Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Am Sonntag wird am Jahnplatz gesprengt

Ein Spezialbagger wird bereits jetzt am Jahnplatz eingesetzt, weitere könnten folgen.
Ein Spezialbagger wird bereits jetzt am Jahnplatz eingesetzt, weitere könnten folgen.

Am Jahnplatz in Lachen-Speyerdorf ist wieder ein Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden – das zweite binnen weniger Tage. Für Anwohner kann das einen ungewöhnlichen Sonntag bedeuten.

Es ist keine Bombe, aber immerhin eine ursprünglich gut 20 Zentimeter lange Gewehrgranate, an der sichtlich der Zahn der Zeit genagt hat. Über Jahrzehnte lag sie in Lachen-Speyerdorf im Untergrund – dort, wo vor allem Sport getrieben wurde, bevor die Anlagen in den neuen Sportpark Lilienthal umzogen. Am Donnerstag wurde die Gewehrgranate gefunden, am Sonntag wird das Kampfmittel am Ort gesprengt, weil es nicht transportiert werden kann.

Bevor auf dem Gelände am Jahnplatz gebaut wird, müssen die rund fünf Hektar Fläche auf Altlasten untersucht werden. Altlasten bedeutet dabei vor allem Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg. Von der Stadt beauftragt ist die Kampfmittelerkundung Provisys aus dem Landkreis Karlsruhe. Eine Leuchtrakete war ihr erster Fund – diese konnte vom Kampfmittelräumdienst Rheinland-Pfalz direkt abgefahren werden. Mit der Gewehrgranate funktioniert das nicht.

Eigens für Waffen-SS

Genau gesagt, handelt es sich um eine SS Gewehrgranate 46, wie ein Mitarbeiter der Provisys GmbH erklärt. Sie wurde speziell für die Waffen-Schutzstaffel der Nationalsozialisten gebaut und hatte eine stärkere Wirkung als herkömmliche Exemplare. Die mit dem Gewehr abgeschossenen Granaten sollten harte Ziele durchschlagen können, beispielsweise einen Panzer.

Über 75 Jahre später haben nun die Lachen-Speyerdorfer und die Stadtverwaltung damit zu kämpfen, ebenso die Technische Einsatzleitung für den Katastrophenfall, zu der auch Feuerwehr, DRK und Technisches Hilfswerk gehören. Am Donnerstag tagte sie ab 20 Uhr in der Hauptfeuerwache, um eine Strategie für den kommenden Sonntag auszuarbeiten.

Seniorenheim mit dabei

Klar ist bislang: In einem Radius von 300 Meter Luftlinie muss rund um die Fundstelle evakuiert werden. Welche Straßen und Hausnummern und damit welche Anwohner genau betroffen sind, soll am heutigen Freitag bekanntgegeben werden. Die Menschen sollen dann am Sonntagmorgen ihre Häuser und Wohnungen verlassen; die Sprengung ist vom Kampfmittelräumdienst auf 11 Uhr festgesetzt worden.

Die Experten haben nicht darauf bestanden, sofort zu handeln; damit ist genügend Zeit, um die Evakuierung vorzubereiten. Denn wie Oberbürgermeister Marc Weigel auf Anfrage mitteilte, zählt das Seniorenheim Haardtblick in der ehemaligen Edon-Kaserne auf jeden Fall zu den Gebäuden, die in den 300-Meter-Radius fallen. Daher gewinnt das Corona-Notkrankenhaus der Stadt nun eine ganz neue Bedeutung: Es wurde bei den Diakonissen in Lachen-Speyerdorf eingerichtet, liegt sozusagen in direkter Nachbarschaft. Dort sollen die Bewohner des Haardtblicks am Sonntag vorübergehend untergebracht und versorgt werden.

Verzögert sich Erschließung?

Mit dem jüngsten Fund könnte sich um Baugebiet am Jahnplatz nun mehr Fläche von einer Verdachts- in eine Räumfläche verwandeln, vor allem an den Rändern, wo nach dem Zweiten Weltkrieg mit Schutt jeder Art aufgefüllt worden war. Bei einer Räumfläche wäre das zwingend notwendig, was nach dem ersten Fund ohnehin schon freiwillig in die Wege geleitet worden war. Der Aushub erfolgt schichtweise, wird magnetisch behandelt und dann gesiebt. Dazu müssen immer Experten mit dabei sein – und sprenggeschützte Bagger.

Die Frage ist, inwieweit sich damit die Erschließungsarbeiten am Jahnplatz verzögern könnten. Rund 45 Tage waren für die Kampfmittelerkundung kalkuliert, was die Stadt knapp 80.000 Euro kosten sollte. Um das einzuhalten, müssen vermutlich mehr Experten und auch mehr als ein sprenggeschützter Bagger eingesetzt werden.

Die SS Gewehrgranate 46, im Urzustand etwa 20 Zentimeter lang und ein knappes Pfund schwer.
Die SS Gewehrgranate 46, im Urzustand etwa 20 Zentimeter lang und ein knappes Pfund schwer.
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