Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Annes Welt: Unsere Kolumnistin Anne Vogd beschäftigt sich heute mit dem Do-it-yourself-Wahn

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Eine Miss Do-it-yourself wird in Deutschland auch gewählt – Anne Vogd hätte da nach eigener Einschätzung aber wohl keine große Chance.

DIY – ist kein Sportprogramm, wie zum Beispiel HIT, was bekanntlich für High Intensity Training steht. Es ist auch kein Unisex-Parfum. Es steht für Do it yourself. Und ist derzeit der Megatrend.

Alles muss man selber machen! Ich bin mein eigener Onlinebanker, Stromableser, Bahnangestellter und meine eigene Kassiererin. Dabei will ich gar kein Selfie sein, das alles kann – auch wenn’s gerade angesagt ist. Ich bin nicht der Thermomix unter zivilisationsgeschädigten Menschen. Und dafür gibt es auch Gründe: Ich bin in vielem über alle Maßen völlig talentfrei und fühle mich durch diese „Do-it-yourselferung“ diskriminiert.

Dieser Performance Druck vor vermeintlich selbsterklärenden Parkautomaten, der immer im öffentlichen Versagen endet … Horror! Neulich erst ist es wieder mal auf dem Parkplatz der DB am Neustadter Bahnhof passiert. Und wenn sich dann morgens um acht noch eine Schlange von Pendlern hinter mir bildet, die meutert, anstatt eine Rettungsgasse für einen in Sichtweite das ganze beobachtenden Bahnangestellten zu bilden, der eiligst versucht, nicht herbei zu eilen – dann bin ich einem Nervenzusammenbruch näher als meinen eigenen Innereien.

Selbermachen war noch nie meins. So gut kann ich gar nicht versichert sein, als dass ich dabei unbeschwerte Freude empfinden könnte. Diese Erfahrung machte ich schon als Student, als mich das „Übel mit dem Dübel“ regelmäßig in Form von Bildern, Spiegeln und frei schwebenden Wandregalen überkam ….

Und eine Waschmaschine selber anschließen? Stundenlang hatte ich bei meinem letzten Umzug Tutorials geguckt. Alles andere war liegengeblieben. Aber was will man machen? Der Tag versaut sich schließlich nicht von alleine …. Wenn’s wenigstens von Erfolg gekrönt wäre.

Aber Tutorials sind ja per se der Running Gag des Alltags: Da „dieselt“ Dir auf Youtube eine Stimme mit diabolisch vorgetäuschter Zuversicht was von Schlauchschelle entgegen, während man Dir gleichzeitig zeigt, wie man es mit wenigen Handgriffen noch schlimmer macht. Zumindest in meinem Fall. Seit dem ersten Probelauf vor 15 Jahren ist mein Keller immer noch so feucht – würde ich da heute eine Mausefalle aufstellen, da wäre morgen eine Forelle drin.

Ich mag nichts Selbstgemachtes, was über einen Riesling-Schorle hinausgeht. Aber der Trend hält an: „Respekt, wer es selber macht“, heißt es in der Werbung eines Baumarktes. Und es geht ja noch weiter: Sogar medizinische Diagnosen soll man sich mittlerweile selber erstellen. Ich bin mal gespannt, wann man sich sein erstes OP-Besteck im Baumarkt kaufen kann, nachdem man sich auf Ada App via Symptomanalyse selber ein Magengeschwür diagnostiziert hat. Sind das die Doktorspiele von heute? Man sitzt vor seinem PC und auf dem Bildschirm erscheint ein Online-Doc, der einen bei der OP anleitet? Vielleicht?

Aber dann sollte man sich wenigstens ein Portal aussuchen, das nicht von einem Pharmakonzern gesponsert wird. Nicht dass der Bildschirm-Doc auf einmal fragt: „Haben Sie die Magensonde geschluckt? … Gut, dann bin ich gleich nach der Werbung wieder für Sie da. Unten rechts können Sie derweil meine Rechnung downloaden.“

Die Kolumne

Die Deidesheimerin Anne Vogd stieg 2016 aus der Textilbranche aus und in die Comedy ein. In der Rubrik „Annes Welt“ veröffentlichen wir regelmäßig, was der 53-Jährigen so durch den Kopf geht.

Unsere Kolumnistin Anne Vogd, Kabarettistin und Buchautorin aus Deidesheim. , Foto: frei
Unsere Kolumnistin Anne Vogd, Kabarettistin und Buchautorin aus Deidesheim. ,
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