Neustadt Am Rande der Bande:
Als „einen Physio für alle Fälle“, lobte Hans-Peter Kauffmann, Hallensprecher des Handball-Drittligisten TSG Haßloch, im jüngsten Heimspiel gegen den TV Großsachsen vor gut 500 Zuschauern den Haßlocher Physiotherapeuten Ralf Ameis. Der war Mitte der zweiten Hälfte aufs Spielfeld geeilt, nachdem TSG-Kreisläufer Sebastian Bösing einen Konter der Handballer von der Bergstraße gestoppt hatte. Nein, es hatte sich niemand dabei verletzt. Doch ein kleiner Deckel im Hallenboden, unter dem sich eine Halterung für ein Turnreck verbirgt, hatte sich gelöst und war zur gefährlichen Stolperfalle für die Sportler geworden. Mit Klebespray und Tape, einem klebrigen Band, mit dem Sportler ihre Verletzungen kurieren, Muskeln lockern und Entzündungen hemmen können, war Ameis bei seinem außergewöhnlichen Einsatz ausgerüstet. Und er war erfolgreich mit seiner speziellen Behandlung für den Boden. Der kleine runde Deckel haftete anschließend fest im Spielfeld. „Normalerweise ist der Deckel mit dem Boden verbunden“, erzählt Ralf Ameis. „Aber durch das viele Harz, das die Handballer auch unter den Schuhen haben, ziehen sie den Deckel hoch“, weiß der Physiotherapeut die Ursache für den lädierten Hallenboden. Denn die Handballer harzen sich stets die Hände, um den Ball besser zu fangen und zu führen. Rollt das Spielgerät über denn Boden, klebt das Harz schnell unter den Schuhsohlen und natürlich am Boden selbst. Ralf Ameis war aber nicht nur während der Partie im Einsatz, um das Spielfeld zu kurieren. Auch die Handball-Tore hat er sozusagen schon geheilt und damit Drittliga-tauglich gemacht. Denn wer sich die Pfosten genau anschaut, entdeckt auch dort weißes Tape. Der Physiotherapeut erklärt, dass die kleinen Plastikhaken am Torrahmen, an denen das Tornetz eingehängt wird, „bei der Schussgewalt, die die Spieler in der Dritten Liga haben, einfach wegfliegen“. Denn so manche guten Spieler schafften es in der Liga, den Ball mit 80 Sachen aufs gegnerische Tor zu werfen. „Von denen“, meint Ameis verschmitzt schmunzelnd, „hätten wir gerne noch ein paar“. (sab) Vereinsjubiläen haben insbesondere für Chronisten einen tollen Nebeneffekt. Meistens entsteht eine Festschrift, in der die Geschichte aufgearbeitet wird. Und dies veranlasst meistens ältere Vereinsmitglieder oder Nachfahren früherer Funktionäre und Spieler auf Nachfrage, alte Zeitungsausschnitte und private Bilder zur Verfügung zu stellen. Dabei kommen oft wahre Schätze zum Vorschein. Der Fußball-Bezirksligist 1. FC 08 Haßloch feierte in der jüngeren Vergangenheit gleich zwei Jubiläen: 2008 das 100-jährige Vereinsbestehen und in diesem Jahr die 50. Wiederkehr der Wiedergründung als eigenständiger Verein, da die 08er bis 1965 fast 30 Jahre lang als Fußballabteilung der TSG Haßloch beziehungsweise deren Vorgänger VfL Haßloch und SG Haßloch angetreten waren. Vor allem die Nachfahren der früheren Vorstandsmitglieder Heinrich Valceschini, Hans Drewitz; Herbert Müsel und Walter Volkmer sowie des Haßlocher Fotografen Gustav Flott, die viele Jahre in der Jugendabteilung tätigen Ute Speicher und Horst Falk sowie die ehemaligen Spieler Hans Brauch, Andreas Fasdernes, Günter Löchner und Roman Konrad durchstöberten ihre privaten Archive und trugen wesentlich dazu bei, dass die Vereinsgeschichte aufgearbeitet werden konnte. Bereits am 8. August berichteten wir vor dem Auswärtsspiel des FC 08 beim VfB Iggelheim am Rande der Bande, dass im Gründungsjahr 1908 eine Fußballmannschaft aus dem Nachbarort auf dem Schillerplatz der erste Gegner der 08er war. Unter dem Material, das für die Chronik zur Verfügung gestellt wurde, befand sich auch ein Bild, das vor dem Freundschaftsspiel der Haßlocher gegen die Iggelheimer vor 107 Jahren aufgenommen worden ist. Es handelt sich dadurch um das älteste bekannte Foto einer Fußballmannschaft aus dem Großdorf. Allerdings ist nicht bekannt, wer die Spieler auf dem Bild sind, aber vielleicht erkennen einige Leser einen Vorfahren. Sollte dies der Fall sein, können Sie, liebe Leser, sich per E-Mail an redneu@rheinpfalz.de unter dem Stichwort 08 Haßloch melden. Die zu sehenden Fußballpioniere sind vermutlich fast alle zwischen 1880 und 1890 geboren worden. Das morgen, Sonntag, 14.45 Uhr, auf dem 08-Gelände stattfindende Rückrundenspiel gegen den VfB Iggelheim reiht sich daher als inoffizielle Abschlussveranstaltung in die im August mit dem Terrassenfest offiziell zu Ende gegangenen Jubiläumsveranstaltungen des 1. FC 08 Haßloch ein. Darüber hinaus ist das bisher letzte Gastspiel des Nachbarn bei der Ersten Mannschaft der 08er auch schon lange her. Am letzten Spieltag der Saison 1984/1985 gastierten die Iggelheimer letztmals an der Adam-Stegerwald-Straße. Tore von Gerd Weinerth, Christian Hess und Stefan Krämer sorgten vor gut 30 Jahren für einen 3:2-Sieg der Schlegel-Elf, die sich dadurch die Teilnahme an einem Entscheidungsspiel um die Meisterschaft der A-Klasse Mitte gegen TuS Mechtersheim sicherte und dieses in Hanhofen mit 1:0 gewann. (dil) Es ist schon lange her, dass im Männerfußball eine Mannschaft aus dem Gebiet des ehemaligen Fußballkreises Neustadt ein Pflichtspiel außerhalb des Gebiets des Südwestdeutschen Fußballverbandes bestritten hat. Dies war zuletzt in der Saison 1982/1983, in welcher der VfL Neustadt der Oberliga Südwest angehört hat, der Fall. Mancher wird nun einwenden, dass doch der SV Geinsheim von 1989 bis 1993 in der Oberliga gespielt hat. Aber der SVG war in dieser Zeit ebenso wie der VfL Duttweiler Mitglied des damaligen Fußballkreises Speyer. Auswärtsfahrten führen unsere männlichen Fußballer deshalb ausschließlich zu anderen Pfälzer Vereinen, nach Rheinhessen oder in die Naheregion. Anders sieht es bei den Frauen aus. Zu Bundes- und Zweitligazeiten fuhr schon die Frauenmannschaft des TuS Niederkirchen regelmäßig nach Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Und auch nach dem Abstieg des 1. FFC Niederkirchen in die Regionalliga Südwest vor einem halben Jahr bereist die Frauenmannschaft ebenso wie die eigenen B-Juniorinnen mit dem Rheinland und dem Saarland Regionen, die für die männlichen Kollegen zumindest fußballerisch seit Jahrzehnten unbekannte Gegenden sind. Am vergangenen Sonntag stand für den FFC eine der weitesten Fahrten dieser Saison auf dem Programm. Ziel war Andernach im schönen oberen Mittelrheintal, das mancher zu einem Sonntagsausflug nutzte. Zumindest ist der ausgebuchte Niederkirchener Bus ein Beleg dafür. Nach der Ankunft bei dem Traditionsverein des Fußballkreises Rhein-Ahr war jedoch zunächst einmal die Enttäuschung groß: Zwischen dem gesperrten alten Andernacher Stadion aus dem Jahr 1955 mit 15.000 Plätzen sowie der wegen Baufälligkeit gesperrten Holztribüne und den zwei 2010 errichteten Kunstrasenplätzen befand sich zwar ein Gebäude mit modernem Kabinentrakt, aber keine Gaststätte. Für den Gastlichkeit gewohnten Pfälzer eine Horrorvision! Die Aussage „Unser Imbissstand öffnet um 12 Uhr“ konnte den knapp eine Stunde zuvor angereisten Niederkirchener Anhang wenig begeistern. Schon eher der Hinweis „Die Gaststätte des benachbarten Tennisclubs befindet sich nicht weit weg“. Der Pfälzer Tross verließ daraufhin unverzüglich noch einmal die Sportanlage. Zumindest eine Tasse Kaffee in gemütlicher Atmosphäre muss vor dem Spiel sein! Nach dem Spiel war das alles kein Thema mehr, denn Niederkirchens Spielleiter und Gastwirt Alois Schalk hatte vor der Abfahrt genügend Verpflegung in den Bus gepackt. Dadurch ist Pfälzer Geselligkeit auch in ehemals preußischen Gebieten wie dem Rheinland garantiert! (dil)