Neustadt Als der Saumagen königlich mundete
Es war der letzte große Staatsbesuch, zu dem der kürzlich verstorbene Altkanzler Helmut Kohl hohe Staatsgäste nach Deidesheim gebracht hat: Heute vor genau 20 Jahren besuchte das spanische Königspaar Juan Carlos und Sophia die Stadt, und das wollten natürlich viele Schaulustige sehen. Pfälzer vor allem, aber auch etliche Spanier und Journalisten aus nah und fern.
Weinprinzessin trifft echten König: Das passierte Weinhoheit Diana Andres aus Niederkirchen, die den „echten“ Hoheiten einen Römer mit „Deidesheimer Paradiesgarten“ reichen durfte. Grund für den Abstecher beim Pfalzbesuch war natürlich die Gastronomie im „Deidesheimer Hof“ mit dem damaligen Küchenchef Manfred Schwarz, die Helmut Kohl besonders geschätzt hat. Und der Leib- und Magenkoch des Kanzlers – er hat sich inzwischen nach mehreren Zwischenstationen in Kirchheim in einem kleinen Restaurant niedergelassen – tischte denn auch einen „Saumagen Royal“ als Hauptgang auf, neben einem „Strudel von Blut- und Leberwurst“ und einem „leichten, luftigen Dessert“. Der Kanzler berichtete nachher Schwarz und dieser wiederum der RHEINPFALZ, dass er mit Juan Carlos einen „neue Freund für den Saumagen gewonnen“ habe. Keine Chance also für die „Gesundheitspartei Europa“, die damals die Staatsbesuche gerne nutzte, um für vegetarische Ernährung zu demonstrieren. Vorher gab’ s aber noch „König zum Anfassen“ – oder wenigstens fast – auf dem Marktplatz in Deidesheim. Nur eine Schnur war um den Platz gespannt, die Zuschauer nur wenige Meter von Juan Carlos und Sophia entfernt. Die schüttelten auch einige Hände, und die Königin hatte sichtbar Freude an den Kindern, die unter den Besuchern waren. Einige Spanierinnen schwenkten Fahnen in den Nationalfarben Rot und Gelb und riefen „Viva el Rey“ (Es lebe der König). Es war wie gewohnt in Deidesheim ein freundlicher Empfang, von den scharfen Sicherheitsvorkehrungen war nichts zu spüren. Schließlich gab es damals durchaus auch Sorgen: Die baskische ETA kämpfte immerhin noch mit Anschlägen für die Unabhängigkeit des Baskenlandes. Die spanische Königsfamilie hat seitdem für einige kleinere und größere Skandale gesorgt. Auch das Ansehen des Königs selbst hat gelitten, bevor er im Jahr 2014 abdankte. Als er Deidesheim besuchte, war es noch ohne Kratzer. Vor allem genoss er in Spanien selbst und auch im Ausland große Sympathien wegen der unbestrittenen Verdienste, die er sich um die Demokratie in Spanien erworben hatte. Seiner Standhaftigkeit war es schließlich mit zu verdanken, dass nach der Diktatur des Generals Franco der Übergang des Landes in eine freie Gesellschaft gelang und ein Putschversuch rückwärtsgewandter Militärs keinen Erfolg hatte. Der damalige Deidesheimer Bürgermeister Stefan Gillich erinnerte bei dem Besuch vor 20 Jahren in Deidesheim daran, dass spanische Truppen im Jahr 1621 zwei Wochen lang Deidesheim belagert hatten. Zum Glück ist das lange her. Dem Königspaar sei es demgegenüber gelungen, „in wenigen Minuten die Herzen der Deidesheimer zu gewinnen“. Die Familie der Bourbonen, denen Juan Carlos entstammt, hat übrigens noch einen Bezug zur Pfalz. Einer seiner Vorfahren war König Rudolf I. von Habsburg (1273-1291), der in der Krypta des Speyerer Doms begraben liegt. Den Dom hat das spanische Königspaar am gleichen Tag wie Deidesheim auch besucht. Wie so oft hatte Helmut Kohl Staatsgäste an beide Orte in der Pfalz geführt.