Neustadt Alleine durch die Sahara

Placeholder-Image

Er nennt sich Eisenbein. Christian Graf aus Edigheim, der mit 18 Jahren bei einem Motorradunfall ein Bein verloren hat, fährt bei der Charity-Rallye Dresden-Dakar-Banjul mit: über 7000 Kilometer quer durch Europa und Afrika mit einem alten Auto, das am Zielort für die Hilfsorganisation Dresden-Banjul-Organisation (DBO) versteigert wird. Damit tut man doppelt Gutes: Selbst alte Autos haben dort noch einen Wert und werden für die Wirtschaft benötigt. Das Geld kommt den Hilfsprojekten der DBO zugute. „Ich hatte im vergangenen Jahr einen Fernsehbericht über die Rallye gesehen und war sofort begeistert“, sagte der 43-jährige Graf, der freiberuflich als Versicherungskaufmann arbeitet. Es reifte rasch der Entschluss, selbst mitzufahren. Schnell fand sich auch das passende Fahrzeug – gespendet von einer Familie, die den Plan genauso toll fand wie Graf. Der Mitsubishi Spacerunner ist Baujahr 1993, leistet 122 PS, hat erst 69.000 Kilometer und ein Automatikgetriebe – allerdings keinen Tüv mehr. „Ich suche noch eine Werkstatt, die mich unterstützt“, so Graf. Denn bei der Planung war ihm nicht klar, dass er für ein Zoll-Kennzeichen noch einmal eine Hauptuntersuchung für das Fahrzeug vorlegen muss. Start der Tour ist am ersten Samstag im März in Dresden. Zunächst geht es quer durch Deutschland, Frankreich und Spanien, von dort mit einer Fähre nach Marokko. Bis dahin geht es nur über die Autobahn. Dann beginnt der anstrengendere Teil: Über Casablanca führt die Route durch das westliche Marokko, die West-Sahara, Mauretanien, den Senegal mit der Hauptstadt Dakar zum Zielort Banjul in Gambia. Vier Wochen sind für die Fahrt eingeplant. „Mich reizt das Abenteuer, neue Menschen und fremde Kulturen kennenzulernen und dabei auch noch etwas Gutes zu tun“, sagte der Rallyefahrer. Nachdem er nach Jahren schmerz- und problemfrei mit seiner Bein-Prothese gehen kann, will er das auch nutzen. Wandern im Pfälzerwald ist schön, aber eine Rallye nach Westafrika ist spannender. Und da seine Nichte, die ihn begleiten wollte, aus beruflichen Gründen nun doch absagte, beschloss er nach reiflicher Überlegung, alleine zu fahren. „Es haben schon einige vor mir alleine an der Rallye teilgenommen“, sagte er. Aber es wird hart, habe man ihm prophezeit. Im Gegensatz zu Zweierteams wird er sich nicht beim Fahren abwechseln können. Bis dahin ist noch allerhand zu erledigen. Vor allem sucht er weitere Sponsoren. Mit den sechs Unternehmen, die er als Unterstützer gewonnen hat, bekommt er gerade mal die Hälfte der kalkulierten Kosten von rund 5000 Euro zusammen – und da sind die Kosten für Auto-Reparaturen noch nicht eingerechnet. Für die Tour braucht er auch noch Verschleißmaterial für den Wagen: Schläuche, Bremsen und so weiter. „Alleine für das Benzin rechne ich mit 1200 Euro“, meint Graf. Überhaupt wundert er sich, was man alles bedenken muss. So habe er jetzt 340 Euro für die nötigen Impfungen bezahlt. Die Sammlung für Sachspenden war bereits erfolgreich. Verbandsmaterial, Schulhefte, Stifte und eine Sammlung an Gehhilfen wird er noch mitnehmen. Allerding darf das Auto nicht Fall überladen sein, und für die Strecke durch die Sahara muss ausreichend Platz für Wasser und Proviant im Auto sein. An der Rallye nehmen 48 Teams teil. Einen Teil der Strecke sind sie mit Begleitschutz unterwegs. Zum Glück seien auch Teilnehmer dabei, die sich mit Autos auskennen. „Ich habe von Autos nämlich keine Ahnung“, so Graf. Infos Infos und Kontakt zu Christian Graf im Netz: www.team-eisenbein.jimdo.com .

x