Deidesheim
Annes Welt: Der Phrasenmäher im Einsatz
Aber man muss den Umgang mit Metaphern und Sprichwörtern schon auch üben. Es ist noch kein Meister Proper zum Friseur gegangen. Also nicht den Sand in den Kopf stecken, besser spät als zu früh damit anfangen. Und vor allem Ruhe bewahren: In der Truhe liegt der Saft. Sonst ist Hoffnung und Schmalz verloren.
Und nicht immer alles auf die bare Münze legen! Ja, ja, knapp dabei ist auch daneben. Ich weiß. Wenn mein Gegenüber mal wieder dem linguistischen Tod vor die Schippe springt und ich geneigt bin, zu denken „Hört der sich selbst nicht reden … ist der etwa staubdumm“ und dann kurz davon bin, aus der Reihe zu fahren, dann schlagen in meinem Herzen zwei Brüste. Sag ich was? Nein, ich danke lehnend ab, denn: Wer im Steinhaus sitzt, sollte nicht mit Glas werfen. Merkt ihr selber, ne…? Also einfach mal die Küche im Dorf lassen.
Aber Vorsicht: So eine bildhafte Sprache ist auch manchmal ein zwei-schneidiges Pferd. Neulich hüpfte mein Mann morgens aus dem Bett und flötete mir, einem leidenschaftlichen Kissenkosmonauten, ins Ohr: „Der frühe Vogel fängt den Wurm.“ Soll heißen: Frühaufsteher haben Erfolg. Hä? Und der frühe Wurm? Dachte, er wäre diszipliniert und … wurde gefressen. Der späte lebt noch!!! Und hat wenigstens ausgeschlafen … Also, Fake News, oder? Oma meinte mal: Männer, die lügen, haben kurze Beine. Stimmt aber auch nicht. Die von meinem sind so lang wie der Kassenbon vom Rossmann, wenn du nur einen Kaugummi gekauft hast. Also am besten immer genau überlegen, wo so eine Metapher passt, denn: Es ist nicht alles Holz, was glänzt.
Die Kolumne
Die Deidesheimerin Anne Vogd stieg 2016 aus der Textilbranche aus und in die Comedy ein. In der Rubrik „Annes Welt“ veröffentlichen wir regelmäßig, was der 60-Jährigen durch den Kopf geht. Noch mehr Humor von Anne Vogd finden Sie auf Instagram: @annevogd.