Neustadt Am Rande der Bande:
Mit einer guten Tat startete der Tennisclub Deidesheim in seine neue Saison: Ehe die 34 Kinder ihr Tennis-Sportabzeichen vor den Augen der frischgebackenen Senioren-Europameister Sven Weidemann und Wolfgang Gimbel bekamen, übergab Jugendleiterin Birgit Dworschak-Kepler Joseph-Didier „Joe“ Onohiol zahlreiche alte Tennisschläger, Schuhe und Sportbekleidung. Er hat 2013 das Projekt „Tennis für alle in Afrika“ aus der Taufe gehoben und wird von den Tennisvereinen in der Region unterstützt (wir berichteten bereits im März 2014 in „Am Rande der Bande“). Der Trainer, der aus einem Viertel in Douala in Kamerun stammt, der als Balljunge begonnen, unglaubliches Tennistalent bewiesen und den die Liebe nach Deutschland gebracht hat, hat seine Heimat nicht aus den Augen und dem Herzen verloren. Seit zehn Jahren fährt er alle zwei Jahre in den Herbstferien nach Hause – um Tennis zu spielen mit Kindern, deren Eltern sich niemals einen Schläger leisten könnten. Von Trainerstunden ganz zu schweigen. Die Tenniscamps in und um die Stadt Douala finden auf sandigen Schulhöfen statt, Netze werden zwischen Bäumen und Gestellen gespannt. „Mein Bruder Jean-Jacques organisiert die Veranstaltungen vor Ort, interessierte Schulen können mit ihm Kontakt aufnehmen“, erzählt Onohiol, den alle nur Joe nennen. Viele Kinder kennen Tennis, wenn überhaupt, nur aus dem Fernsehen, berichtet er weiter. Es sei ein Sport für Reiche. Wer Glück habe, ergattere einen Job als Balljunge. So wie Joe, dessen Eltern neben dem einzigen Tennisclub der Stadt gelebt haben. Die Kinder in Kamerun lernten schneller als in Deutschland, hat der Trainer festgestellt. „Eigentlich ist Fußball der Sport Nummer eins, aber die meisten sind Bewegungskünstler.“ Ein weiterer Unterschied, der ihm aufgefallen ist: „In Kamerun sage ich den Kindern, wenn die Stunde rum ist. In Deutschland sagen es mir die Kinder.“ Glücklich sind die kleinen Kameruner über die geschenkten T-Shirts, Sporthosen, Schläger und Bälle. „Tennis für Afrika“ hat Joe seinen eingetragenen Verein getauft, „ich will etwas für die Kinder in meinem Land tun“. Dabei war es Zufall, dass er jetzt in der Pfalz lebt. Derzeit ist er in Speyer, Limburgerhof und Neustadt als Trainer tätig. Diese Vereine haben ihn ebenfalls mit einer Vielzahl von Spenden, wie gerade der Nachwuchs des TC Deidesheim, unterstützt. (wij)