Neustadt An ihren Hüten sollt ihr sie erkennen
Besucher des Maikammerer Kalmitbades kennen die fidele Damenschar, die im Schwimmbad Hüte trägt, schon lange. Da das Kalmitbad derzeit aber wegen Sanierung geschlossen ist, werden auch die Gäste anderer Bäder in der Region sie kennenlernen. Die Frauen, die überwiegend zur Generation 50 plus gehören, tragen bunt gemusterte, liebevoll geschmückte Stoffhüte, passend zum jeweiligen Badeanzug.
„Jeder Hut ist ein Unikat“, betont Pia Pfeiffer. Die Altdorferin hat die Hüte genäht, 170 sind es inzwischen, und von ihr stammt auch die Idee zu den individuellen Kopfbedeckungen. Sie gehe schon seit vielen Jahren regelmäßig in Maikammer schwimmen, erzählt Pfeiffer. „Aber Bademützen stehen mir nicht.“ So kam sie irgendwann auf die Idee, sich einen Badehut zu nähen. Ein Hemd ihres Mannes musste daran glauben. „Als ich mit dem Hut ins Bad kam, hat jeder geguckt“, erinnert sich Pia Pfeiffer. „Plötzlich hatte ich auch einen Hut“, erzählt Anni Federmann aus Maikammer. „Ich auch“, „ich auch“, schallt es vielstimmig aus der lebhaften Damenrunde. „Plötzlich ist sie gekommen und hat mir einen Hut gegeben“, erinnert sich Marianne Treichel aus Edenkoben. Pfeiffer hatte Spaß am Nähen der Hüte gefunden. „Und alle, die sympathisch sind, haben einen Hut bekommen“, verrät die Edenkobenerin Heidelore Keim-Nolzen. Die Kopfbedeckung passte jeweils zum Badeanzug der Beschenkten. „Ich schaue mir die Badeanzüge an. Dann zerschneide ich Kleidungsstücke oder besorge mir passenden Stoff“, erzählt Pfeiffer. Jeder Hut wird individuell verziert, mit Bändern, Schnallen, Spitze oder anderem Zierrat. „Sie ist immer mehr zu Hochform aufgelaufen“, berichten die Neustadterin Charlotte Bomke und die Maikammererin Irmgard Groß. Etwa 15 Stunden brauche sie für einen Hut, sagt Pfeiffer. Sie und die Edenkobenerin Monika Braun tragen ihre Hüte im Wasser. Deshalb sind diese aus wasserdichtem Stoff und werden mit einem Band unterm Kinn festgebunden. Die anderen Frauen haben die Hüte auf dem Kopf, wenn sie im Schwimmbad sind und manchmal auch zu anderen Gelegenheiten. „Wir kennen uns alle aus dem Kalmitbad“, berichten Karin Moll aus St. Martin und Irmgard Groß. Die Frauen sind alle seit Jahren Stammgäste im Maikammerer Bad. „Einige sind täglich, andere mehrmals die Woche da“, erzählt Treichel. „Wenn ich im Wasser war, habe ich an den Hüten auf dem Gelände gesehen, wer da ist“, berichtet Pia Pfeiffer. Etwa 40 Frauen und einige Männer gehören zur „Hutgruppe“, außerdem haben alle Kalmitbad-Mitarbeiter ein Hut-Unikat. Größer soll der Kreis nicht werden. „Wenn jetzt noch jemand einen Hut will, dann lehnen wir ab“, sagt die Maikammererin Margret Stenersen. Dass Pfeiffer trotzdem 170 Schwimmbad-Hüte geschneidert hat, liegt daran, dass inzwischen fast jede der Frauen mehrere besitzt. Wenn ein neuer Badeanzug gekauft wird, gibt es auch einen neuen Hut. Monika Braun hat 2011 kurz vor Ende der Freibadsaison per Zettel im Kalmitbad alle Hutbesitzerinnen zu einem Treffen eingeladen. Es war der Auftakt zu geselligen Treffen außerhalb des Bades, bei denen die munteren Schwimmbadfrauen fröhlich feiern. Auch Männer dürfen dabei sein. Gefeiert wird auch immer der Beginn und das Ende der Freibadsaison. Außerdem werden alljährlich Schwimmbadkönigin und –könig gewählt. Irmgard Groß und Monika Braun haben Gedichte und Lieder über die Hutfrauen geschrieben. Traurig sind die fröhlichen Schwimmbadfrauen darüber, dass in diesem Jahr ihr Kalmitbad wegen einer Komplettsanierung geschlossen ist. Sie wollen sich zumindest gelegentlich in Bädern der Umgebung treffen, natürlich mit Hut. Und im kommenden Jahr wollen alle wieder mit Hut im Kalmitbad sein. (ann)