Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Annette Postel kommt mit ihrem Tango-Programm in den Mußbacher Herrenhof

Gemeinsam mit dem Bandoneonisten Norbert Kotzan und dem Pianisten Bobbi Fischer legt Annette Postel in ihrem neuen Programm auge
Gemeinsam mit dem Bandoneonisten Norbert Kotzan und dem Pianisten Bobbi Fischer legt Annette Postel in ihrem neuen Programm augenzwinkernd eigene Texte auf bekannte Tangomelodien.

Oper, Jazz, Chanson und jetzt auch noch Tango? Aber klar, sagt Edenkobens Vorzeige-Allroundkünstlerin Annette Postel, die über eine Vier-Oktaven-Stimme verfügt, ein Gesangsstudium absolviert und auf zahlreichen Bühnen Rollen im klassischen Sopranfach gesungen hat, deren große Liebe aber der Parodie, dem Kabarett und manchmal auch dem puren Nonsens gilt.

Edenkoben/Neustadt-Mussbach. Mit einer gesunden Mischung aus all diesen Zutaten erzielte die 49-Jährige in den letzten Jahren große Erfolge. Selbst erarbeitete Programme wie „Ausziehn“, „Sing oder stirb – Operette sich, wer kann“ oder „Inteam“ ließen sie – laut Wikipedia – die „einzige deutschsprachige Operncomedienne (Opernsängerin mit Operncomedy, Musikkabarett und Opernparodie)“ werden. Auch mit lustig-hintersinnigen Texten, dargeboten zu bekannten Schlagern und Filmmelodien aus der Vorkriegszeit, vergrößerte sie die Schar ihrer Fans. Und nun, nachdem sie zum privaten Ausgleich schon 15 Jahre Tango tanzt, nimmt sie sich erstmals auch diese Musik, die ihren Ursprung in Argentinien hat vor und unterlegt sie mit neuen Worten. „Alles Tango oder was?“ heißt das aktuelle Programm, mit dem sie im Februar im Karlsruher „Tollhaus“ Premiere feierte und nun am Samstag auch im Herrenhof in Mußbach aufführt – als Topact des Kultursommer-Festivals „Gefühlte und gelebte Heimat“ (wir berichteten).

„Ich liebe Tango, den Tanz genauso wie die Musik“, berichtet Postel im RHEINPFALZ-Gespräch, „Tango ist sehr emotional und zaubert mir schöne Bilder vor die Augen. Ein klarer Vorteil, wenn, so wie in meinem Fall, die Spanisch-Kenntnisse leider ziemlich begrenzt sind.“ Inspiriert von den Bildern in ihrem Kopf entstanden so eigene Texte zu den Melodien – aus Lucio Demares bekanntem „Malena canta el Tango“ beispielsweise wurde „Malena kann kein Tango“. „Por una cabeza“ von Carlos Gardel heißt bei Postel nun „Um Haaresbreite“, und Astor Piazollas „Vuelvo al sur“ avanciert als „Zurück in den Süden“ zur Liebeserklärung an die Pfalz.

Postel schlüpft auch wieder in die Rolle ihres Alter Egos Carmen – diesmal als Toilettenfrau

Musikalisch begleiten lässt sich die Sängerin dabei von zwei der bekanntesten deutschen Tangospielern, Norbert Kotzan am Bandoneon, sonst mit der Gruppe „Bien Porteño“ unterwegs, und Pianist Karl Albrecht „Bobbi“ Fischer, ehemals „Tango Five“-Mitglied und heute Teil von „Berta Epple“. Sein Trio hat gerade den Kleinkunstpreis Baden-Württemberg gewonnen. Auch Postel und Kotzan wurde diese Auszeichnung schon zuteil. Tanzen wird die Edenkobenerin während der Vorstellung allerdings nicht. Ebenfalls mit von der Partie ist Carmen, diesmal in der Rolle der „Madame de Toilette“, die durch ihre manchmal sehr unbedarft wirkende Art, Fragen zu stellen ein Zwischending zwischen Moderatorin und Unterhalterin darstellt.

„Carmen ist mein Alter Ego, mit dem ich mich schon seit über 20 Jahren herumplage“, lacht Postel. „Sie ist eine Kunstfigur, ein wenig weltfremd, naiv und immer für einen guten Spaß zu haben. Als Putzfrau ist sie so etwas wie der bodenständige Gegenpol zur manchmal doch recht pathetischen Tangomusik“. Übrigens ist die Sache mit Carmen als Klofrau gar nicht so weit hergeholt. Tatsächlich läuft in Argentinien keine Milonga ohne eine solche. Die nützt dann die Gunst der Stunde und verkauft via Bauchladen von Zigaretten bis Schnürsenkeln alles, was der Tangoliebhaber braucht oder nach einem Gespräch mit ihr zu brauchen glaubt. „Argentinischen Tango in Deutsch mit komödiantischen Einschlag umzubauen ist gar nicht so einfach, deshalb habe ich schon bei der Auswahl der Instrumentalisten Wert darauf gelegt bundesrepublikanische Musiker statt südamerikanische anzuheuern“, berichtet Postel augenzwinkernd. „Argentinische Tango-Puristen hätten mich nämlich sicher wegen Schändung ihres Nationalheiligtums gesteinigt, wenn sie von meinem Vorhaben erfahren hätten.“ Nun, bisher hat sich aus diesen Kreisen noch niemand beschwert, und so dürfen sich die Besucher von „Alles Tango oder was?“ am Samstag auf eine stimmgewaltigen Sängerin freuen, die so blond ist wie einst Argentiniens ehemalige First Lady, Evita Peron.

Termin

Annette Postel ist am Samstag, 18. Mai, ab 20 Uhr mit ihrem Programm „Alles Tango oder was?“ in der Reihe „Kabarettissimo“ im Festsaal des Mußbacher Herrenhofs zu Gast. Karten (20/19 Euro) bei Tabak Weiss in Neustadt (06321/ 2942) oder der Papier-Schatulle in Mußbach (06321/60360).

Ein bisschen wie Evita Peron: Tango tanzt Annette schon seit 15 Jahren. Jetzt singt sie ihn auch. Foto: Postel
Ein bisschen wie Evita Peron: Tango tanzt Annette schon seit 15 Jahren. Jetzt singt sie ihn auch.
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