Haßloch RHEINPFALZ Plus Artikel Andechser Bierfest: Ausgelassene Stimmung und Diskussion um Bierpreis

Trinken gerne das dunkle Andechser – egal ob im großen oder im kleinen Krug: Malwina Kerbel und Michael Glück.
Trinken gerne das dunkle Andechser – egal ob im großen oder im kleinen Krug: Malwina Kerbel und Michael Glück.

Viertes September-Wochenende heißt: Andechser Bierfest in Haßloch. Nach den Corona-Einschränkungen und der Aufregung um das Eintrittsgeld im vergangenen Jahr sollte jetzt wieder ganz unbeschwert gefeiert werden. Ob die Rechnung aufging? Immerhin war die Maß mit zehn Euro so teuer wie noch nie.

Die offizielle Eröffnung des Andechser Bierfestes am Freitag startete im doppelten Sinn feucht. Pünktlich nach dem Böllerschuss öffnete der Himmel seine Schleusen. Als um 19 Uhr dann mit dem traditionellen Fassanstich „O’zapft is!“ im Festzelt auf dem Jahnplatz der Gerstensaft aus dem Kloster Andechs in die Maßkrüge fließen konnte, war der Schauer draußen wieder vergessen. Jetzt sollte es gemütlich werden, zumal gleich viele Gäste kamen. „Guter Besuch“, so lautete übereinstimmend die Einschätzung der Standbetreiber auf dem Rathausplatz.

Am späten Samstagnachmittag war der Besucherandrang dagegen sehr verhalten. Viele Familien mit Kindern und Großeltern mit ihren Enkeln waren unterwegs. Auf dem locker besetzten Rathausplatz unterhielten „Die Mackenbacher“ mit schwungvoller Blasmusik die Gäste, auf der RPR1-Bühne in der Leo-Loeb-Straße präsentierte DJ Thomas Schlager. Zwei älteren Damen war das alles zu laut, aber sie hatten am Donnerstag bereits beim „Nachmittag für Junggebliebene“ im Zelt eine vergnügliche Zeit verbracht, wie sie erzählten. Daher überraschte ihr Wunsch auch nicht: wieder mehr Veranstaltungen für Senioren. Dann zogen sie weiter – zum Gottesdienst „uff pälzisch“ in der Lutherkirche.

Eine Familie kam dagegen nur kurz zur Dorfmitte. „Wir wollten etwas essen. Alles kostet sehr viel Geld, gerade die Getränke und insbesondere das Bier sind teuer“, sagte der Vater. Er ergänzte: Die Qualität seiner Wurst sei nicht gut gewesen, „die Feuerwurst war nicht einmal scharf“. Der zwölfjährige Sohn Bastian war enttäuscht, dass es kein Riesenrad gab, sondern nur Fahrgeschäfte für die Kleineren. „Ich wollte Dosenwerfen, aber alles ist sehr teuer.“ Gemeinsam beschlossen sie daher, lieber einen gemütlichen Abend zu Hause zu verbringen.

„Trinken ein Bier weniger“

Überhaupt: Die Preise waren immer wieder Thema. „Überall ist es teurer geworden. Wir treffen uns mit Freunden, freuen uns auf einen geselligen Abend und die Live-Musik. Und trinken eben ein Bier weniger“, so die pragmatische Einstellung eines Mannes Ende 50. Im Gespräch bemängelten andere Besucher, dass es weniger Stände gebe als früher.

Bierfestkönigin Eve-Kathrin Münster-Grimm (rechts) und ihre Prinzessin Emelie Franke. Münster-Grimm folgt auf Franziska Werner u
Bierfestkönigin Eve-Kathrin Münster-Grimm (rechts) und ihre Prinzessin Emelie Franke. Münster-Grimm folgt auf Franziska Werner und wird die Gemeinde nun ein Jahr lang repräsentieren.

Trotz allem: Das Festgelände füllte sich am Samstagabend rasch. Insbesondere vom Bahnhof her kamen immer wieder größere Gruppen. Außerdem waren viele Autos im Ort mit Kennzeichen aus der weiteren Umgebung zu sehen – alle auf der Suche nach dem perfekten Parkplatz. Auf vier Bühnen wurde Musik geboten.

Das Festzelt war am Samstagabend rappelvoll. Die Stimmung war ausgelassen, Menschen feierten auf Tischen und Bänken. Andere hatten einen Sitzplatz im Biergarten ergattert. Bier wurde überwiegend aus den kleineren Krügen konsumiert. Später am Samstagabend gab es sogar Schorle aus Biergläsern, weil es keine Weingläser mehr gab, berichteten die Besucher. „Das Fest ist gut besucht“, sagten Sascha und Alex. Aber früher sei am Samstagabend eigentlich kaum ein Durchkommen gewesen, das sei in diesem Jahr noch gut möglich. Die beiden 30-Jährigen hatten noch eine Anregung: eine größere Auswahl an alkoholfreien Getränken. „Es gibt mittlerweile gute alkoholfreie Weine, Biere oder Cocktails. Für alle, die noch fahren müssen oder auf Alkohol verzichten wollen.“

Am Sonntag lockte das schöne Wetter dann gleich zur Mittagszeit viele Besucher aufs Festgelände und zum Stöbern auf den Flohmarkttischen. Für ein Fazit sei es zu früh, sagte eine Mitarbeiterin der Tourist-Info am Sonntag auf Anfrage: „Mit allen Verantwortlichen wird in den nächsten Wochen eine umfassende Nachbetrachtung erfolgen.“ Denn für die Organisatoren ist klar: Nach dem Andechser ist vor dem Andechser.

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