Neustadt Alles auf Anfang
Die ehemalige Deidesheimer Synagoge bot die vergangenen eineinhalb Jahre einen traurigen Anblick«». Ein Feuer, das von einem Schuppen des Nachbargrundstückes übergegriffen hatte, zerstörte den Dachstuhl am frühen Morgen des 21. August 2016. Ein Brandgutachten ergab laut dem Deidesheimer Stadtbürgermeister Manfred Dörr keine eindeutige Ursache. Die Vermutung, dass die unsachgemäße Entsorgung von Grillasche der Auslöser war, konnte nicht bestätigt werden. Nach dem Brand wurden die Ziegel entfernt. Eine Folie auf dem Dach soll vor Niederschlägen schützen, Latten stärken die Deckenbalken provisorisch. Weder die Stadt noch der Freundeskreis der ehemaligen Synagoge konnten das Gebäude seither für Veranstaltungen nutzen. Nun heißt es „alles auf Anfang“: Diese Woche beginnen die Bauarbeiten mit Vermessungen an dem ehemaligen Gotteshaus, teilt Stadtbürgermeister Manfred Dörr mit. Zimmermann, Klempner, Dachdecker, Stuckarbeiter, Trockenbauarbeiter, Heizungsmonteure, Verputzer, Maler sowie Glaser werden anschließend an der Synagoge arbeiten. Im April soll die Baustelle laut Dörr beendet sein. Das Kulturhaus soll dann wieder aussehen wie vor dem Brand. Doch warum beginnen sie erst jetzt, anderthalb Jahre nach dem Brand? „Die Zeit zwischen dem Ereignis und heute haben wir genutzt“, betont Dörr. Besprechungen mit dem Denkmalamt, Verhandlungen mit der Versicherung, das Stellen eines Bauantrages sowie diverse Absprachen aller Beteiligten hätten zu Verzögerungen geführt. Die Versicherung komme für die Brandschäden am Gebäude auf. Der Schaden liege unter 200.000 Euro. Dennoch kämen für Stadt und Verein weitere Kosten hinzu: Die Einrichtung, insbesondere die Stühle, sei nicht versichert gewesen, sagt Dörr. Wer das bezahle, müsse noch geklärt werden, sagt der Stadtbürgermeister, der eine enge Zusammenarbeit mit dem Verein beschreibt. Der 1994 gegründete Freundeskreis nutzte das Gebäude vor dem Brand für zahlreiche kulturelle Veranstaltungen. Auch nach dem Feuer führte der Verein seine Arbeit fort: Vorträge, Lesungen, Konzerte und Adventsmatineen werden bis dato an anderen Orten wie zum Beispiel im Ratssaal der Verbandsgemeinde Deidesheim veranstaltet. Doch nicht mehr lange: Dieses Jahr sollen in dem ehemaligen Gotteshaus wieder kulturelle Veranstaltungen stattfinden: Am 5. Oktober um 19 Uhr dürfen Interessenten einem Konzert des Rishonim-Streichquartetts aus Israel lauschen, das mit der Villa Musica in Mainz zusammenarbeitet. Jüdische Bürger erbauten die Synagoge 1853. In den darauffolgenden Jahren ging die Anzahl der jüdischen Bürger jedoch zurück. In Folge dessen verkauften die neun verbliebenen Juden die Synagoge 1936 einem Deidesheimer, der das Gebäude als Lager und Garage nutzte. Von Zerstörungen während der Reichspogromnacht 1938 blieb die Synagoge verschont, da sie dort bereits in „arischem Besitz“ war. Seit 1987 steht das Gebäude unter Denkmalschutz, fünf Jahre später kaufte die Stadt die Synagoge. Info Über die Arbeit sowie weitere Veranstaltungen des Vereins informiert die Internetseite www. synagoge-deidesheim.de.