Haßloch RHEINPFALZ Plus Artikel Auf Stippvisite in der Pfalz: Volker Strifler jammt im Saal Löwer mit der „Elville Blues Band“

Wahl-Amerikaner und in seiner neuen Heimat längst ein ganz Großer des Blues: Volker Strifler in Aktion in Haßloch.
Wahl-Amerikaner und in seiner neuen Heimat längst ein ganz Großer des Blues: Volker Strifler in Aktion in Haßloch.

Freundschaft ist das eine, Anerkennung das andere. Was sonst könnte einen Musikstar wie Volker Strifler dazu bewegen, nur um gemeinsam mit der „Elville Blues Band“ zu spielen, von Kalifornien aus über den großen Teich in die Pfalz zu jetten? Strifler, der in seiner Wahlheimat USA wahlweise mit Robben Ford, der „Ford Blues Band“ oder seiner eigenen „Volker Strifler Band“ auftritt, hat dem Quartett, das sich nach seiner Gründungsstätte Ellerstadt benannt hat, mit seiner Konzertteilnahme am Montag im mit neuer, besserer Soundanlage ausgestatteten Haßlocher Saal Löwer, schlichtweg eine große Ehre erwiesen.

Die „Elville Blues Band“ bestehend aus Gitarrist Tom Schaffert, Organist und Pianist Tom Karb, Bassist Frowin Ickler und Schlagzeuger Sam Sommer, lädt sich monatlich namhafte Gäste ein, mit denen sie innerhalb einer Woche jeweils drei bis vier Gigs an verschiedenen Orten absolviert. Die Gruppe spielt, wie auch Kollegen gerne anerkennen, qualitativ in der Oberliga und schafft es deshalb immer wieder, hochkarätige Vokalisten oder Instrumentalisten zur Sessionteilnahme zu bewegen. Beispiele aus der Vergangenheit sind unter anderem die Sängerin Jessica Born, der „Sohn Mannheims“ Kosho oder der Frontmann der „Hamburg Blues Band“, Gert Lange.

Nun also Volker Strifler. Der in Heidelberg geborene und aufgewachsene Sänger, Gitarrist und Komponist, tingelte in frühen Jahren mit verschiedenen Bands durch die Clubs der Kurpfalz und der amerikanischen Stationierungsstreitkräfte in Europa. Mit seiner aus den Vereinigten Staaten stammenden Frau siedelte er schließlich nach Kalifornien über, wo seine unglaublichen Fähigkeiten auf der Gitarre auch Größen wie den Ford-Brüdern nicht verborgen blieben. 1999 nahm er eine erste Langspielplatte und seine jahrelange Tätigkeit mit ihnen auf. Zwei Alben der von ihm parallel zusammengestellten „Volker Strifler Band“ folgten. Seine Verbindungen in die Kurpfalz ließ der Künstler aber nie abreißen. Bereit 2012, 2015 und 2018 spielte er, während Verwandtschaftsbesuchen in seiner alten Heimat, mit der „Elville Blues Band“ zusammen. Jetzt ist er sogar speziell nach Deutschland geflogen, bloß um vier Mal öffentlich mit seinen alten Freunden zu jammen.

Striefler zieht alle Register, auch als Sänger

Die wiederum überlassen Strifler den Großteil ihrer Einnahmen – nach den Konzerten lassen sie einen Hut rumgehen – um wenigstens dessen Reisekosten zu decken. Der Stolz, mit Strifler auftreten zu dürfen, war ihnen ins Gesicht geschrieben. „Sometimes I Wonder“ (Manchmal frage ich mich …) hieß einer der von Strifler geschriebenen Songs, die in Haßloch zu hören waren. Tom Schaffert, selbst ein überragender Gitarrist, ließ sich nach diesem Stück zu folgender Bemerkung hinreißen: „Sometimes I wonder, wie der Kerl es schafft so verdammt gut Gitarre zu spielen“.

Tatsächlich zog der 62-Jährige alle Register seines Könnens, nicht nur als Gitarrist, sondern auch als Sänger. Stimmlich konnte er es sogar wagen, einen Song von Tom Waits, „Down In The Hole“, ins Repertoire aufzunehmen, und sprachlich ist ihm nach fast vier Jahrzehnten USA ohnehin kein deutscher Einschlag mehr anzumerken. Seine wahre Größe zeigt sich aber erst, wenn er in die Gitarrensaiten greift. Ob Boogie wie „Wait A Minute“. Slow Blues im Stil von „I Smell Trouble“ oder – „ich mache auch immer gern etwas anderes“ – im Calypso-Sound zu „Redemption“, Strifler ist mit allen Wassern gewaschen.

Der Star lässt auch den Mitmusikern ihren Raum

Nichtsdestotrotz weigert sich der bodenständige Musiker, Allüren an den Tag zu legen. Während des Konzerts forderte er immer wieder die beiden Toms der „Elville Blues Band“, Tom Schaffert und Tom Karb, zu solistischen Alleingängen auf, was diese auch gerne taten. Sogar noch bei der Zugabe „Movin´ On“ schickte er Frowin Ickler für ein viel umjubeltes Bass-Solo an die Bühnenfront. Zusammen mit Schlagzeuger Sam Sommer freute er sich diebisch, wenn sie es gemeinsam schafften, die ungeprobten Stücke jedes Mal auf den Punkt genau zu Ende zu bringen.

Höhepunkte der Show entstanden, wenn Strifler, ab und zu auch auf der Slidegitarre, zweistimmig mit Tom Schaffert spielte, und die beiden, wie bei „In Your Arms“ einen Sound erschufen, der stark von der berühmten „Allman Brothers Band“ beeinflusst war. Heinz-Joachim Klein, der Vorsitzende der Bürgerstiftung Haßloch, der der Saal Löwer gehört, hatte schon im Vorfeld des Konzerts in seiner kurzen Begrüßungsrede prophetisch das Fazit des Abends gezogen: „Mit den Fußballfreunden, die heute nicht hier dabei sind, kann man eigentlich nur Mitleid haben. Sie versäumen magische Momente.“

Noch Fragen?

Wer das Konzert in Haßloch verpasst hat, hat in der Region in dieser Woche noch zweimal Gelegenheit: heute, Mittwoch, ab 20 Uhr im „Badehaisel“ in Wachenheim und morgen, Donnerstag, ab 20 Uhr im Kulturzentrum „Das Haus“ in Ludwigshafen. Der Eintritt ist jeweils frei.

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