. Aktuell arbeitet sie an ihrem ersten eigenen Album. Davor stand sie als Background-Sängerin mit Künstlern wie Xavier Naidoo, Cassandra Steen oder auch dem 2004 verstorbenen „Hollies“-Sänger Carl Wayne auf der Bühne. Begleitet wird sie in Neustadt von dem englischen Pianisten und Sänger Simon Nicholls, der unter anderem festes Mitglied in der „Julia Neigel Band“ ist. Termin Das Treppenhauskonzert mit Deborah Lee & Simon Nicholls und der flankierenden Kunstausstellung von Gabriele Köbler findet am Freitag, 1. März, ab 20 Uhr in der Villa Böhm in Neustadt statt (Einlass ab 18.45 Uhr). Fingerfood und Getränke steuert das Weingut Sommer aus Hambach bei. Karten (18 Euro) gibt es unter www.ticket-regional.de, bei der Kulturabteilung der Stadt, Tabak Weiss und im Media-Markt.