Neustadt „Als Randgebiet besonders gefährdet“

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Mit der Traubenreife beginnt für die Winzer auch das alljährliche Thema der Vogelabwehr. Schon bevor die großen Starenschwärme in der Region eintreffen, sind bereits hungrige Vogelgruppen in den Feldern unterwegs und richten dort zum Teil große Schäden an. Das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) gibt regelmäßig vor der Weinlese umfassend Auskunft über die gängigen Maßnahmen der Vogelabwehr. Diese wird in der Verbandsgemeinde Deidesheim sehr unterschiedlich gehandhabt.

Problematisch ist der Einsatz automatischer Schussapparate. Besonders in Wohngebietsnähe geben diese Geräte öfter Anlass zur Beschwerde. In den Meckenheimer Fluren sind 20 dieser Starenschreckgeräte und drei weitere mit Vogelstimmen verteilt aufgestellt. Auch in diesem Jahr haben sich beim Ordnungsamt bereits mehrere Bürger über erhöhte Lärmbelästigung beschwert. Die Reklamationen kommen vor allem aus den Ortsrandlagen, doch handelt es sich dabei nicht zwangsläufig um Neubürger, die nur der Ruhe wegen aufs Land gezogen sind. Durch die Vielzahl der aufgestellten Geräte gebe es fast keine Ruhephase mehr – selbst am Wochenende nicht, so ein genervter Bürger, der vor vier Jahren aus einer Nachbargemeinde nach Meckenheim gezogen ist: „Das Geballer wird selbst nach der Dämmerung fortgeführt.“ Seines Erachtens habe in den vergangenen Jahren die Geräuschkulisse erheblich zugenommen. Einer der Vogelschreiapparate stehe nur 200 Meter entfernt zu den nächsten Häusern im Baugebiet „Alte Ziegelei“, und dessen Lautsprecher seien genau auf den Ort ausgerichtet. Dabei habe er durchaus Verständnis für die Winzer. Doch könne man die Vogelabwehr auch verträglicher organisieren, wie es beispielsweise in den Nachbargemeinden praktiziert werde, zumal die Vogelsituation zurzeit noch recht überschaubar sei. „Als Randgebiet ist Meckenheim besonders gefährdet“, gibt Manfred Ohler vom Meckenheimer Bauern- und Winzerverband zu bedenken. Mittlerweile gebe es hier mehrere ortsansässige Vogelgruppen. Die Stare kommen von den Gemüseäckern und sitzen zu Scharen auf den großen Nussbäumen und Überlandleitungen. „Die müssen permanent vertrieben werden“, betont Ohler. Am effektivsten seien dafür Schussapparate. Der Schaden, den die Tiere in den Weinbergen anrichteten, sei nicht allein auf das Fressen der Früchte beschränkt, erläutert Ohler. Schon durch das Anpicken der Beeren komme es eher zur Fäulnis. Die Stare bevorzugten besonders die roten Trauben. Die Winzer können auf die Vogelabwehr nicht verzichten und brauchen den flächendeckenden Schutz. „Vom Ertrag der Weinberge hängt schließlich die Existenz ab“, so der erfahrene Landwirt, zumal dieses Jahr für die Winzer wegen der Witterung schon problematisch genug war. Die Meckenheimer Gemarkung reiche von Haßloch bis fast Niederkirchen. Ein Feldschütz wäre da permanent im Einsatz. Das sei in Meckenheim nicht praktikabel, ist sich Ohler sicher. Zudem habe die technische Ausrüstung mit 14.000 Euro die Meckenheimer Winzer einiges gekostet. Die Vogelabwehr wurde mit dem Ordnungsamt abgestimmt. Diesem liegen auch eine Liste und ein Aufstellungsplan vor. Die Schussanlagen wurden erst kurz nach der Kerwe, also Anfang September, aufgestellt und müssen ungefähr vier Wochen stehen bleiben. „Nach der Lese kommen sie sofort wieder weg“, versichert Ohler. Beschwerden seien auch bei ihm eingegangen. Die kämen dann, wenn es Störungen gebe, beispielsweise eine Automatik oder Zeitschaltuhr verstellt sei. Die Schussanlagen würden jedoch regelmäßig überprüft. Generell habe man für das Ruhebedürfnis der Bürger auch Verständnis, deshalb stehe er als Ansprechpartner gerne zur Verfügung, betont Ohler. Weiter nimmt auch das Ordnungsamt Reklamationen entgegen. Meistens könne das Problem recht schnell behoben werden, erklärt Michael Epple (Telefon 06326/977124). In den anderen Gemeinden der Verbandsgemeinde Deidesheim sieht die Starenabwehr unterschiedlich aus. Bereits seit den 70er-Jahren haben sich die Deidesheimer Winzer, aus Rücksichtnahme auf die Urlaubsgäste, verpflichtet, auf automatische Schussanlagen zu verzichten. Stattdessen übernehmen zwei rüstige Rentner in der Weinlesezeit die Vogelabwehr, erklärt Franz Arnold von der Bauern- und Winzerschaft Deidesheim. Die beiden Feldschütze beobachten in den Deidesheimer Weinlagen, wo sich die Stare sammeln und geben dort gezielt Schüsse ab. Die Geräuschbelästigung sei dadurch gering, so Arnold. Die Kosten für den ehrenamtlichen Einsatz übernimmt die Stadt. Auch in Forst sind zurzeit drei erfahrene Leute als ehrenamtliche Feldschütze unterwegs, berichtet Bernhard Klein, Ortsbürgermeister von Forst. In Niederkirchen wie auch in Ruppertsberg organisieren die Winzer die Starenabwehr selbst. Eine Belastung durch Starenschwärme sei seit den vergangenen Jahren kein Thema, so Rudolf Day vom Ruppertsberger Weinkeller Hoheburg. Auch derzeit würden keine Starenschwärme wahrgenommen, versichert Ursula Knoll, Ortsbürgermeisterin von Ruppertsberg. Die Ruppertsberger Bauern- und Winzerschaft sei im Besitz einer Starenabwehrschusswaffe, die zurzeit jedoch nicht eingesetzt werde. Nils erklärt |vnl

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