Neustadt Angekommen in der Heimat
«Deidesheim». „Entwurzelt | Verwurzelt – Ein israelisches Tagebuch“ nennt Yehudis Jacobowitz ihre Sammlung autobiografischer Geschichten, die von den kleinen Alltäglichkeiten und Herausforderungen zwischen Gesellschaft, Religion und Politik ihrer amerikanisch-deutsch-israelischen Familie erzählen. Am Samstag stellt die Autorin das Buch auf Einladung des „Freundeskreises ehemalige Deidesheimer Synagoge“ im Verbandsgemeinderathaus in Deidesheim vor.
Yehudis Jacobowitz, 1970 als deutsche Jüdin in München geboren, verließ Deutschland 2006, um zusammen mir ihrem Mann, dem amerikanischen Marimbaphonisten Alex Jacobowitz, der im Dezember ebenfalls einen Auftritt in Deidesheim hatte, und ihren beiden Kindern ein jüdisches Leben in Israel zu beginnen. Die ausgebildete Graphikerin und bildende Künstlerin sieht sich als „modern-orthodoxe Jüdin“ und betont wie wichtig es ihr war, ihren Kindern eine jüdische Identität und Heimat zu geben. In ihrem Buch beschreibt sie die Schwierigkeiten und Herausforderungen, aber auch die vielen Glücksmomente des Neuanfangs und spricht auch über die großen Gegensätze in ihrer neuen Heimat – ebenso wie über die Gründe, die sie zur „Alija“, der Auswanderung nach Israel, bewegten. Das Buch basiert dabei auf den Tagebucheintragungen, mit denen Jacobowitz Tag für Tag ihre Gefühle und Erfahrungen verewigte – um sich so mit ihnen auseinanderzusetzen. Sie beschreibt es als „kleine Reflexion über Unterschiede und Gemeinsamkeiten eines Lebens zwischen inneren Sehnsuchtsorten“. In dem Buch setzt sie sich auch immer wieder mit Fragen auseinander, so wie es jüdische Kinder als erste religiöse Pflicht lernen, am ersten Abend von Pessach, dem Seder-Abend, die vier bedeutsamen Fragen zu stellen wie „Warum ist diese Nacht anders als andere Nächte?“. Daraus entstand eine grafisch illustrierte Fragen-Serie, die im Buch „Mein Israel / Tag für Tag“ genannt wird und zum Beispiel die Frage „Wie geht`s Dir?“ mit farbigen Handgranaten bebildert. Im Text erläutert Jacobowitz den Hintergrund, denn die Antwort auf die so harmlos erscheinende Frage soll dem Sicherheitspersonal in Israel Aufschluss über einen hörbaren Akzent des Sprechenden geben. Mit diesem „Ethnic Profiling“ will man eine mögliche Bedrohung ausschließen. Yehudis Jacobowitz lebt als Graphikerin, Designerin und Dozentin in Jerusalem. Sie entwickelt innovative jüdische Designprodukte. Auch die Darstellungen im Buch stammen von ihr selbst. Durch die vielen großen Illustrationen, die sich über Doppelseiten erstrecken, ist es ein sehr künstlerisches Buch, das zum Anfassen verführt und die Sinne anspricht. Termin Yehudis Jacobowitz liest am Samstag, 5. Mai, um 19 Uhr im Ratssaal des Verbandsgemeinderathauses in Deidesheim aus ihrem Buch „Verwurzelt / Entwurzelt – ein israelisches Tagebuch“ (Hidur Design Works, Hardcover, 140 Seiten, 34,90 Euro). Eintritt ist frei. Die Autorin stellt das Buch am gleichen Tag auch vor Schülern der IGS Deidesheim vor.