Neustadt Als „Kümmerer ein Segen“

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Sie sind viel unterwegs in der Neustadter Natur. Sie kennen sich aus, wissen, wo es langgeht und was getan werden muss, um Gewässer, Boden, Tiere zu schützen. Einige von ihnen sind regelrechte Experten. Was aber noch wichtiger ist: Obwohl bereits engagiert, wollen sie eins draufsetzen – als ehrenamtliche Naturschutzbeauftragte der Stadt. Gestern Abend wurden sie von Umweltdezernentin Waltraud Blarr per Urkunde ernannt.

Insgesamt neun Neustadter werden in den kommenden fünf Jahren als ehrenamtliche Naturschutzbeauftragte unterwegs sein. Vier von ihnen sind neu in diesem Amt, die anderen seit Langem dabei. Alle sind in Naturschutzverbänden organisiert, über die Hälfte ist zudem im Naturschutzbeirat der Stadt vertreten. Dass es nur Männer sind, liegt nicht am Platzhirschverhalten, wie Martin Grund deutlich machte. Es fehle an Frauen, die sich für den Naturschutz einsetzten, „wenn sich da etwas tun würde, gehe ich in die zweite Reihe zurück“. Waltraud Blarr sprach er damit aus der Seele. Im Gegensatz zu den 1980er Jahren sei der Naturschutz heute nicht mehr so stark im Bewusstsein der Menschen verankert. Das bedeute aber nicht, dass er – trotz einiger Erfolge – überflüssig geworden wäre. Doch auch Naturschutzverbände litten unter Nachwuchssorgen, Frauen seien nicht überall stark vertreten. Daher war es ihr gestern als neue Umweltdezernentin ein Anliegen, die Naturschutzbeauftragten bei einer kleinen Feier mit ihrem Amt zu betrauen. Das sei der Bedeutung des Amts angemessen. Für insgesamt sieben Bezirke werden die Naturschützer zuständig sein. Weil die Flächen in Lachen-Speyerdorf und Geinsheim sehr groß sind, teilen sich dort jeweils zwei Beauftragte die Arbeit. Für Lachen-Speyerdorf sind es Volker Lichti und Manfred Sauter (neu), für Geinsheim Fritz Thomas und Karl Schaaf (neu). In Mußbach ist erneut Bernd Hoos unterwegs, in Gimmeldingen und Königsbach Volker Platz, in Diedesfeld und Hambach Martin Grund. Weiter neu im Amt sind Clement Heber (Neustadt/Sonnenweg und Haardt) sowie Heinz Amann (Duttweiler). Illegale Anlagen so früh wie möglich melden, ebenso veränderte Gewässer, den Missbrauch von Grünflächen oder in der Vegetationsphase nicht erlaubte Arbeiten: Die Aufgabenpalette der Naturschutzbeauftragten ist breit. Unabdingbar: der enge Kontakt zur unteren Naturschutzbehörde bei der Stadt. Deren Mitarbeiter könnten nicht überall sein, so Thomas Baldermann, Leiter der Umweltabteilung gestern. Aber nur, wenn der Behörde etwas gemeldet werde, könne sie reagieren. „Sie sind unser Auge und unser Ohr und als solche Kümmerer ein Segen“, sagte Baldermann. Er setzt auch auf den „direkten Draht“, den die Naturschutzbeauftragten zu den Menschen hätten, zumal „da viel auf kommunikativer Ebene“ möglich sei. Ebenso willkommen seien natürlich konstruktive Vorschläge, wie Dinge besser gemacht werden könnten. Dass es mit der vertrauensvollen Zusammenarbeit besser klappe als in der letzten Legislaturperiode, darauf hofft unter anderem Volker Platz. Damit spielte er gestern auf Pestizide an, die illegal in Weinbergen ausgebracht worden seien. Da die Behörde nichts unternommen habe, sei Naturschutzverbänden nichts anderes übrig geblieben, als den Verursacher anzuzeigen – laut Platz mit Erfolg. Waltraud Blarr versicherte ihm, das Thema nicht aufgegeben zu haben. (ahb)

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