Neustadt Als sei’s die Welt von Meister Eder
Fast meint man, hinter dem Haufen Sägespäne unter der Werkbank den karottenroten Schopf des Kobolds Pumuckel hervorblitzen zu sehen. Doch der Herr in dieser Schreinerwerkstatt in Miniaturformat hat mit einem Schreinermeister Eder nichts zu tun. Denn erschaffen wurde sie von Bernd Friedrich, der sich das Schreinern rein autodidaktisch beigebracht hat. Vor gut zwanzig Jahren begann er mit Holz zu arbeiten. Anlass war ein antiker Schrank, den sein Vater damals noch nicht hergeben wollte und den sich der Lachen-Speyerdorfer dann „einfach nachgebaut“ hat. „Für mich war das Werkeln mit Holz nach Feierabend ein anspruchsvoller Ausgleich zu meiner Bürotätigkeit am Computer“, erzählt er. Nachdem der erste Schranknachbau gut gelungen war, versuchte er sich an kunstvoll gestalteten Schränken, Kommoden, Sekretären und Beistelltischchen im gehobenen Landhausstil. Obwohl er niemanden im persönlichen Umfeld kannte, bei dem er sich fachlichen Rat holen konnte. Ohne jemals eine Planzeichnung anzufertigen, tischlerte er so lange, bis alles passte und seinen Qualitäts- und Design-Ansprüchen genügte. Anregungen holte er sich in Wohnzeitschriften oder beim Bummel durch Möbelhäuser. „Eine traditionelle Schreinerwerkstatt originalgetreu nachzubauen, hat mich gereizt, weil ich damit auch wieder meine Liebe zur Arbeit mit diesem wunderbaren Werkstoff ausdrücken konnte“, erinnert sich der Mittsechziger. So ist eine Modellwerkstatt entstanden, die wie aus der Zeit gefallen scheint. Für das Miniaturformat hat er sich unter anderem deshalb entschieden, weil das Haus mittlerweile mit seinen Eigenproduktionen vollständig möbliert war. Etwa vier Wochen Arbeitszeit hat ihn die kleine Werkstatt gekostet. Das Material für all die Werkzeuge fand sich in seiner eigenen Werkstatt zur Genüge, schließlich sind die Teile winzig. Da hängen Holzsägen und eine Handbohrmaschine an der Wand, Schraubzwingen sind nebeneinander aufgereiht. Und der Hobel liegt auf der Werkbank, als solle die Arbeit gleich wieder aufgenommen werden. Im Bollerofen, dessen Ofenrohr durch die Werkstatt führt, scheint das aufgeschichtete Holz nur darauf zu warten, angezündet zu werden. Auch an Werkstücke, mit denen der imaginäre Schreinermeister gerade beschäftigt sein könnte, wurde gedacht: Da gibt es eine fast fertige Standuhr mitten im Raum oder ein Bassgeigenrohling, der am Fensterrahmen lehnt und auf seine Fertigstellung wartet. „An Holz hat mich immer fasziniert, wie vielseitig es ist, wie kreativ man damit arbeiten kann, wie gut es bei der Arbeit riecht und vor allem, dass man es mit relativ erschwinglichem Werkzeug bearbeiten kann“, erklärt Friedrich. Allerdings muss er feststellen, dass er eine Arbeit wie die Miniwerkstatt oder auch einige historische Jahrmarktkarussells, die in seiner Werkstatt entstanden sind, heute nicht mehr machen könnte. „Mit Brille ist das schon kompliziert bei diesem kleinen Fuddelkram“, sagt er. „Und die Geduld hätte ich wohl heute auch nicht mehr.“ Sein nächstes Projekt hat deshalb wieder reale Maßstäbe: Es ist eine Holzverkleidung für einen künstlichen Kamin.