Neustadt An 140 Tagen 180 Notarzt-Einsätze

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180 Notarzt-Einsätze waren in der Verbandsgemeinde Lambrecht zwischen 1. August und 18. Dezember 2014 erforderlich. Die Regelung, dass die drei in der Verbandsgemeinde ansässigen Notärzte während der Woche den Dienst abdecken, sei „extrem belastend“, sagt der Ärztliche Leiter Notarzt, Benny Benker.

Ein Förderverein könnte zur Entlastung der Notärzte Hartmut Bauer, Michael Klein und Manfred Reiber beitragen, so Benker. Verbandsbürgermeister Manfred Kirr will dagegen durch Druck auf die Krankenkassen erreichen, dass diese mehr Geld zur Verfügung stellen. Wie mehrfach berichtet, war 2013 die Versorgung der Verbandsgemeinde Lambrecht mit einem eigenen Notarzt eingestellt worden. Der Notarzt, der Dienst für Neustadt, Haßloch und Teile der Verbandsgemeinde Deidesheim hat, war auch für die Verbandsgemeinde Lambrecht zuständig. Nach harten und langen Auseinandersetzungen wurde erreicht, dass die Verbandsgemeinde seit 1. August 2014 wieder einen eigenen Notarzt hat. Die Krankenkassen als Kostenträger stellten 160.000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Da dieses Geld nicht für die Bezahlung eines Notarztes rund um die Uhr reicht, erklärten sich Bauer, Klein und Reiber bereit, 52 Stunden pro Woche den Notarztdienst kostenlos zu übernehmen. Und nicht nur das, die drei Ärzte müssen den Notarztwagen selbst fahren und rücken ohne Rettungsassistent zum Einsatz aus. Diese Regelung sei für die drei Ärzte wegen der starken Belastung „definitiv nicht lange haltbar“, sagt Benker. Dies aus mehreren Gründen. So sei es sehr anstrengend, neben der Arbeit in der Praxis Notarzteinsätze zu fahren. Das gehe auch zu Lasten der Patienten, die lange warten müssten, wenn der Doktor schnell zu einem Notfall müsse. Wie hoch der Bedarf an einem Notarzt in der Verbandsgemeinde Lambrecht sei, zeige sich daran, dass an den 140 Tagen zwischen 1. August und 18. Dezember 180 Einsätze erforderlich waren, so Benker. Die Regelung, dass die drei Notärzte aus der Verbandsgemeinde das Notarzt-Fahrzeug selbst fahren müssten, sei eine zusätzliche starke Belastung, betont Benker. Zudem müssten die Ärzte viel Zeit dafür aufbringen, um das Fahrzeug hin- und herzutransportieren, wenn sie sich bei der Notarzt-Bereitschaft abwechseln. Bauer und Klein haben ihre Praxen in Lambrecht, Reiber in Weidenthal. Zeit koste teils auch der Rücktransport des Fahrzeuges nach Einsätzen, bei denen der Notarzt den Patienten im Krankenwagen in das Krankenhaus begleiten muss. Auch werde die Erstversorgung der Patienten erschwert, wenn der Notarzt allein am Einsatzort sei, nicht gleich von einem Rettungsassistenten unterstützt werden könne. „Das alles ist eine Riesenbelastung, und der Leidensdruck bei den drei Kollegen ist hoch“, weiß Benker. Trotzdem haben die drei Ärzte bis 18. Dezember insgesamt nur zehn Stunden ihrer Bereitschaftsdienste an externe Ärzte abgegeben, wie Kirr berichtet. Für solche Fälle hat die Verbandsgemeinde Lambrecht 16.900 Euro pro Jahr zur Verfügung gestellt. Denn externe Ärzte bekommen 25 Euro pro Stunde. Für Vertretungen müsse zusätzlich ein Rettungsassistent des Roten Kreuzes organisiert werden, berichtet Benker. Denn die externen Ärzte kennten sich in der Regel in der Verbandsgemeinde Lambrecht nicht so gut aus wie ihre dort seit Jahrzehnten ansässigen Kollegen. Durch die Gründung eines Fördervereins könnte man seine drei Kollegen entlasten, ist Benker überzeugt. Ein Förderverein könnte mit Spenden und Aktivitäten Geld sammeln, das für zusätzliche Dienste durch externe Ärzte, für den Einsatz von Rettungsassistenten und in Ausnahmefällen auch einmal für einen höheren Stundensatz für einen externen Notarzt verwendet werden könnte. Weil der Stundensatz von 25 Euro unter dem Durchschnitt liege, sei es gerade an Feiertagen nicht immer einfach, einen Notarzt zu finden, der bereit sei, in der Verbandsgemeinde Lambrecht Dienst zu machen, berichtet Benker. In der Weihnachtszeit habe sich für zwei Dienstphasen kein Notarzt gefunden. Wie Benker berichtet, habe er Kirr gebeten, dass in solchen Ausnahmefällen aus dem von der Verbandsgemeinde zur Verfügung gestellten Geld ein höherer Stundensatz gezahlt werden könne. Das sei abgelehnt worden. „Wir haben uns das lange überlegt“, sagt Kirr. Doch wenn bekanntwerde, dass für einzelne Dienste ein höherer Stundensatz gezahlt wird, werde dies häufiger gefordert. „Angesichts dessen, dass unsere Ärzte umsonst Notdienst übernehmen, sind wir nicht bereit für andere mehr zu zahlen“, sagt Kirr. Kirr ist zwar nicht grundsätzlich gegen einen Förderverein, doch derzeit lehnt er eine Gründung ab. Er wolle erst versuchen über „politischen Druck auf die Kostenträger“ zu erreichen, dass diese mehr Geld zur Verfügung stellen. Die hohen Einsatzzahlen zeigten, dass in der Verbandsgemeinde ein großer Bedarf an einem Notarzt bestehe. „Wir wollen, dass die Kostenträger mehr zahlen, wir wollen nicht schlechter behandelt werden als andere Orte“, sagt Kirr. Wenn ein Förderverein einen Teil der Kosten übernehme, sehe er keine Chance mehr, bei den Krankenkassen etwas zu erreichen. „Denn dann wird argumentiert, es geht doch“, befürchtet Kirr. (ann)

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