Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Aufpassen und die Ohren spitzen – die Poetry-Slam-U 20-Landesmeisterschaft in der Heim’schen Sektkellerei

Acht Teilnehmer(innen) konkurrierten im Heim’schen Gewölbekeller um die Krone – das Foto zeigt die Mainzerin Tara Yasmin Heil.
Acht Teilnehmer(innen) konkurrierten im Heim’schen Gewölbekeller um die Krone – das Foto zeigt die Mainzerin Tara Yasmin Heil.

Elvin Jonas Klaas aus Klein-Winternheim bei Mainz holt sich den Titel.

Markus Becherer, der schlagfertige Moderator, machte es spannend: Erst nach einigen bewussten Verzögerungen gab er am Freitag in der Heim’schen Sektkellerei in Neustadt das Ergebnis der rheinland-pfälzischen Poetry-Slam-Landesmeisterschaft für die Unter-20-Jährigen bekannt; Nach zwei dritten Plätzen in den letzten beiden Jahren sicherte sich Elvin Jonas Klaas aus Klein-Winternheim bei Mainz den Titel und wird das Land nun bei den Deutschen Meisterschaften Ende Oktober in Chemnitz vertreten.

Der 20-jährige hatte nach eigenem Bekunden nicht mit dem Triumph gerechnet, doch für den gab es berechtigte Gründe. Der Student der Germanistik und Philosophie an der Universität Würzburg schaffte es in der Vorrunde zwar nicht, mit seinem Beitrag in der vorgegebenen Zeit von 6.30 Minuten zu bleiben, überzeugte aber trotzdem im bis auf den letzten Platz besetzten Gewölbekeller. „Ich dachte schon, das war es heute“, verriet er. Es kam aber anders. Nicht nur in der Vorrunde setzte er auf humorvolle Art Akzente, auch im Finale setzte er sich mit seiner Liebeserklärung an den Poetry-Slam durch – gegen Linus Linhof (Bingen) und die erst 15 Jahre junge Juliane Goldenbaum aus Landau.

„Herr Gerät mit seinem Hörgerät“

Klaas ist in der Szene kein Unbekannter. Mit seinen persönlichen, nachdenklichen, immer ganz eigenen Texten begeistert er schon seit einigen Jahren. Mit seinem Beitrag „Herr Gerät mit seinem Hörgerät“, bei dem er mit witziger Wortakrobatik und versierter Vortragskunst, schaffte er es aufs Siegertreppchen.

„Elvin hat es wirklich heute verdient, er war immer so nahe dran“, meinte der zweitplatzierte Linus Linhof, der ihn ebenso wie viele andere herzte. Poetry-Slam ist ein Wettkampf ohne Konkurrenzkampf, ohne gegenseitiges Ausstechen und Schlechtreden. Wie die meisten Slammer erwies sich auch Klaas als Schnellsprecher, man musste aufpassen und die Ohren spitzen. Mit dem Zeitlimit hatte aber auch Linhof seine Probleme. Auch er schrammte etwas an der Zielmarke vorbei, was ihm aber zumindest das Publikum nicht übelnahm. Die Startplätze in den beiden Vorrunden waren anfänglich ausgelost worden. In der ersten traten Xenia Kuhn (Wittlich), Tara Yasmin Heil (Mainz), Kathi Müller (Gönnheim) und Julia Goldenbaum (Landau), im zweiten Linus Linhof (Bingen), Elvin Jonas Klaas (Mainz), Caro Leikroth (Gau-Algesheim) und Leah Eisenbarth (Zweibrücken) an. Die Beiträge waren inhaltlich und im Ton sehr vielfältig: von bitterbös bis melancholisch, von Lebensängsten und Selbstzweifel bis zu holprigen Beziehungen und Gesellschaftskritik, mit derben Pointen oder leidenschaftlichen Appellen. Linus Linhof etwa behandelte kritisch die Entwicklung des technologischen Fortschritts und rief das Publikum auf, ernsthaft über Missstände nachzudenken und die Stimme dagegen zu erheben. „Ich bin mega zufrieden, denn ich hatte keine Erwartungen“, kommentierte der 19-Jährige, der erst seit Oktober letzten Jahres im Poetry- Slam unterwegs ist, seine Silber-Medaille.

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