Neustadt Auf der Suche nach Kontakten
Alaa Abara ist einer, der die Dinge anpackt. Elf Monate lebt der junge Syrer jetzt in Deutschland, sein Deutsch ist so gut, dass er sich ohne Probleme unterhalten kann. Er hat auch schon eine Arbeit, zurzeit noch als Praktikant, doch die Chancen auf einen Vertrag sind gut.
Abara hat das alles geschafft, obwohl er erst 21 Jahre alt ist und in seinem jungen Leben schon jede Menge übler Erfahrungen gemacht hat. Gefängnis in Syrien, Flucht, Verlust der Heimat. Seine Eltern hat Alaa schon fünf Jahre lang nicht mehr gesehen. Sie leben heute in Saudi-Arabien, während er selbst sich vor etwa eineinhalb Jahren über die „Balkanroute“ auf den Weg Richtung Europa gemacht hat. In nächtlichen Märschen schaffte er es gerade noch Ungarn zu durchqueren, obwohl das Land schon dabei war, seine Grenzen dicht zu machen. Jetzt also Neustadt. Die erste Zeit verbrachte Alaa in einem der Container in der Europastraße, inzwischen hat er eine eigene, kleine Wohnung. Die Anfänger-Deutschkurse übersprang er. „Das hab ich mir selbst beigebracht“, erzählt er. Inzwischen hat er das Niveau B2 erreicht, das beispielsweise für den Besuch einer Universität Voraussetzung ist. Noch fehlt ihm der offizielle Nachweis, aber bei Probeprüfungen hat er bereits 95 Prozent erreicht. Alaas Ziel: In Mannheim an der Universität Betriebswirtschaft zu studieren. Bis es soweit ist, will er sein Deutsch verbessern. Deshalb ist er durch ganz Neustadt gelaufen, um einen Job zu finden, bei dem er Kontakt zu Deutschen hat. In der „Brauchbar“ hat er schließlich einen Arbeitgeber gefunden, der ihm eine Chance gegeben hat. Auch bei der Tourist-Info kann er während des Weinfests mithelfen – beim Ausschank und als Übersetzer. Alaa Abara spricht neben arabisch und deutsch fließend englisch, ein wenig französisch und auch ein bisschen türkisch. Was er trotz all seiner Erfolge vermisst, sind Kontakte. Integration, so sagt er, könne doch nur funktionieren, wenn auf Seiten der Einheimischen Offenheit da sei. „Wie soll ich mich sonst integrieren?“, fragt er. Natürlich habe er viele nette, hilfsbereite Menschen kennen gelernt. Beispielsweise im Café Willkommen. Doch es seien doch immer wieder die gleichen Leute, sagt Alaa. Außerhalb bestimmter Kreise sei es schwierig, Kontakte zu knüpfen. „Die Menschen fahren überall hin, um Länder und Kulturen kennen zu lernen“, sagt er. Dabei könnten sie doch auch zuhause „reisen“, meint der Syrer. Sie könnten erfahren, wie die Menschen in seiner Heimat leben, wie sie denken und was sie essen. Ein bisschen mehr Offenheit, weniger Vorbehalte und Vorurteile: Das wünscht Alaa Abara sich am meisten hier. Und weil er einer ist, der die Dinge anpackt, ist er zur RHEINPFALZ gegangen, um auf diesem Weg Gehör zu finden. „Wir möchten gerne für eine Zeit hier in Deutschland Gäste sein“, erklärt er. Denn in seiner Heimat sei zurzeit kein Leben möglich. Der junge Syrer ist überzeugt: Wenn der Krieg irgendwann vorbei ist, werden die Menschen zurückkehren. „Wir lieben unser Land“, sagt er. Da aber dieser Tag wohl noch in weiter Ferne liegt, setzt Alaa Abara darauf, sich hier integrieren zu können. Von seiner Seite her sei die Bereitschaft dazu da. Er lächelt. „Ich mag Rieslingschorle und ich werde auch den Dialekt lernen.“ |kkr