Neustadt Ansehnlich, aber pflegeleicht soll’s sein

Vor allem Unkraut wuchert auf der ehemaligen Baustelle im Deidesheimer Schlossgraben.
Vor allem Unkraut wuchert auf der ehemaligen Baustelle im Deidesheimer Schlossgraben.

Zuversichtlich, im Schlossgraben westlich der Schlossstraße wieder „eine schöne Anlage hinzukriegen“, ist der Deidesheimer Stadtbürgermeister Manfred Dörr. Und zwar mit Hilfe von Bürgern, wie er bei einer touristischen Informationsveranstaltung sagte.

„Pflegeleicht und nicht überkandidelt“ soll die Anlage laut dem Bürgermeister werden. Die Grünanlage ist den Bauarbeiten während der Mauersanierung im Schlossgraben zum Opfer gefallen. Bäume mussten größtenteils entfernt werden, die Grünfläche und Hecken gingen bei den Arbeiten, für die auch Bagger eingesetzt wurden, drauf. Wie es später einmal aussehen sollte, darüber wurde kürzlich in einer Sitzung des Bauausschusses der Stadt diskutiert. Drei Varianten einer Landschaftsarchitektin und der Verwaltung wurden vorgestellt, etwa mit einem breiten Weg oder einem Rundweg. Die Bepflanzung solle jedenfalls ansehnlich sein, aber auch pflegeleicht. Denn die Stadt will die Folgekosten im Griff behalten. Eine interessante Variante ist laut Dörr eine Grünanlage, die auf Pflanzen mit weißen Blüten setzt. Ein „weißer Garten“, der sofort romantische Gefühle aufkommen lässt. Passen würde dies unter anderem für die vielen Hochzeitgesellschaften, die in Deidesheim wegen der beliebten Trauungen im historischen Rathaus zu Besuch sind. Drei kleine Brunnen im Sanierungsbereich sind nun wohl nicht mehr benutzbar. Wasser soll aber auch im neu angelegten Graben wieder sprudeln beziehungsweise fließen. Auch die technische Infrastruktur wie Leitungen für die Beleuchtung des Grabens ist wieder herzurichten. Die Varianten für die Parkanlage sollen laut Manfred Dörr bei einer kleinen Bürgerversammlung nach den Sommerferien vorgestellt werden. Der Bürgermeister erhofft sich davon weitere Anregungen und Hinweise. Bei der Anlage setzt die Stadt auch auf ehrenamtliches Engagement. Günther Dörr ist einer, der sich ehrenamtlich engagieren will. Als Stadtratsmitglied (FWG) weiß er um die finanzielle Lage der Stadt. „Man kann schließlich nicht nur von der Stadt fordern“, sagt er und will beim Kostensparen helfen. Wenn einmal feststehe, welches Konzept ausgewählt werde, könne man loslegen. Wahrscheinlich werde die Hauptarbeit im kommenden Jahr anfallen. Günther Dörr, Handwerker im Ruhestand, setzt darauf, Leute persönlich anzusprechen, ob sie sich nicht freiwillig beteiligen wollen. Eine Gruppe Ehrenamtlicher könnte so den Gärtnertrupp der Stadt unterstützen. Für den 66-Jährigen gibt es durchaus einen familiären Bezug zum Schlossgraben: Sein Vater Adam Dörr hat die Bürgerinitiative ins Leben gerufen, die in den 70er-Jahren den Park angelegt hat. Ein wichtiger Schritt vor dem Beginn der Arbeiten sei noch ein Abstimmungsgespräch mit dem privaten Eigentümer der nicht sanierten Mauer im nördlichen Teil des Schlossgrabens und der Denkmalbehörde, sagt der Stadtbürgermeister. Dort gebe es Schäden an der Mauerkrone. Diese müsse zumindest verkehrssicher hergerichtet werden. Wie mehrfach berichtet, wurde die historische Sandsteinmauer im Schlossgraben im vergangenen Jahr saniert. An vier schadhaften Stellen der südlichen Mauer wurden Stahlbetonplatten vor Ort gegossen und eingesetzt. Sie sollen den Druck auf die Mauer abfangen und diese vor Feuchtigkeit schützen. Vor diesen Platten wurden die Sandsteine der historischen Mauer wieder neu aufgebaut. In der Burggasse wurde für eine geordnete Entwässerung zum Kanalsystem gesorgt. Das verhindert künftig, dass Wasser aus der verlängerten Burggasse und von den angrenzenden Gebäudedächern unkontrolliert abfließt. Das Wasser hatte unter anderem dafür gesorgt, dass sich das Mauerwerk an mehreren Stellen bedrohlich in den Graben hinein gewölbt hatte. Der Schlossgraben und die Burggasse oberhalb des Grabens waren im April 2013 aus Sicherheitsgründen gesperrt worden. Saniert wurde auch die verlängerte Burggasse, die von der Brücke in der Schlossstraße aus oberhalb der Mauer in Richtung Westen führt. Der Weg ist wieder freigegeben worden. Es sind nach Auskunft Dörrs nur noch kleinere Restarbeiten dort zu erledigen, einige gerissene Pflastersteine zu ersetzen. Die ganze Maßnahme hat nach Auskunft des Stadtbürgermeisters über 600.000 Euro gekostet. Das muss ganz überwiegend aus dem Haushalt der Stadt finanziert werden. Es habe nur einen Zuschuss der Denkmalpflege von 50.000 Euro gegeben. „Ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Dörr dazu. Der Deidesheimer Stadtbürgermeister hofft, in der Sache zügig voranzukommen. Wenn die Anlage im Schlossgraben fertig sei, dann sei es auch möglich, den Brauch der Turmschreiberei wieder aufleben zu lassen, sagte Dörr. Möglichst solle das im kommenden Jahr wieder gelingen. Seit der Schlossgraben gesperrt war, konnte kein Autor dazu nach Deidesheim bestellt werden. Der mittelalterliche Turm, der offizielle Residenz und Schreibstube des Deidesheimer Turmschreibers ist, befindet sich genau im Teil des Schlossgrabens, in dem saniert werden musste.

Die Burggasse oberhalb des Schlossgrabens ist wieder begehbar.
Die Burggasse oberhalb des Schlossgrabens ist wieder begehbar.
x