Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Alles voller Wikinger: Überraschungsreiches Konzert der Bläserphilharmonie Deutsche Weinstraße

Himmlische Klänge brachte die Bläserphilharmonie Deutsche Weinstraße ebenso in den Saalbau mit wie erdig donnernde Tutti.
Himmlische Klänge brachte die Bläserphilharmonie Deutsche Weinstraße ebenso in den Saalbau mit wie erdig donnernde Tutti.

Im Neustadter Saalbau sorgte die Bläserphilharmonie Deutsche Weinstraße am Samstagabend für ein volles Haus. Ein Amateurorchester traf auf einen Saal voller Liebhaber gerade dieser Musik und dieser Musiker. Es brauchte allerdings kein Wohlwollen, um das Konzert großartig zu finden: Es war voller Überraschungen.

Die mehr als 90 Musiker stammen aus einer großen Zahl von Musikvereinen und Stadtkapellen in der ganzen Vorderpfalz. Ein Symphonisches Blasorchester ist wie ein klassisches Symphonieorchester, hat aber keine Streicher – bis auf einen Kontrabassisten. Trotzdem boten sie ein breites Spektrum an Klangfarben, auch weil eine beeindruckende Anzahl an Schlaginstrumenten vorhanden waren sowie Bassklarinette und Fagott.

Zwischen Orchester und Publikum kam es sofort zum Kontakt. Die Mienen der Musiker hellten sich freudig auf, als sie die Bühne betraten und der Menge ansichtig wurden. Das Publikum spendete sofort reichlich Applaus. Viele der Amateure aus den Orchestern, denen die Musiker entstammen, waren da, Verwandte, Freunde, Kinder, und natürlich sonstige Musikliebhaber. Ein wohlwollendes Publikum. Und es konnte staunen, was alles möglich ist mit einem solchen Orchester von Enthusiasten. Dass überhaupt ein Laienorchester ein solches Programm bewältigen kann, zeigt die Begeisterung, mit der die Musiker bei den Proben und Probenwochenenden dabei waren.

Zum Auftakt spielten die Musiker die „Overture in C“ von Charles Catel. So konnten sie gleich ihre vielfältigen Möglichkeiten zum Klingen bringen. Hell-dunkel-Kontraste, bedächtige Passagen, flotte Musik, die an Reitermärsche erinnert, leise Töne, die allmählich in unüberhörbare Tutti mit Pauken und Trompeten übergehen.

Wenn die Zeit der Mitternachtssonne anbricht

Durch den Abend führten die Musiker Martha Koziol und Lothar Glasmann. Sie erklären, was man hören wird. Das ist auch nötig bei dem zweiten Stück „Sons of the Midnight Sun“ (Söhne der Mitternachtssonne) von Timo Forsström. Hier wird die Stimmung eingefangen, die die Finnen befällt, wenn die Zeit der Mitternachtssonne im Sommer angebrochen ist. Offenbar brechen sie in Gesang und Gesänge aus, in plötzliches, rhythmisches Klatschen, in Summen und anschwellenden Silbengesang. Ein singendes, klatschendes, summendes Orchester, in stets abwechselnden Kombinationen. So etwas dürften die meisten Zuhörer noch nie gehört und die meisten Musiker noch nie gespielt haben. Aber, wie Lothar Glasmann erklärte: „In jedem von uns steckt ein Wikinger!“

Auch das nächste sei ein ungewöhnliches Stück, ausgehend von einem Ohrwurm, den sich der Komponist James Barnes eingefangen hatte, und zwar von Niccolò Paganini. Dieser Wurm schlängelt sich – begonnen mit der Oboe – in 20 Variationen durchs ganze Werk. Alle Register kommen vor, in den verschiedensten Variationen, ein Stück zum Lauschen und Aufpassen, das auch dem Publikum den Ohrwurm beschert.

Vom Himmelslicht in die Höhle

Nach der Pause ein Medley aus dem Musical „My Fair Lady“, Hier wurden die Hörgewohnheiten nicht gesprengt, sondern sehr eingängig gestreichelt. Übersinnlich wurde es mit „Heaven’s Light“, in dem das Himmelslicht in sphärischen Tönen beschworen wird, ein Stück von Steven Reinecke, das er einer früh verstorbenen Klarinettisten geweiht hat.

Sehr irdisch wird es, wenn man sich in der Höhle wiederfindet, die der Philosoph Platon in seinem Höhlengleichnis beschrieben hat. Der US-amerikanische Komponist Stephen Melillo hat aus dieser Geschichte ein musikalisches Drama entwickelt, das von der Finsternis zum Licht führt, von den dunkelsten, grunzenden Tönen der Verblendung zum Kampf um die helleren und erlösenden Töne der Erkenntnis. Hier konnte sich das Orchester wieder in seiner ganzen Vielfalt von Klängen und Rhythmen zeigen, von leisesten Schalmeientönen zu donnernden Tutti-Passagen. Eine erstaunliche Menge verschiedenster Schlagwerkzeugen war zu hören. Das Stück ging mit Fortissimo zu Ende, gefolgt von einem Fortissimo des Klatschens.

Das Publikum war begeistert, stehende Ovationen, zwei Zugaben, endend in einem flotten Galopp, der das Publikum in Schwung für den Nachhauseweg machte.

Um Nachwuchs müssen sich die Bläser keine Sorgen machen. Unter den Zuhörern war die United Concert Band, ein neu gegründete Kooperation von der Integrierten Gesamtschule Landau, der Kreismusikschule und der Stadtkapelle Landau.

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