Neustadt „Als Spaßmensch in der Realität“

„Nicht weitersagen“ heißt Florian Simbecks drittes Solo-Programm, mit dem er jetzt nach Deidesheim kommt. Wir verraten es trotzd
»Nicht weitersagen« heißt Florian Simbecks drittes Solo-Programm, mit dem er jetzt nach Deidesheim kommt. Wir verraten es trotzdem.

«Deidesheim.» Mit seinem Comedy-Partner John Friedmann feierte Florian Simbeck bis 2007 Erfolge als „Erkan und Stefan“ – das Münchener Duo erreichte mit seinem deutsch-türkischen Jugend-Slang geradezu Kultstatus. Mittlerweile ist Simbeck – der einstige Stefan – aber solo auf den deutschen Bühnen unterwegs und kommt nächsten Donnerstag mit seinem dritten Programm „Nicht weitersagen“ ins Boulevardtheater Deidesheim. Claus Jürgen Holler hat vorab mit ihm gesprochen.

Herr Simbeck, macht es Ihnen bei diesem Programmtitel etwas aus, wenn wir hier weitersagen, dass Sie zum Gastspiel nach Deidesheim kommen?

(lacht) Nein, überhaupt nicht. Es ist ja schön, wenn es weitergesagt wird, dann kommen vielleicht auch ein paar Leute mehr. Als Stefan haben Sie ja viel Erfahrung mit Soziolekten gesammelt. Fühlen Sie sich denn auch fit für den Kontakt mit den Pfälzern und ihrem Dialekt? Als gebürtiger Bayer habe ich eigentlich keine Angst vor Dialekten, und insofern befürchte ich auch keine Verständigungsprobleme in Deidesheim. Vor ein paar Monaten hatte ich allerdings einen Auftritt in Mannheim, da habe ich kein Wort verstanden – aber letztlich haben doch alle gelacht ... Wie ist denn der Kontakt zum Boulevardtheater in Deidesheim zustande gekommen? Ich habe Boris Stijelja auf der Bühne kennengelernt, er ist ja auch als Stand-up-Comedian unterwegs. Und weil er ein netter Typ ist, sind wir ins Plaudern gekommen. Er hat mir erzählt, dass er ein Theater leitet. Als er mich dann für einen Solo-Auftritt buchen wollte, habe ich gern zugesagt. „Nicht weitersagen“ ist ihr drittes Solo-Programm. Wie ist denn die Umstellung, wenn man keinen Stichwortgeber in Form eines Bühnenpartners wie John Friedmann mehr hat? Anfangs war es schon eine ziemliche Umstellung. Es ist ja nicht nur, dass man alleine auf der Bühne steht, es gibt ja auch keine Kunstfigur und kein Kostüm mehr, hinter dem man sich verstecken kann. Insofern muss man schon etwas mehr von sich selbst preisgeben. Mittlerweile habe ich mich aber ganz gut daran gewöhnt. Jetzt ist das Publikum mein Ansprechpartner, es geht um Interaktion, während „Erkan und Stefan“ fast wie Theaterspielen war. Sie haben sich für das Comedy-Genre entschieden – warum nicht für politisches Kabarett? Lästern über andere liegt mir nicht. Im Kabarett sind die Witze eigentlich immer dieselben. Und man kann das Rad des Witzes nicht immer wieder neu erfinden. Ich finde es schöner, wenn man selbst das Opfer der eigenen Attacken ist und so beim Publikum dieses Gefühl des „Geht’s uns nicht genauso“ hervorruft. Wobei das Kabarett ja als die anspruchsvollere Spielart gilt ... Comedy ist ja weit vielfältiger als das, was man aus dem Fernsehen kennt. Die Szene ist viel breiter aufgestellt. Das erlebe ich auch als Gastgeber immer wieder: Wir haben einen Pool von über 100 extrem guten Leuten, von denen das Publikum keine Ahnung hat. Comedy findet eben eher auf den kleinen Bühnen statt. Glauben Sie denn, dass sie es auch mal auf die großen Bühnen schafft? Ich bin ziemlich sicher. Wir werden seit etwa fünf Jahren immer mehr und immer besser. Sendeformate wie „Nightwash“ helfen zum Beispiel sehr bei der Talentfindung. Und es gibt ja auch schon einige Kollegen, die vor ziemlich vielen Zuschauern spielen. Wobei sich da mitunter schon auch die Frage nach der Qualität stellt ... Wie würden Sie denn qualitativ hochwertige Comedy definieren? Zunächst mal über die Inspiration von der Stand-up-Comedy-Tradition aus England und den USA. Und dann eben auch über eine gewisse Form des Wissensmanagements, des Eingehens auf das Publikum und seine Befindlichkeiten. Über Dating-Erfahrungen auf Tinder vor einem Saal mit Senioren zu reden, geht meiner Meinung nach schlicht und einfach am Thema vorbei ... Worum geht es denn inhaltlich in „Nicht weitersagen?“ Im weitesten Sinne darum, als Spaßmensch in der Realität angekommen zu sein, im so genannten Ernst des Lebens. In dem man zum Beispiel Kindern Werte vermitteln und so etwas vorleben muss, was man eigentlich noch gar nicht vorleben möchte, weil man sich noch zu jung dafür fühlt. Termin Florian Simbeck spielt „Nicht weitersagen“ am Donnerstag, 17. Mai, um 20 Uhr im Boulevardtheater Deidesheim. Karten (ab 16,50 Euro) unter 0172-4008201 oder www.boulevard-deidesheim.de.

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